Haldensleben l Kurz vor Mitternacht sind vor allem Jugendliche auf dem Marktplatz in Haldensleben versammelt. Nicht viele, aber laut sind sie. Auf dem Breiten Stein vor dem Rathaus steht ihr Radio neben Getränken. Es läuft ein Song von Faithless: „I can’t get no sleep“ („Ich kann nicht schlafen“). Garantiert schläft niemand am Marktplatz, als es wenig später zwölf schlägt.

Scheppernde Böller, johlende Raketen, nicht alle Detonationen klingen legal. Auf den Marktplatz traut sich kaum noch jemand. Viel mehr als 100 Leute sind es nicht, die sich um den Platz herum postiert haben, um das Feuerwerk zusehen. Nach wenigen Minuten ist alles voller Rauchschwaden.

Böller auf den Platz geworfen

„Ich finde so was toll“, sagt Julian, der seinen Nachnamen nicht in der Zeitung lesen will. Raketenstiele ragen aus seinem Rucksack, ab und zu wirft der 35-Jährige Haldensleber einen Böller auf den Platz. Klar, für die Umwelt sei das nicht gut, bestätigt er, aber „ein bisschen“ sei schon ok. „Im Großen und Ganzen bin ich gegen ein Böllerverbot“, betont er.

Ganz anders sieht das Doreen Haedecke. „Ein Böllerverbot finde ich gut“, sagt sie und betont, dass sie eine siebenjährige Tochter habe. Es sei einfach zu laut und zu gefährlich, sagt die Haldensleberin. In erster Linie wünsche sie sich aber wegen der Umwelt ein grundsätzliches Feuerwerksverbot an Silvester. Zum Marktplatz gekommen ist Haedecke trotzdem, aber natürlich nicht wegen des Feuerwerks. Sie feierte im dortigen griechischen Restaurant Syrtaki Silvester.

Betreiber des Restaurants ist Hasamaj Urim. Vor eineinhalb Jahren hat er es eröffnet. Er sagt, das Jahr 2019 sei für ihn kein schlechtes gewesen. Er sei grundsätzlich zufrieden, 2020 könne es so weitergehen. Für den Jahreswechsel hat Urim einen DJ gebucht, einige Dutzend Menschen feierten in seinem Lokal Silvester.

Feiern beim Griechen

Unter ihnen auch der 29-jährige Niklas Henning und die 26-jährige Kathleen Holschak. Das junge Paar aus Haldensleben muss nicht lange überlegen, was das Jahr 2019 für sie gebracht hat. „Er hat mir im Urlaub in Kroatien einen Heiratsantrag gemacht“, berichtet Holschak. Im September wollen sie heiraten. Wie sie das Feuerwerk auf dem Marktplatz finden? Henning rutscht direkt das Wort „Krieg“ heraus. Es sei aber auch „schön“, betont er.

Trotz der vielen Pyrotechnik ist die Silvesternacht in Haldensleben nach Angaben der Einsatzleitstelle ohne größere Zwischenfälle verlaufen. Die Haldensleber Feuerwehr musste demnach zu zwei kleineren Bränden im Stadtgebiet ausrücken. In der Neuhaldensleber Straße habe ein Sperrmüllhaufen gebrannt, am Jungfernstieg sei ein Kleidercontainer in Flammen aufgegangen. Im Vergleich zu anderen Jahren sei das „relativ wenig“ für eine Silvesternacht in der Kreisstadt, hieß es von der Leitstelle. Insgesamt seien die Feuerwehren in der Börde zu 15 Einsätzen in der Silvesternacht ausgerückt.