Flechtingen l „Wir wollen heute noch mal die Chance nutzen, um den Verbandsgemeinderat zu überzeugen, dass es Vorteile hätte, die ganze Kostensituation noch mal zu überdenken“, sagte Andrea Tamm aus Bregenstedt auf dem Weg zur Ratssitzung im Haus der Jugend und Vereine in Flechtingen. „Es soll geprüft werden, ob es vielleicht nicht doch eine kostengünstigere Variante für die Bürger und bessere Bedingungen für die Kinder gibt“, ergänzte Matthias Wolter aus der Gemeinde Erxleben.

Rückblick: Der Verbandsgemeinderat hatte 2016 beschlossen, eine Grundschule in Erxleben unter Maßgabe der Schließung der Grundschulen Beendorf und Bregenstedt zu bauen. Die neue Schule entsteht gleich neben der Sekundarschule.

Gemeinderäte nahmen sich Zeit

„Wir nehmen uns gern Zeit, alle Fragen – so tiefgründig wie möglich – zu beantworten“, versicherte Sven Fahrenfeld (UWG), Vorsitzender des Verbandsgemeinderates, zur Eröffnung der Fragestunde. Wolter kam gleich zur Sache und fragte, ob den Verbandsgemeinderatsmitgliedern bei der Beschlussfassung 2016 klar war, dass es kein ausreichendes Konzept für den Sportunterricht gibt. „Ich kenne die Situation für den Sportunterricht an der Schule in Erxleben. Die Kapazität reicht schon allein für die Sekundarschüler nicht aus. Und jetzt sollen noch 200 Grundschüler dazu kommen?“, fragte Wolter.

„Die Abstimmung für den Schulneubau in Erxleben war damals ein langer Diskussions- und Findungsprozess“, erklärte Fahrenfeld. VG-Mitglied Burkhard Kuthe (SPD) berichtete, dass der Landkreis die Sanierung der Sporthalle übernehmen sollte. „So lange der Förderantrag über Stark-III lief, hatte der Landkreis die Mittel zur Verfügung gestellt. Leider wurde die Förderung abgelehnt“, bedauerte Kuthe. „Durch die Sanierung wird die Sporthalle doch nicht größer“, gab Wolter zu bedenken. VG-Mitglied Matthias Horsika (UWG) aus Bregenstedt dachte zurück: „Ich hatte zur Sporthalle immer den Informationsstand, alles ist gut, alles wird geregelt. Die Lehrer sind damit einverstanden.“

Bewohner für Neubau in Bregenstedt

Wolter fragte weiter: „Ist dem Rat klar, dass die neue Schule 2023 zu klein sein wird?“ VG-Bürgermeister Mathias Weiß (parteilos) entgegnete: „Im Jahr 2016 waren die Kinder, die 2023 in die Schule gehen, noch nicht geboren.“

Wilfried Knabe (WG Wir Bregenstedter), Mitglied im Gemeinderat Erxleben, wollte wissen: „Warum wurde damals die Sanierung der Schule in Bregenstedt mit den enorm hohen Kosten bewertet und im Gegensatz dazu die Kosten für den Neubau in Erxleben so gering wie möglich gehalten?“ Weiß antwortete: „Das stimmt so nicht. Es gibt bestimmte Stark-III-Förderrichtlinien, an die wir uns halten müssen.“ Die Verbandsgemeinde wollte das Gebäude in Bregenstedt so herrichten, wie es die Gemeinde Flechtingen für die Kinder in ihrer Grundschule getan hat. „Weil die Sanierung in Bregenstedt aus unserer Sicht aber zu teuer war, kam erst die Idee, dass ein Neubau vielleicht günstiger ist. Diese beiden Varianten wurden 2016 dem Verbandsgemeinderat vorgestellt“, erläuterte Weiß.

