Wedringen/Haldensleben l „Die Kreisstadt braucht kurzfristig 30 zusätzliche Krippenplätze“, hieß es im Oktober 2017 in einem Artikel der Volksstimme. Damals befand sich die Stadt in einer kleinen Misere, denn im Jahr 2016 waren in Haldensleben unerwartet rund 40 Kinder mehr geboren worden, als der Durchschnitt der vorangegangenen Jahre es hatte erwarten lassen. Eine schnelle Lösung musste her und so beschlossen Stadtverwaltung und Stadtrat, dass die zusätzlich benötigten Krippenplätze in Form von mobilen Containern vorgehalten werden sollten.

Weil sich das Gelände der Kita Wedringen dafür am besten eignete, wurden die Container dort aufgebaut. „Baurechtlich war die genehmigte Standdauer auf maximal drei Jahre begrenzt“, erläutert Haldenslebens Pressesprecher Lutz Zimmermann den Sachverhalt. Die Container stehen seit 2018 und sollen nun noch bis Ende Juli 2020 von der Stadt betrieben werden, erklärt er. Danach werden sie abgebaut.

Geburtenzahlen wieder normalisiert

Und wo werden dann die Kinder betreut? „Die Geburtenzahlen haben sich wieder ‚normalisiert‘“, sagt Lutz Zimmermann. Nach dem Ausreißer nach oben von 2016 seien die Geburtenzahlen wieder weniger geworden – im vergangenen Kindergartenjahr sei sogar eher eine Tendenz nach unten zu erkennen gewesen. Während 2015/16 noch 176 Kinder geboren worden waren, waren es 2016/17 mit 151 wieder weniger. 2017/18 waren es 143 Kinder und im aktuellen Kindergartenjahr (vom 1. August 2018 bis 31. Juli 2019) nur noch 123.

Wie aus der Pressestelle des Haldensleber Rathauses zu erfahren ist, sei das Jahr 2016 nichts anderes gewesen, als ein Ausreißer nach oben. „Das kommt vor – auch in anderen Kommunen – hatte aber beispielsweise nichts mit der Flüchtlingswelle von 2015 zu tun“, gibt Stefanie Stirnweiß Auskunft. So lasse sich auch nicht begründen, warum die Geburtenzahl in Haldensleben im vergangenen Kindergartenjahr die niedrigste der vergangenen 25 Jahren war.

Gutes Arbeiten mit freien Trägern

Nach wie vor, so informiert Haldenslebens Sozialamts-Leiterin Doreen Scherff, zeige die offizielle Statistik des Landes Sachsen-Anhalts zur Bevölkerungsentwicklung aber eine rückläufige Tendenz der Bevölkerungszahlen. Laut Doreen Scherff sei deshalb auch in Haldensleben davon auszugehen, dass sich die Zahlen eher nach unten entwickeln werden. Mit Ausreißern nach oben sei allerdings stets zu rechnen, wie die Entwicklung 2016 zeige.

In Haldensleben und den Ortsteilen gibt es zwölf Kitas, davon sind sieben in Trägerschaft der Stadt und fünf in freier Trägerschaft (drei Lebenshilfe Ostfalen, eine evangelische, eine katholische). Obwohl sich die Geburtenzahlen seit 2016 wieder zurück entwickelt hätten, seien all diese Kitas nach wie vor gut ausgelastet, berichtet Doreen Scherff.

Im Ernstfall Lösung parat

Für den Fall, dass es erneut Ausreißer nach oben bei den Geburtenzahlen gebe, sei der Fachamtsleiterin zufolge vorgesorgt. „Wir arbeiten wirklich gut mit den freien Trägern zusammen“, sagt Doreen Scherff. So könne im „Ernstfall“ gemeinsam Ausnahmegenehmigungen für einen Betrieb mit höherer Kinderzahl entschieden werden, die der Landkreis Börde erlassen könne.