Rotttmersleben l Den Weg zu einer künftigen Nutzung des ehemaligen Grundschulgebäudes hat der Gemeinderat am Dienstagabend mit einem Grundsatzbeschluss geebnet. Demnach wurde Gemeindebürgermeisterin Steffi Trittel bevollmächtigt, mit der Oskar-Kämmer-Schule zu verhandeln, um die Nachnutzung des Schulgebäudes durch einen freien Träger weiterhin zu verfolgen und zu entwickeln. Die Oskar-Kämmer-Schule hat der Gemeinde mitgeteilt, dass eine Nachnutzung durch sie vielleicht möglich wäre – als staatlich anerkannte Ersatzschule im Grundschulbereich.

Die mehrheitliche Zustimmung der Gemeinderäte ging allerdings nicht ohne Diskussion ab. Bereits im Hauptausschuss hatten die Mitglieder formuliert, dass die gewünschte finanzielle Unterstützung der Schule durch die Gemeinde während der ersten drei Jahre abgelehnt wird. Darauf hatte in der Beschlussvorlage ebenso die Kämmerei der Gemeinde Hohe Börde hingewiesen, zumal der Haushaltsplan für 2019 und für die Folgejahre Defizite aufweist. Die Bekräftigung dieser Aussage erfolgte durch die Räte auch in der Gemeinderatssitzung.

Schulgebäude wird renoviert

Wie mehrere Gemeinderäte erklärten, wird die Schule bereits durch die Renovierung aufgewertet, die realisiert wird, bevor das Schulhaus im kommenden Schuljahr als Ausweichstandort für die Bebertaler Grundschule „An den Wellenbergen“ genutzt wird. Der Umzug ist notwendig, um die Sanierung der Bebertaler Grundschule zügiger durchführen zu können.

Matthias Schwenke (Fraktion Pro Hohe Börde) sah in der Zustimmung zum neuen Grundsatzbeschluss auch kein Widerspruch dazu, dass der Gemeinderat sich am Anfang der Legislaturperiode klar „für vier Schulstandorte mit optimalen Bedingungen“ in der Gemeinde ausgesprochen hat. Damit einher ging damals die Schließung des Schulstandortes Rottmersleben zum Ende des Schuljahres 2016/17. „Konkurrenz belebt das Geschäft“, unterstrich Schwenke seine Meinung, einen privaten Investor, der die Bildungslandschaft beleben will, zu unterstützen.

Jürgen Heitmüller (SPD) konnte der Idee von einer privaten Grundschule in der Gemeinde Hohe Börde nichts abgewinnen. In den staatlichen Schulen würden Lehrer fehlen und die privaten Schulen würden noch zusätzlich Lehrer abschöpfen, war seine größte Befürchtung.

Freude in Rottmersleben

Dem setzte Rolf Zimmermann (Fraktion Aktive Bürger/Bündnisgrüne) sein Argument entgegen, dass die tatsächliche Entwicklung der Kinderzahlen in der Gemeinde Hohe Börde nicht den Annahmen aus einem Demografiecheck früherer Jahre entspricht. Die Tatsache, dass viele junge Familien aufs Land ziehen, sorge auch dafür, dass einige Grundschulen in der Gemeinde bereits aus den Nähten platzen.

Hans-Eike Weitz (fraktionslos), der zugleich Rottmersleber Ortsbürgermeister ist, freute sich besonders über das positive Signal zur späteren Nachnutzung des Schulgebäudes. Nach seiner Aussage, will auch der Schulförderverein jetzt einen Neuanfang wagen. „Jetzt haben wir ein Ziel vor Augen“, erklärte er.

Der Verein, der sich den Erhalt einer Grundschule in Rottmersleben auf die Fahnen geschrieben hatte, war bereits 2017 in der Gemeinde vorstellig geworden. Ein Beschluss zur Nachnutzung des Schulgebäudes – unter anderem auch durch die örtliche Feuerwehr – hatte der Gemeinderat aber damals zurückgestellt, weil eine klare Positionierung des Vereins zu seinen künftigen Zielen und dem damit verbundenen Interesse am Schulgebäude ausgeblieben war.