Haldensleben l Wenig ist über den ehemaligen Ort Nordhusen bekannt. Lediglich der Kirchturm steht noch. Er ist bei Fotografen, Malern und Spaziergängern sehr beliebt. Doch die Geschichte des dazugehörigen Ortes verliert sich im Dunkeln.

„Vor genau 800 Jahren, nämlich 1218, ist Nordhusen zum ersten Mal in einer Urkunde erwähnt worden“, erklärt Haldenslebens ehemaliger Museumsleiter Ulrich Hauer. Zu dieser Zeit hatte der Ort bereits eine beachtliche Größe. Aber wann er gegründet wurde – dazu schweigen die schriftlichen Quellen. Gleiches gilt für den Zeitpunkt, an dem die Siedlung aufgegeben wurde. Es wird irgendwann im 15. Jahrhundert gewesen sein.

25 Jahre Straße der Romanik

Doch zumindest einige ihrer Geheimnisse soll die Wüstung bald preisgeben. Denn Nordhusen feiert dieses Jahr noch ein zweites Jubiläum. Die Kirchturmruine bildet eine Station der Straße der Romanik. Die begeht 2018 ihren 25. Geburtstag. Dazu sind zahlreiche Veranstaltungen geplant. Die Stadt Haldensleben hat bereits eine entsprechende Broschüre veröffentlicht. Darin spielen auch die Pläne des Museums eine Rolle. Denn die Leiterin Judith Vater und ihr Vorgänger Ulrich Hauer haben Großes vor.

Bilder

Los geht‘s kommenden Montag. An diesem Tag sollen Studenten und Doktoranden der Universität Kiel in Hundisburg eintreffen. Eine Woche lang wollen sie das Gelände von Nordhusen mit einer sogenannten geomagnetischen Prospektion untersuchen. Mit diesem Verfahren können Reste von Häusern, Gräben und Gruben im Boden aufgespürt werden, ohne graben zu müssen.

Unbefristetes Forschungsprojekt

„Die Uni Kiel hat 2011 und 2012 bereits Äcker im Umfeld des Nordhusener Kirchturmes untersucht“, berichtet Ulrich Hauer. Dabei wurden zum Beispiel Spuren eines alten Wehrgrabens entdeckt. Auch hinsichtlich der Kirche selbst gab es schon Untersuchungen. Diese fanden im Zusammenhang mit dem Bau des Aller-Elbe-Radweges an dieser Stelle statt. Das restliche Zentrum des Ortes ist jedoch ein unbeschriebenes Blatt. Das soll sich ändern.

Auch wenn die Gäste aus Kiel nur einige Tage bleiben: „Es handelt sich um ein unbefristetes Forschungsprojekt“, betont Ulrich Hauer. Es gehe darum, einen neuen Zwischenstand zu bekommen. Anschließend müsse man abwarten, was sich daraus ergebe.

Osterspaziergang zur Ruine

Ergänzend zur geomagnetischen Prospektion will Ulrich Hauer die Stelle untersuchen, wo der alte Wehrgraben auf den Steinbruch stößt. Dies geschieht in Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Archäologie und Denkmalpflege.

Die Ergebnisse dieser Untersuchungen werden im restlichen Jahr eine Rolle spielen. Zunächst veranstaltet der Aller-Ohre-Verein am Montag, 2. April, seinen kulturgeschichtlichen Osterspaziergang. Der Aller-Ohre-Verein ist der Förderverein des Museums und des Kreis- und Stadtarchives Haldensleben.

Der Spaziergang führt über das Gelände Nordhusens. Treffpunkt ist um 14 Uhr auf dem Parkplatz in der Steinbruchstraße. Die Leitung übernimmt Ulrich Hauer.

Neue Sonderausstellung im Museum

Am 13. Mai eröffnet das Museum eine neue Sonderausstellung. Sie trägt den Titel „Die Ruine Nordhusen und die Wüstungsforschung in der Region Haldensleben“. Zwar gibt es bereits eine Vitrine mit Fundstücken aus dem verlassenen Ort. Doch ab dem 13. Mai werde eine „Zusammenstellung präsentiert, die so noch nie zu sehen war“, verspricht Judith Vater. Zu den Exponaten würden viele Leihgaben von Bodendenkmalpflegern gehören. Das Sachsen-Anhaltische Landesamt für Archäologie und Denkmalpflege in Halle ist Partner dieser Ausstellung.

Wie Ulrich Hauer ankündigt, sollen am 13. Mai auch neue Informationstafeln im Kirchturm Nordhusen enthüllt werden. Anlass ist eine Veranstaltung mit dem Titel „Auf der schönsten Wüstung Sachsen-Anhalts“. Die Tafeln würden sich aber auch mit weiteren Wüstungen der Region beschäftigen – nicht nur mit solchen aus dem Mittelalter, sondern auch aus Bronze- und Jungsteinzeit.

Dass Orte aber auch in jüngerer Vergangenheit aufgegeben wurden, zeigen weitere Veranstaltungen des Aller-Ohre-Vereins. Für den 15. Oktober ist beispielsweise ein Vortrag im Museum angesetzt. Das Thema lautet „Wüstungen des 20. Jahrhunderts auf dem Schießplatz Hillersleben und an der innerdeutschen Grenze“.