Stefan Knot aus Ivenrode hakte nach: „Warum ist der Schulneubau nicht in Bregenstedt geplant worden? Da gibt es die Möglichkeit der Hortbetreuung und auch eine Sporthalle.“ Der Bürgermeister begründete dies mit der Schulentwicklungsverordnung. „Die Verordnung sagt eindeutig, wenn es einen Neubau gibt, dann soll er an einem zentralen Ort sein. In Bregenstedt ist das leider nicht der Fall.“

Gegen Landflucht und Vergreisung

Hartmut Schulze (WG Beendorf 2000), Mitglied des Gemeinderates Beendorf, appellierte: „Wir wollen die Schule und die Sporthalle erhalten. Beendorf ist ein Dorf mit einer funktionierenden Infrastruktur. Wir möchten keine Landflucht und keine Vergreisung.“

Stephan Preckel aus Bregenstedt meldete sich zu Wort: „Die Politik sagt, dass keine kleinen Schulen mehr geschlossen werden. Es heißt, der Umbau in Bregenstedt sei zu teuer, aber in Bebertal gibt es das baugleiche Schulgebäude, und das wird saniert.“

Bussituation ungeklärt

Sandro Kurz aus Bregenstedt verwies auf die hohen Kosten für die Transporte der Kinder, die von Erxleben zu den Horten an verschiedene Standorte und zum Sportunterricht gefahren werden müssen. Weiß erklärte, dass es sich bei dem Schülertransport zur Sporthalle nur um eine zeitlich begrenzte Lösung handele. „Das soll kein Dauerzustand sein!“, betonte der Chef der VG und berichtete von einem geplanten Termin mit dem Bürgermeister der Gemeinde Erxleben und dem Landkreis, bei dem Wege gesucht werden, Ersatz für die ausgefallenen Fördermittel zu finden. Kopfschüttelnd sagte Kurz: „Man kann doch nicht eine Schule bauen, wenn das ganze Ringsherum noch nicht geregelt ist.“

Das derzeitige Verkehrsaufkommen in Erxleben schilderte Andrea Tamm: „Es ist Wahnsinn, was da morgens los ist. Wenn da auch noch 200 Grundschüler mit Bussen oder mit den Fahrzeugen der Eltern anreisen, wie sollen dann die Kinder sicher vom Halteplatz der Busse in die Grundschule gelangen?“

Erxlebens Bürgermeister Gerhard Jacobs (CDU) berichtete, dass wegen parkender Autos die Schulbusse oft nicht bis zur Wendestelle fahren können.

Viele Fragen offen

„Wir werden die Situation entschärfen. Die Eltern können dann nicht mehr direkt bis vor die Schule fahren. Es ist eine Auflage in der Baugenehmigung, dass es auch einen Rettungsweg gibt. Wir kriegen das Problem gelöst“, sagte Anke Osterburg-Piele, Mitarbeiterin des Bauamtes der VG.

Horsika wollte wissen, wann dieses Wege- und Parkkonzept vorgestellt wird. Steffen Jacobs (WG Wir Bregenstedter), Mitglied des Gemeinderates Erxleben, fragte nach, wer die Kosten für das Wege- und Parkkonzept tragen wird. „Der Bauantragsteller - also die Verbandsgemeinde“, so die Bauamtsmitarbeiterin. Jacobs wollte auch wissen, was später aus den leeren Schulgebäuden wird. „Wir haben in Bregenstedt und in Beendorf sanierte Sporthallen. Was passiert, wenn dort kein Sportunterricht mehr stattfindet? Können sich die Sportvereine den Erhalt der Hallen allein leisten?“, fragte Steffen Jacobs. Weiß erklärte, dass das Schulhaus in Bregenstedt für die Kindertagesstätte und für den Hort genutzt werden könnte.

Veronika Hundeshagen aus Beendorf beschrieb: „Der größte Unmut in der Elternrunde besteht darin, dass es kein Gesamtkonzept gibt. Es gibt immer nur Teilantworten und verwiesen wird auf andere Institutionen, die das zu entscheiden haben. Warum gibt es keinen großen Tisch, wo man das alles mal bespricht?“

Verwaltung soll Konzept präsentieren

Calvördes Bürgermeister Volkmar Schliephake (CDU) sagte: „Es gibt so viele Dinge, die nicht geklärt sind. Jetzt ist die Verwaltung gefragt, ein schlüssiges Konzept auf den Weg zu bringen.“

Nico Grothe aus Bregenstedt fragte die Räte: „Haben alle Räte – auch bei der Freigabe des ersten Bauabschnittes für den Schulneubau – gewusst, was sie da tun? Der Hort, der Sportunterricht und die Verkehrsführung vor der Schule sind nicht gesichert.“

Am 11. September soll es eine Gesprächsrunde mit Vertretern der Elterninitiativen, des Verbandsgemeinderates und des Schulamtes geben.