Hundisburg l Beim Eventmanager Nils Todtenhaupt läuft das so: Der Sommer ist schwierig, einige Open-Airs und Feste, mit etwas Glück sind sie nicht verregnet. Dann die Herbstsaison, bis Weihnachten läuft das Geschäft. Es folgen zwei schwierige Monate, Januar und Februar, der „Winterschlaf“ seiner Branche, sagt Todtenhaupt. Bis endlich der März da ist. Alles erwacht, die traditionell starke Frühjahrssaison beginnt, endlich kommt wieder Geld rein. Und nun macht Corona alles anders. Nach dem Winterschlaf- erwachen droht einer ganzen Branche der Knockout. Es sei so ziemlich alles abgesagt, berichtet der Eventmanager.

Da sind zum einen die Ü-30-Partys, seine Firma Plaza Events veranstaltet sie. Elf Partys sollte es in diesem Frühjahr in der Region geben, bisher hat nur eine stattgefunden, die in Eilsleben vor drei Wochen, die erste Ü-30-Party der Saison. Die zweite in der Haldensleber Ohrelandhalle, zu der Todtenhaupt am vergangenen Sonnabend 500 Besucher erwartete, hat das Gesundheitsamt kurzfristig untersagt. Bis Mitte April gibt es nun keine Ü-30-Partys mehr. Todtenhaupt befürchtet, dass er auch danach bis in den Mai alles absagen muss. „Das wird kommen“, sagt er.

Schon jetzt sei die Situation für ihn „existenzbedrohend“, betont Todtenhaupt. Denn mit seinen anderen beiden Firmen läuft es nicht besser. Mit der Firma Easyevent verleiht Todtenhaupt Veranstaltungstechnik. „Da sind alle Aufträge weggebrochen, wirklich alle“, sagt er, „auch im Mai und Juni“. Gleichzeitig habe die Firma Kredite zu bedienen, betont Todtenhaupt.

Viertelmillion investiert

Und dann ist da noch das Schlossrestaurant in Hundisburg. Todtenhaupt betreibt es seit etwas mehr als zwei Jahren, hat nach eigenen Angaben selbst mehr als eine Viertelmillionen Euro in Küche, Mobiliar und Ausstattung des Restaurants investiert. „Ein Ausflugsrestaurant“ sei seine Gastronomie. Reisegesellschaften und Feierlichkeiten würden das Geld einbringen. Das Frühjahr sei auch für das Restaurant die beste Zeit, betont Todtenhaupt, vor allem zu Ostern mache er normalerweise gute Geschäfte. Nun ist alles anders. „Das ist eine Katastrophe“, sagt Todtenhaupt.

Für die sechs Mitarbeiter des Restaurants hat der Eventmanager Kurzarbeit angemeldet. Mit dem Kurzarbeitergeld erstattet die Bundesagentur für Arbeit 60 Prozent des Verdienstausfalls eines Beschäftigten. Lebt ein Kind im Haushalt des Arbeitnehmers, sind es 67 Prozent. Außerdem übernimmt die Bundesagentur die Sozialabgaben, die der Arbeitgeber sonst für seine Beschäftigten zahlt.

Todtenhaupt hofft, dass er seinen Restaurantbetrieb mit dem Kurzarbeitergeld weitgehend „einfrieren“ kann, um die Krise überstehen zu können. Derzeit würden selbst Reservierungen für zwei Personen abgesagt, berichtet er. Die Öffnungszeiten sind für die kommenden Tage geändert: montags bis donnerstags bleibt das Restaurant zu, am Freitag öffnet er nur abends. Ob er ab der kommenden Woche überhaupt noch öffnet, weiß er nicht.

„Wir brauchen sofort Hilfe“, sagt Todtenhaupt. „Wir haben keine Rücklagen oder Rückendeckung wie die großen Firmen“. Neue Kredite seien gerade nicht der richtige Weg. Schließlich wisse er nicht, ob er diese später im Jahr wirklich zurückzahlen könne und wie die Wirtschaft nach dieser Krise überhaupt aussehe. Sollte es keine Soforthilfe von der Politik geben, müsse er schon zum Ende dieses Monats über Insolvenzen nachdenken, sagt Todtenhaupt.