Haldensleben l Der Küchentisch wird zur Schulbank. Die kleine Emma sitzt in lässiger Kleidung über den Tisch gebeugt und löst akribisch die Aufgaben, die die Alstein-Grundschule ihre online zur Verfügung gestellt hat. Emma ist wie zahlreiche andere Schüler, die Haldenslebens Schulen besuchen, im Home Office. Der digitale Fortschritt kommt den Schülern in der Krise zugute.

„2. Tag Home Office für Kids“ ist gestern auf der Homepage der Gebrüder-Alstein-Schule zu lesen. Dort werden die Aufgaben für jede einzelne Klasse sowie die verschiedenen Fächer hochgeladen. „Wir sind zum ersten Mal in dieser Situation, aber da wir auch vorher schon digital gearbeitet haben, ist es kein großes Problem“, sagt Schulleiter Michael Blaschke. Ab dem heutigen Mittwoch beginnt er, jeden einzelnen seiner Schüler anzurufen und die Ergebnisse abzufragen. „Wir machen den Mathe-Test sozusagen am Telefon“, sagt Blaschke. Es sei wichtig, in dieser Situation nicht das Lachen zu verlieren. Für die Kinder wurden Videos hochgeladen, die das Corona-Virus erklären.

Auch die Erich-Kästner-Schule hat Aufgabenpläne auf die Schulwebsite gestellt. Schon in der vergangenen Woche hätten die Lehrer mit ihren Schülern die zu bewältigenden Aufgaben besprochen, einige Klassen hätten bereits Pläne für die kommenden drei Wochen, berichtet Ute Lehrmann, die Schulleiterin. „Wir setzen alles auf die Homepage“, betont die Schulleiterin. Für die Lehrer sei nun Zeit, an Lehrplänen zu arbeiten und Klassenräume umzugestalten oder aufzuräumen, berichtet Lehrmann. Alle Schulveranstaltungen und Klassenfahrten sind bis zum 31. Mai abgesagt.

Sieben Schüler in Notbetreuung

Die Erich-Kästner-Grundschule hat etwa 270 Schüler, für den Schulhort gemeldet sind 105 von ihnen. Nur wenige haben keine Alternative zum Hort: Zur Notbetreuung sind am Montag sieben Schüler gekommen. Auch andere Grundschulen der Stadt meldeten nur sehr wenige Kinder, die eine Notbetreuung brauchen. Die Schulen loben die gute Organisation der Eltern. Im Professor-Friedrich-Förster-Gymnasium waren keine Kinder mehr in der Schule, wie die stellvertretende Schulleiterin Kerstin Wenz berichtet. Vereinzelt seien noch Kollegen in der Schule, doch die meisten wurden ins Home Office geschickt.

Mit der digitalen Lernplattform „Moodle“ des Landes Sachsen-Anhalt stehen Schüler und Lehrer des Gymnasiums aber weiterhin in Kontakt. Dafür hat das Lehrerteam sukzessive Aufgaben für alle Klassenstufen und die verschiedenen Fächer online gestellt. „Schüler können dort ihre Lösungen selbst kontrollieren, denn auch diese werden bereitgestellt“, erklärt Kerstin Wenz. Des Weiteren können die Dokumente über die Plattform hochgeladen werden, sodass die Lehrer darauf zugreifen und entsprechend kontrollieren können. „Es ist eine ungewohnte Situation, der Umgang damit ist schwierig“, sagt sie. Denn zum Lehren gehöre der Kontakt und der Austausch mit den Schülern, doch das sei gerade nicht möglich. „Wir drücken die Daumen, dass eine Ausbreitung des Virus so verhindert werden kann“, sagt Kerstin Wenz.

Auch die evangelische Sekundarschule ist gut auf die Heimarbeit eingestellt. „Wir haben derartige digitale Dienste bereits im Vorfeld organisiert. Das ist in dieser Zeit ein Segen“, sagt Schulleiterin Pia Kampelmann. So arbeiten Schüler und Lehrer über Datenspeicher-Dienste wie Dropbox oder iCloud. Dabei werden Daten im Internet gespeichert, der Zugriff ist dann vom heimischen PC aus möglich. Die Lehrer können ebenfalls einsehen, wie lange ein Schüler an einer Aufgabe gearbeitet hat. „Wir könnten den Unterricht in den kommenden Wochen problemlos so organisieren“, sagt Kampelmann.

Es werde derzeit überlegt, Unterricht per Video anzubieten. Dafür müsse jedoch erst geprüft werden, ob die technischen Voraussetzungen der Schüler im Home Office gegeben sind. Auch die Grundschule Gebrüder Alstein hat derartige Video-Angebote bereits in Betracht gezogen.