Etinger wollen ihre Bockwindmühle retten

Um die alte Bockwindmühle am Dorfrand zu sanieren, wird in Etingen ein Verein gegründet . Die Initiatoren haben auch schon viele Pläne. Die Mühle soll als Kulturgut erhalten bleiben und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Von Anett Roisch
Dieter Haering (links), der einstige Mühlenbesitzer und Helmut Russ , der neue, wollen gemeinsam mit Hilfe eines Mühlenvereins das denkmalgeschützte Bauwerk retten.
Dieter Haering (links), der einstige Mühlenbesitzer und Helmut Russ , der neue, wollen gemeinsam mit Hilfe eines Mühlenvereins das denkmalgeschützte Bauwerk retten. Foto: Anett Roisch

Etingen - Eine Bockwindmühle steht am Dorfrand von Etingen. Doch die „alte Dame“ braucht dringend Hilfe. Helmut Russ ist der Besitzer der Mühle und in Berlin zu Hause. Er hatte Bewohner von Etingen und einige Mühlenfreunde in die heimische Bauernschänke eingeladen, um die Menschen der Region für eine Mitgliedschaft in den Mühlenverein zu gewinnen. „Nun steht es fest. Wir gründen diesen Verein. Die Resonanz war sehr gut. Es gibt schon etwa 25 Anmeldungen von Leuten, die im Verein mitwirken möchten“, zieht Russ am Morgen danach Bilanz. Mit Dieter Haering, dem einstigen Besitzer der Mühle, hatte sich der neue Mühlenherr direkt vor dem hölzernen Bauwerk, welches unter Denkmalschutz steht, verabredet, um noch mal über den Zeitplan der vorgesehenen Sanierung zu sprechen. „Herr Haering wird Ehrenmitglied im Verein“, verkündet Russ, der erst einmal den Vereinsvorsitz übernehmen wird.

So verliert der 74-jährige Etinger die Mühle nicht ganz. Und auch Hofhund Carlo sieht als Wächter das Gelände, auf dem die Mühle steht, noch als sein Revier an. „Die Mühle steht schon ewig hier. Ich kenne es nicht anders“, sagt Haering mit etwas Wehmut.

Russ hatte die Mühle bereits 1990 gekauft. Aber das Grundstück gehörte der Familie Haering, deren Haus nur wenige Meter weit entfernt steht. „Erst wollte ich dieses Stück Land nicht verkaufen, weil es zum Grundstück gehört“, gesteht Haering. Sein Vater war der letzte Müller.

Die Mühle stand 1843 in Zillbeck. Der damalige Besitzer Christian Riecke verkaufte sie an den Etinger Müllermeister Gustav Haering. 1886 wurde die Mühle nach Etingen umgesetzt. „Der letzte Sack Getreide wurde 1960 hier geschrotet“, weiß Dieter Haering. Mit der Kollektivierung der Landwirtschaft schien die Mühle nicht mehr rentabel zu sein. So begann der Verfall des Bauwerkes. 

Schwiegersohn wird zum Mühlenwart

„Wir sind Herrn Haering und seiner Familie sehr dankbar, dass sie sich entschlossen haben, sich vom Grundstück zu trennen“, betont Russ. „So wie die Mühle jetzt steht, ist es ungünstig, denn sie steht voll im Wind“, sagt Haering. Eigentlich müsste das Radkreuz der Mühle - nach seinem Wissen - wegen Wind und Wetter in Richtung Kathendorf stehen. „Die Mühle konnte früher gedreht werden. Weil der untere Teil zu brüchig war und die Mühle drohte umzufallen, wurden vier Stützen angebracht“, beschreibt der Etinger.

Jürgen Kilian, Haerings Schwiegersohn, wird in der Funktion des Mühlenwartes Verantwortung im Verein übernehmen und die Schlüsselgewalt haben. „Es sind schon 25 Anmeldungen. Es kommen noch ein paar Leute aus Berlin dazu. Wir haben dann einen tragfähigen Verein, um die Sanierung der Mühle zu überwachen“, blickt Russ voraus. 

