Haldensleben l Keine Angst vor großen Tieren zeigen die schwerstmehrfachbehinderten Kinder, wenn Lehrerin Antje Reiher die große Plastebox auf den Tisch stellt. Drei gut 20 Zentimeter Große Achatschnecken strecken den Mädchen und Jungen ihre Fühler entgegen und warten darauf, in die Hand genommen zu werden. Natürlich gaaaaanz langsam, wie es sich für Schnecken gehört.

Die drei Exemplare, die zur Gattung der Afrikanischen Riesenschnecken zählen, gehören schon seit zwei Jahren zum „Inventar“ der Schule, seit einem Jahr zudem vier kleinere, erst ein Jahr alte Große Achatschnecken. Antje Reiher hat sie von zu Hause mitgebracht, um ihren Schützlingen die Tiere näher zu bringen. Und das sogar mit therapeutischem Erfolg.

„Die Schnecken beruhigen und faszinieren die Kinder. Sie schauen lange und ganz ruhig den Tieren zu und sind völlig gebannt. Sie passen sich quasi dem Schneckenrhythmus an“, erzählt die Lehrerin. Kinder, die sonst aufgeregt und hektisch sind, würden sich deutlich entspannen, wenn sie die Tieren beobachten und anfassen, so Antje Reiher weiter. Sie hat sogar eine extra Schnecken-Stunde eingeführt, zu der sich die Schüler immer mittwochs in der 6. Stunde treffen.

Nachwuchs bei den Schnecken

Nun aber ist das Erstaunen umso größer, als dass sich Nachwuchs hat blicken lassen. Alle drei großen Exemplare sind „Eltern“ geworden. Da die Tiere sowohl männliche als auch weibliche Geschlechtsorgane besitzen und sich in etwa gleichgroße Tiere bei der Paarung gegenseitig befruchten, hat sich am 4. Februar nun gleich dreimal Nachwuchs eingestellt. „Ein Gelege hat zwischen 200 und 300 Eier. Und von den drei Gelegen haben wir eines in der Schule, die anderen beiden sind bei mir zu Hause“, sagt die Lehrerin. Doch alle der inzwischen etwa einen viertel Fingernagel kleinen kann sie nicht behalten. „Vielleicht hat der eine oder andere Tierliebhaber Interesse daran“, würde sie den Nachwuchs auch gern abgeben.

Antje Reiher hat zudem recherchiert, dass gerade die Großen Achatschnecken auch als Therapietiere genutzt werden. „Es gibt sogar einen extra Lehrgang, bei dem man sich zum Schneckentherapeuten ausbilden lassen kann“, hat sie herausgefunden. Auf Kinder und Jugendliche mit ADHS, auf Menschen mit Demenz und auf Menschen mit körperlichen und geistigen Einschränkungen haben die Schnecken mit ihrer Langsamkeit eine beruhigende und faszinierende Wirkung zugleich.

Doch nicht allein diese Tiere sollen gerade den schwerstmehrfachbehinderten Kindern helfen, ihre Umwelt wahrzunehmen. „Diese Mädchen und Jungen stellen eine besondere Herausforderung in der pädagogischen Arbeit dar. Sie sind in ihrem Körper gefangen und haben zusätzlich auch Sinnesbehinderungen, sind also blind und taub“, erklärt Antje Reiher. Deshalb wünscht sie sich für die Schüler eine Klangschale und ein Big Bom-Schlaginstrument. Durch die damit erzeugten Vibrationen können die Kinder ihren Körper spüren. Doch das Schulbudget reicht für eine solche Anschaffung nicht aus. Immerhin kosten beide Instrumente zusammen fast 4000 Euro. Daher sammelt der Förderverein Geld dafür und bittet um Spenden.

Förderverein der Schule für Geistigbehinderte „Johanne Nathusius Haldensleben, IBAN DE35 8105 5000 3070 0000 36, Kreissparkasse Börde, BIC-Code NOLADE21HDL, Kennwort „Klangschale“.