Flechtingen/Bülstringen/Calvörde l Zwei junge Burschen schieben eine riesige Schneekugel über ein schräges Brett in die Höhe. „Jetzt – wo es endlich mal geschneit hat – bauen wir auch einen großen Schneemann“, sagt Tobias Philipp, der am Sonnabend gemeinsam mit seinem Bruder Alexander sichtlich Spaß vor ihrem Haus in einem Flechtinger Wohngebiet hat.

„Damit es drinnen nicht langweilig wird, sind wir gern draußen“, erklären die Brüder und nennen ihren eisigen Freund Schneemil. Der XXL-Typ überragt locker die Schneemänner in der Nachbarschaft.

Lernen zuhause

Eigentlich würde Tobias Philipp jetzt in Magdeburg Mechatronik studieren. „Das Lernen funktioniert aber auch von zuhause aus“, betont der 21-Jährige. Sein 16-jähriger Bruder ist Auszubildender. „Ich werde Industriekaufmann und gehe – trotz Corona-Pandemie – arbeiten. Viel Zeit für mich selbst habe ich abends nicht“, schildert Alexander. Die Brüder genießen die gemeinsame Zeit.

Zeitig – nämlich schon um 4 Uhr morgens – ist Maik Körtge im Dienst. Er ist Gemeindearbeiter auf dem Bauhof in Flechtingen. „Um 2 Uhr nachts habe ich nach dem Wetter geschaut. Um 3.30 Uhr bin ich dann aufgestanden und losgefahren. Den Kollegen habe ich dann erst später angerufen“, erzählt Körtge.

Gemeinsam mit Jens Bliesener räumt er im Bereitschaftsdienst den Schnee und streut Splitt auf die Gemeindestraßen sowie auf die öffentlichen Wege und Plätze in der Gemeinde Flechtingen und in allen Ortsteilen. Insgesamt sind fünf Männer und eine Frau beim Bauhof tätig sind.

Bauhof räumt Schnee

„Es ist super, dass die Jungs vom Bauhof den Schnee vor dem Feuerwehrgerätehaus räumen“, lobt Maik Wellmann, der stellvertretende Gemeindewehrleiter. Besorgt ist der Flechtinger Feuerwehrmann, dass wegen der Corona-Beschränkungen auch keine Aus- und Weiterbildungen im Brandschutz- und Katastrophenschutz stattfinden können. „Man sollte den Virus nicht unterschätzen, aber es geht vieles den Bach runter. Das ist nicht gut“, sagt er mit dem Blick auf das aktuelle Geschehen.

Die Zwangspause ist auch eine unverhofft geschenkte Zeit für Familien. Der Bülstringer Nick Zülsdorf nutzt die frische Schneeschicht, um gleich nach dem Frühstück mit seinen Kindern, dem sechsjährigen Elias und der dreijährigen Emilia sowie mit der 13-jährigen Nachbarstochter Elfi, Schlitten zu fahren. Der Familienvater und seine muntere Bande müssen für den Wintersport nicht bis in den Harz fahren, ein größerer Hügel am Sportplatz eignet sich wunderbar für eine ausgelassene Rodeltour.

Auch Christiane Reinäcker braucht für ihren Freizeitsport keinen Skilift oder eine Rennpiste. Die Flechtingerin läuft mit ihren Nordic-Walking-Stöcken durch den Schnee im Flechtinger Schlosspark. „Fast täglich und auch an den Wochenenden bin ich so fünf Kilometer unterwegs. Weil ich zu Fuß zur Arbeit gehen kann, schaffe ich meine 10 000 Schritte“, erklärt Christiane Reinäcker, die seit Mitte November 2020 im Betreuungsforstamt Flechtingen die Büroleiterin ist.

Veranstaltungen fallen aus

Auch ohne Sport – nämlich beim Schneeschieben auf dem Gehweg vor ihrem Haus in Calvörde – kommt Andrea Krüger ins Schwitzen. Weil die sonst so beliebten Veranstaltungen, wie der Karneval ausfallen, wäre es auch nicht ganz so wild, dass die Frisörläden geschlossen sind. Und draußen beim Schneefegen schmückt sowieso eine Wollmütze den Kopf. Langeweile kenne sie trotz der lahmgelegten Veranstaltungen nicht, denn auf ihrem Grundstück gäbe es immer etwas zu tun. Beruflich ist Andrea Krüger in einer Bäckerfiliale in ihrem Wohnort tätig. „Wir haben am Bäckerstand immer genug zu tun. Wir arbeiten zu zweit oder auch zu dritt, tragen immer den Mund-und Nasenschutz. Das ist inzwischen schon Routine“, beschreibt die Verkäuferin. Auch die Reisebeschränkungen stören die Calvörderin nicht. Winterurlaub sei – nach ihren Ausführungen – sowieso nicht ihr Ding. Gemeinsam mit ihrem Mann Jürgen bevorzuge sie den Sommerurlaub. „Wir hoffen sehr, dass wir dann wieder unbeschwert reisen können“, sagt die Calvörderin mit sehnsüchtigem Blick.