Es gibt sehr viel zu tun. Die Mühle musste bereits abgestützt werden, weil sie nicht mehr standfähig ist. „Die Flügel sind beschädigt. Sie müssen als erstes runter genommen und bearbeitet werden. Das Holz ist noch gut. Die Jalousienklappen müssten ergänzt werden. Die Flügel sind 30 Jahre alt“, beschreibt der Mühlenbesitzer.

Die Familie Koesling von der Agrargesellschaft Etingen hat - nach den Ausführungen von Russ - ihre Hilfe angeboten und eine Halle zur Einlagerung der Flügel zur Verfügung gestellt. Die Zimmerei Blümner aus der Altmark soll federführend als Mühlenbauer die Standfestigkeit der betagten „Dame“ wieder herstellen. Dies sei das Wichtigste, sagt Russ und zeigt auf die kaputten Schwellen, auf der die ganze Last ruht. Auch innen seien einige Balken auszuwechseln  Die Außenhaut, die auch vor 30 Jahren saniert wurde, scheint noch gut zu sein.

Hauptziel ist die Erhaltung der Mühle. Bei der jüngsten Ortschaftsratssitzung hatte der Etinger Rat beschlossen, sich im Wettbewerb „Themendörfer“ des Biosphärenreservates Drömling für den Titel „Mühlendorf“ zu bewerben. „Da muss natürlich die Mühle auch in Ordnung sein“, sagt Russ voller Zuversicht. Er sieht die Mühle als Kulturgut, das erhalten werden muss. Die Mühle könnte Ausgangspunkt für Wanderungen oder Fahrradtouren sein. Touristen könnten die Mühle nach der Sanierung besichtigen. Russ kann sich gut vorstellen, dass sich Menschen am Fuß der Mühle treffen und dort auch Trauungen stattfinden. Der Verein bekommt die Mühle unentgeltlich zur Nutzung. Es gibt viele Ideen. Wichtig sei es den Menschen - vor allem den Kindern - nahe zu bringen, welche wichtige Bedeutung Mühlen in den früheren Zeiten hatten.

Denkmalschutzbehörde unterstützt das Vorhaben

„Schon als Kind habe ich an der Mühle gespielt“, erinnert sich Renate Gerchel, die im Verein mitmachen möchte. Die Mühle gehört auch für sie als Wahrzeichen zu Etingen.

Der Mühlenverein soll Etingen/Berlin heißen. „Wir wollen versuchen, Touristen aus Berlin nach Etingen zu bekommen  Das kommt dann auch der Region mit Zimmervermietung und Gastwirtschaft zugute. Mal sehen, ob uns das gelingt“, blickt Russ in die Zukunft.

Froh und dankbar ist Russ, dass Thorsten Neitzel von der Unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises Börde, das Vorhaben ehrenamtlich als Berater unterstützt. Neitzel verfügt über wertvolles Mühlenwissen. Groß ist die Hoffnung, dass der gemeinnützige Verein zur Mühlensanierung Fördermittel bekommt. „Die Schäden an der Mühle sind erheblich“, weiß Russ, der Geschäftsführer einer Veranstaltungs- und Immobiliengesellschaft in Berlin ist. Nebenbei sei die Mühle auch eine Imagefrage. Gelder könnten aus seiner Firma abgezweigt werden, um so die Mühle als Kulturgut zu erhalten. Mit ins Boot möchte Russ auch heimische Unternehmen holen. „Wenn so ein Verein von der Dorfgemeinschaft mitgetragen wird, ist er in guten Händen. Das heißt, die Betriebe müssen dem Verein nicht unbedingt Geld geben, sondern können auch helfen, wenn es etwas zu tun gibt“, sagt Russ. Er nennt die Familie Koesling, die ein Fahrzeug samt Hänger zum Transport der Flügel angeboten hat, als Beispiel. Die jeweils etwa zwei Tonnen schweren Flügel sollen noch in diesem Jahr abgenommen werden.

Wer im Verein oder als Sponsor mitwirken möchte, ist willkommen. Kontakt zu Helmut Russ ist unter der Telefonnummer 0172/ 456 22 55 möglich.