Haldensleben l Christian Kalb kann sich nicht erinnern, dass sein Hundisburger Männerchor schon einmal so lange nicht zusammengekommen ist. Und er ist seit Mitte der 80er Jahre dabei. Zuletzt hätten sie Ende Februar gemeinsam ein Ständchen zu einem 80. Geburtstag gesungen, berichtet der Vorsitzende, danach folgten noch zwei Chorproben. Dann war Schluss. Shutdown.

Nun kehrt das gesellschaftliche Leben vielerorts wieder zurück. Es gibt immer mehr Lockerungen in fast allen Bereichen. Doch für Chöre sind die Perspektiven eher schlecht. Denn das Ansteckungsrisiko durch Tröpfchen oder Aerosole wird von Fachleuten als hoch eingeschätzt – wenngleich es noch viele Unklarheiten zu Corona-Ausbreitungen durch Chorkonzerte gibt. Hinzu kommt, dass viele Menschen in hohem Alter im Chor singen, also viele Menschen mit einem hohen Risiko für einen lebensgefährlichen Verlauf von Covid-19.

Einige Chormitglieder älter als 80 Jahre

Das ist auch beim Hundisburger Männerchor der Fall. Kalb berichtet, er sei mit seinen 66 Jahren nah am Durchschnittsalter, der älteste Sänger bei ihnen sei 82 Jahre alt. Dennoch hofft Kalb, dass die 23 aktiven Mitglieder noch in diesem Sommer wieder zusammenkommen können. „Wir müssen wieder in Gang kommen“, sagt Kalb. Die alljährliche Chorfahrt hat er noch nicht abgesagt, sie ist für September geplant.

Kalb kann sich vorstellen, vorerst mit im Abstand zueinander sitzenden Chorgrüppchen wieder anzufangen. Draußen singen seien sie ohnehin gewohnt, damit hätten sie kein Problem.

Ein Mal in der Woche hat sich der Chor vor der Coronakrise getroffen. Dazu kamen jährlich zwischen zehn und 20 Chorveranstaltungen. Fortan mit Mundschutz singen? „Nein, das würde ich nicht wollen“, sagt Christian Kalb entschieden.

Johannes Kirchberg sieht das genauso. Chorsingen mit Mundschutz könne er sich „überhaupt nicht vorstellen“, sagt der Kantor der Evangelischen Kirchengemeinde Sankt Marien. Seit März leitet er den Kirchenchor der Gemeinde, etwa 30 Menschen singen dort mit. Nur zwei Mal habe er die Chorgruppe vor dem Shutdown im März gesehen, berichtet der Kantor. Er hofft, die Chorarbeit nach den Sommerferien wieder aufnehmen zu können.

Marienkirche steht nicht zur Verfügung

Draußen im Freien zu beginnen, sieht der Kantor skeptisch. Dann gäbe es „logistische Schwierigkeiten“, betont er. Kirchberg verweist auf benötigte Instrumente. Bei den letzten Chorproben im März hat er den Gesang mit dem Flügel begleitet. Die Marienkirche steht der Gemeinde vorerst nicht zur Verfügung. Sie wird derzeit umgestaltet und saniert. Erst im kommenden Jahr sollen die Bauarbeiten beendet sein.

Auch Kirchberg kann sich vorstellen, vorerst mit mehreren kleinen Chorgruppen zu beginnen. „Ich wäre froh, wenn es überhaupt wieder losgeht“, betont er.

Olaf Johanson glaubt nicht, dass es im Sommer schon etwas wird mit dem Chorsingen. „Wir sind die letzten, die wieder etwas machen werden“, sagt der Leiter des Haldensleber Eine-Welt-Chors mit Blick auf die aktuellen Lockerungen für viele Bereiche. Er gehe davon aus, dass es frühestens im September wieder losgehen könne.

„Ich bin da sehr vorsichtig“, betont Johanson, der den Chor seit drei Jahren leitet. Einige Sänger in seinem Chor seien 70 Jahre und älter. In den kommenden Wochen im Freien zu singen, sei nicht so einfach möglich, sagt der 65-Jährige. Die Akustik stimme dann oft nicht. Und mit Maske? „Das mache ich nicht“, sagt Johanson entschieden.