Haldensleben l „Mama, guck mal: ein Mammut!“: Wenn es nach der Stadtverwaltung geht, könnte dieser Ruf bald häufiger im Landschaftspark Althaldensleben-Hundisburg erklingen. An der dortigen Kiesgrube gibt es eine Station des sogenannten „Entdeckerpfades Zeitspuren“. Der verbindet neun historisch bedeutsame Stätten im Stadtgebiet miteinander. Gemeinsam bieten sie einen Einblick in die jahrtausendealte Siedlungsgeschichte im Raum Haldensleben.

Die Idee wurde 2013 geboren. Vom damaligen Museumsleiter Ulrich Hauer ging der Impuls aus, die Bodendenkmäler der Umgebung stärker ins Rampenlicht zu rücken und barrierearm zugänglich zu machen. Auch das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie saß bei der Ideenfindung mit am Tisch. In Zusammenarbeit mit der Geschichtsfabrik Hamburg wurde ein Konzept mit dem Titel „Romanik für alle“ erstellt. Den Kern bildete die Kirchenruine Nordhusen, die durch den Entdeckerpfad mit anderen Sehenswürdigkeiten verknüpft werden sollte.

Romanik-Sonderpreis gewonnen

Dafür erhielt die Stadt 2015 den Romanik-Sonderpreis des Wirtschaftsministeriums Sachsen-Anhalt. Die Auszeichnung war mit 10.000 Euro dotiert. Von dem Geld ließ die Stadt barrierearme Info-Pulte her- und aufstellen. Sie können von Rollstuhlfahrern genutzt werden, sind für Kinder gut erreichbar. Solche Stationen finden sich unter anderem am Galgenberg, am Burgwall sowie am Hünengrab auf dem Küsterberg. Nach der Errichtung dieser Pulte wurde es eine Weile ruhig um den „Entdeckerpfad Zeitspuren“. Doch 2018 feiert die „Straße der Romanik“ ihren 25. Geburtstag. Das wird auch an der Ruine Nordhusen begangen.

Im Zuge der Vorbereitung gab es 2017 auch wieder Aufwind für den Entdeckerpfad. Denn dessen Konzept ist noch nicht vollständig umgesetzt. Ursprünglich war eine sogenannte Lauschtour geplant. In Form von Audio-Dateien sollte sie die Geschichte der jeweiligen Stationen erlebbar machen - mit einem Mix aus geballtem Wissen und Unterhaltungselementen.

Dieses Konzept wird nun wieder aufgegriffen. Allerdings hält Stadt-Pressesprecher Lutz Zimmermann fest, dass die Lauschtour aus technischer Sicht nicht mehr zeitgemäß sei. Deshalb setzt die Verwaltung jetzt auf virtuelle Realität. Konkret bedeutet das: Mithilfe tragbarer Geräte wie Smartphone oder Tablet sollen Besucher beispielsweise die Kirche Nordhusen vor Ort als 3D-Modell wieder auferstehen lassen.

Jagd auf Mammut soll erlebbar werden

An anderen Stationen können Fundstücke virtuell betrachtet werden. In der Parkkiesgrube wurden unter anderem Überreste von Tieren wie Mammut, Wollnashorn oder Wildrind entdeckt. Dank virtueller Realität soll dort die Jagd auf ein Mammut erlebbar werden. Auf dem Galgenberg sollen Besucher einer bronzezeitlichen Bestattung beiwohnen können. „Es geht uns nicht um reine Wissensvermittlung, sondern darum, Geschichte erlebbar zu machen“, so Lutz Zimmermann.

Letztlich ist auch der Einsatz der sogenannten „augmented realitiy“ geplant. Dabei gibt ein Smartphone mithilfe seiner Kamera die wirkliche Umgebung wider und projiziert die virtuellen Elemente hinein. Das ist allerdings mit hohen technischen Voraussetzungen verbunden - nicht zuletzt in Sachen verfügbarer Internet-Bandbreite. Deshalb geht es im ersten Schritt um die virtuelle Realität. Darüber hinaus will die Stadt in einen zentralen Parkplatz und die bessere Erreichbarkeit der Stationen investieren.

Um alles finanziell stemmen zu können, wurden darüber hinaus zwei Förderanträge gestellt. Insgesamt geht es um knapp 200.000 Euro. „Sofern wir die Fördermittel bekommen, werden wir dieses Jahr beginnen“, sagt Lutz Zimmermann.

Kontakte in die Altmark und nach Schöningen

Um die historischen Schätze bekannter zu machen, setzt die Stadt auch auf Vernetzung. Wie der Stadtsprecher sagt, habe sich das Referat Tourismus des Wirtschaftsministeriums dafür ausgesprochen, die Tourismusroute „Himmelswege“ zu erweitern. Bisher verbindet diese unter anderem das Sonnenobservatorium Goseck mit der Arche Nebra. Doch das Thema Archäologie solle künftig bei den Himmelswegen eine größere Rolle spielen. Hier sei Haldensleben mit seinem Konzept auf offene Ohren gestoßen.

Nicht zuletzt stehe man in Kontakt mit einer Initiative aus der Altmark, welche die dortigen Hünengräber bekannter machen möchte, sowie mit dem Forschungs- und Erlebniszentrum Paläon im niedersächsischen Schöningen.