Gartenakademie

Gartenparadies in Emden wandelt in dieser Saison sein Antlitz

Voller Ideen steckt Mathias Weiß, wenn es um seinen heimischen Garten geht. Er möchte keinen Nutzgarten schaffen, sondern ein naturnahes Fleckchen Erde für die ganze Familie - zum Naschen, Genießen, Leben, Erholen und Arbeiten.

Von Carina Bosse
Wenn Mathias Weiß in seinem naturnahen Garten wirkt, vergisst er schnell einmal die Zeit.
Wenn Mathias Weiß in seinem naturnahen Garten wirkt, vergisst er schnell einmal die Zeit. Foto: Carina Bosse

Emden - Mitten im Ort und doch auch mitten im Grünen. Wer den Garten von Mathias Weiß an der Hauptstraße in Emden betritt, fühlt sich nicht wie in einem Garten im Ort, wohl aber sofort in der Natur.

Im vergangenen Jahr wurde ihm und seiner Familie das Siegel „Natur im Garten“ der Gartenakademie Sachen-Anhalt zugesprochen. Das ist ihm Verpflichtung. Und da nichts so beständig wie die Veränderung ist, soll der Garten in diesem Jahr ein anderes Aussehen erhalten wie im vergangenen Jahr.

„Wie, schon so spät.“ Mathias Weiß hat in seinem Garten die Zeit vergessen, sie vergeht aber auch so schnell zwischen all den wachsenden und blühenden Pflanzen, mit dem Spaten und der Hacke in der Hand. Gartenfreunde werden wissen, wovon die Rede ist.

Für die Kartoffeln, die ins Erdreich sollen, hat der Emdener ein neues Stück seiner zweigeteilten Oase urbar gemacht, wo sich zuvor noch eine Wiese befand. Dafür stehen nur ein paar Meter weiter Gras und Blumen mitten im Grün. Wege sind gemäht, um die einzelnen Beete zu erreichen, ein Paradies für die Kinder, die zwischen Obst, Gemüse und Blumen herumtollen können. „Wo es besonders üppig blüht, bleibt es einfach stehen“, sagt der Gartenfreund. Er zeigt auf den Standort eines Feigenbaumes, der den harten Winter nicht überlebt hat. Massen von Schnee deckten ihn zu., Aber ein paar Triebe sind ihm geblieben, zeigen der Sonne vorsichtig ihren Überlebenswillen. Das mediterrane Gewächs soll neu entstehen, steht für Mathias Weiß fest.

„Es geht beim naturnahen Garten um einen Mix aus Nutz- und Blühpflanzen“, sagte Mathias Weiß. Neben Zwiebeln, Karotten, Bohnen, Tomaten, Koriander und Knoblauch haben zahlreiche Blumen ausreichend Platz, sich zu entfalten. Die Beete sind nicht schnurgerade angelegt, sondern mal rund oder oval, mal länglich als schmaler Streifen - je nachdem, wo und wie etwas verändert werden soll.

Historische Gemüsesorten zum Geburtstag

Ein alter Steinbrunnen steht vor der rustikalen Steinmauer zum Nachbarn. Er sieht aus, als gehöre er schon immer dahin. Doch Mathias Weiß hat ihn erst vergangenes Jahr als Schnäppchen bei den Kleinanzeigen entdeckt und aus Magdeburg geholt. Er hatte beim Vorbesitzer ausgedient, war jedoch zum Wegwerfen zu schaden. Ein Solar-Springbrunnen soll ihm, mit Wasser gefüllt, neues Leben einhauchen.

Eine ganze besondere (Garten-)Freude wurde Mathias Weiß zu seinem Geburtstag zuteil. Als Geschenk erhielt er eine Gartenbox mit mittelalterlichen Gemüsesorten. Damit kann er nicht nur zum Erhalt historischer Gemüsesorten beitragen, sondern auch zur Artenvielfalt. Die ersten der acht Tütchen aus der Box sind bereit ausgesät: Schwarzwurzel, Pastinake, Kohlrübe, Zwiebel, Mangold, Rettich, Portulak und dicke Bohnen fanden und finden ein Plätzchen im Emdener Gartenreich.

Die schmucke Wurzel aus dem vergangenen Jahr, die mitten auf der Wiese als Insekten- und Kleintierparadies liegen geblieben war, ist mittlerweile geborsten. Dennoch hat Mathias Weiß das gute Stück nicht etwa beseitigt, nur etwas zur Seite geräumt. Der kleine Garten für Sukkulenten, der auf der Wurzel entstanden war und ein ganzes Feenreich darunter erahnten ließ, ist damit zwar verschwunden, nicht aber die ideale Unterbringung für das Kleingetier. Es musste sich nur ein paar Meter weiter bewegen. Und ein Teil der Sukkulenten fanden am steinernen Springbrunnen Platz. Die Pflanzen können sich nämlich an besondere Bodenverhältnisse sehr gut anpassen.

Aus Nachbars Gartenauflösung gab es eine kräftige Neu-Pflanzenbeigabe, für die verschiedentlich Platz geschaffen wurde „Zum Wegschmeißen wären die Pflanzen viel zu schade gewesen“, sagt Mathias Weiß. Zum Glück hatte er rechtzeitig mitbekommen, dass nebenan gründliche Veränderungen anstanden. Blumen und Sträucher fanden in einem neuen Beet mitten in der Wiese seines Gartens ihr Zuhause. Nur ein paar Meter weiter wird bald wieder der kleine Kinder-Schwimmingpool zum Planschen einladen, wenn es richtig heiß wird.

Jede noch so kleine Ecke oder Nische wird irgendwie ausgenutzt. So entsteht ein buntes Miteinander von allem, was wächst, grünt und blüht. Selbst im schmalen Vorgarten bleibt keine Ecke frei. Der Flieder blüht gerade herrlich und wird von der Straße aus zum Blickfang hinter dem schmiedeeisernen Zaun. Doch es gibt so unendlich viel mehr zu entdecken, wenn man sich mal ein wenig Zeit nimmt.