Haldensleben l In welchem Ort genau neue Corona-Infizierte leben, erfahren Leser und Internetnutzer aktuell nicht mehr. Im Gegenteil – die Meldungen werden immer allgemeiner, auch wenn viele Personen sich mehr Informationen wünschen würden. Am Anfang der Corona-Pandemie kursierten noch Geschlecht, Alter und Wohnort von Infizierten zumindest in den größeren Städten wie Haldensleben in den Nachrichten. Mittlerweile gibt das Gesundheitsamt des Landkreises nur noch die Zahl der Infizierten in der Börde, deren Geschlecht und den Anstieg der Neuinfizierten im Vergleich zum Vortag heraus.

Allerdings ist das keine Erfindung des Landkreises, sondern in ganz Sachsen-Anhalt werden die Informationen zu Corona-Infizierten so gehandhabt. „Wir hatten ganz am Anfang der Krise bei einer der ersten Infektionen in der Börde die Situation, dass die Person mit Angaben zu Alter, Geschlecht und Urlaubsland in ihrem Wohnort erkennbar wurde“, erklärt der Sprecher des Sozialministeriums Sachsen-Anhalt, Andreas Pinkert. „Die betroffene Person hat sich natürlich beschwert, dass von seiner Krankheit auf einmal jeder wusste.“ Es geht also um Persönlichkeitsrechte und Datenschutz.

Anonymisierung

Denn: In einer Stadt wie Magdeburg ist der Personenkreis riesig. Wenn dort die Meldung herausgeht, dass beispielsweise eine 49-Jährige Frau am Coronavirus erkrankt ist, die vor kurzem aus Südtirol zurückgekeht ist, kann sie aufgrund der in Magdeburg lebenden Menschen nicht zwingend von Außenstehenden identifiziert werden. Bezieht man diese Daten jedoch auf einen kleineren Ort wie beispielsweise Jersleben (Gemeinde Niedere Börde), dann könnte die Person wahrscheinlich recht schnell von den Anwohnern identifiziert werden.

Aber die Beschwerde ist nicht der einzige Grund, warum das Sozialministerium den Gesundheitsämtern im Land empfiehlt, die Neuinfizierten in ihrem Landkreis so weit wie möglich zu anonymisieren. Auch das Robert-Koch-Institut arbeitet nur mit Nennungen der Landkreise. „Und wir haben uns auch an unseren Nachbarländern orientiert. Sachsen und Thüringen handhaben dies ebenso“, so Andreas Pinkert.

Ausnahme könnten laut Sozialministerium maximal einzelne Orte sein, wo Infektionen so konzentriert auftreten, dass eine Warnung der Bürger notwendig wird. So wurden beispielsweise Jessen und der Ortsteil Schweinitz am Donnerstags unter Quarantäne gestellt, da die Zahlen der Corona-Infizierten dort rapide gestiegen sind. In diesem besonderen Fall wurden die Orte genannt.