Haldensleben l Morgens gegen 8.30 Uhr: Am Wochenmarkt auf dem Marktplatz fangen langsam die Geschäfte an. Sven Lehmann verkauft seine Spreewaldgurken und unterhält sich mit einer Kollegin über den neuen Standort. Beide wirken nicht sonderlich glücklich darüber. „Es war noch nie gut einen Wochenmarkt zu verlegen. Weder für die Kunden noch für uns“, meint Sven Lehmann. Ein Problem sei, dass die Organisation noch nicht gut eingespielt sei. Gerade in puncto Parkplätze. „Wenn man hier ums Eck fährt, sieht man den Markt, aber es gibt keine Parkplätze.“

Aktuell heißt es seitens der Stadt, dass der Ortswechsel nur für November geplant sei, eben so lange, wie die verschärften Coronaregeln gelten würden.. Aber nur so könne die Zugangsbeschränkung von einer Person auf zehn Quadratmetern wirklich gewährleistet werden. Hinzu kommt die Einlasskontrolle, das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes, das Desinfizieren der Hände und der rote Plastikchip, zur Kontrolle der Kundenanzahl auf dem Markt. Diese ist auf 320 Personen begrenzt.„Diese Maßnahmen wirken abschreckend“, findet Sven Lehmann. Er befürchtet, dass der Wochenmarkt noch länger vor dem Rathaus stattfinden könnte.

Bei den Kunden gibt es unterschiedliche Meinungen. „Ich finde es nicht schön. Da oben am Hagentor war es viel gemütlicher“, sagt eine von zwei Frauen kopfschüttelnd, die sich gerade am Stand von Kordula und Rolf-Ingo Dahm und deren Gulaschkanone unterhalten. Die jüngere erwidert: „Also für mich gehört der Markt eigentlich genau hier her. Da war er schon immer.“

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2016 erst umgezogen

Gerade von dort wollten die Händler 2016 weg. „Am Hagentorplatz läuft es wegen der vielen Laufkundschaft besser“, meint Torsten Sommermeyer, der die kleine Gärtnerei Gänseblümchen 1 betreibt. Ähnliches berichtet auch Inge Voreier, die auf dem Wochenmarkt ihren Fisch anbietet. „Die Zentrale Lage ist für die Kunden und für uns besser.“ Das habe sich nach dem Standortwechsel vor vier Jahren zum Hagentormarkt bestätigt. Dort seien alle Verkäufer zufrieden gewesen. „Da oben würde ich jetzt nicht sitzen und Kaffee trinken“, so Inge Voreier. Gerade als eine Dame mit ihrem Rollator über das Pflaster, hin zu ihrem Verkaufswagen poltert, sagt sie: „Das ist auch ein Problem. Für viele ältere Kunden ist der Weg hier her zu weit, das Pflaster ist nicht gut zum Gehen und der viele Verkehr beim Überqueren der Straße ist zudem auch noch gefährlich.“

Es gibt aber auch Händler, die einfach froh sind, dass der Wochenmarkt in Haldensleben überhaupt weiterhin stattfinden kann. Zu ihnen gehört Marcus Blume, der als Direktvermarkter mit einem großen Obst- und Gemüsestand da ist: „Ich verstehe das. Durch diese Maßnahmen kann der Markt nicht geschlossen werden.“

Diese Meinung teilt Michael Brandes. „Es ist schön, dass Haldensleben noch nicht geschlossen hat“, meint er. Zusammen mit seiner Frau hat er zwei Tische mit Schmuck und Keramik aufgebaut. Bisher war er unter der Woche immer bei vier Märkten und am Wochenende bei verschiedenen Veranstaltungen. Bei ihm gehe es um seine Existenz. „Ich muss schauen, dass ich mit den Märkten durchkomme“, sagt der Händler. Die erneuten Beschränkungen seien für ihn dieses Jahr schon ein zweites Mal eine Art Berufsverbot, sagt er. „Es wäre schön, wenn man mal wieder richtig arbeiten könnte.“