Haldensleben l „Wir als Interessengemeinschaft Gartenstraße sind gegen den Gemeinschaftsgarten im Bereich des Pfändegrabens. (...) Wir möchten, dass diese historische Anlage (...) zwischen dem Pfändegraben und der Gartenstraße wieder als Park- und Wiesenfläche mit Höhepunkten erweitert und angemessen gestaltet wird, um dadurch wieder ein touristischer Anziehungspunkt zwischen den beiden alten Stadttoren zu werden“, heißt es in einem Informationsschreiben, das Anwohner der Haldensleber Gartenstraße allen Stadträten haben zukommen lassen.

Die Interessengemeinschaft Gartenstraße, wie sich die Anwohner als Zusammenschluss nennen, reagiert damit auf eine Beschlussvorlage, die zuletzt in den Fachausschüssen des Stadtrates diskutiert wurde und über die die Stadtrats-Mitglieder am kommenden Donnerstag, 6. Juni, endgültig entscheiden sollen.

Entscheidung am 6. Juni

Darin geht es darum, ob ein vom „Grüne Beete Gartenkollektiv“ – eine Initiative bestehend aus mehreren Haldenslebern – geplanter Gemeinschaftsgarten am Pfändegraben oder an einem anderen Ort entstehen soll. Während das Gartenkollektiv den Pfändegraben präferiert, sind die unmittelbaren Anwohner strikt dagegen.

Die Stadtverwaltung hat deshalb vorgeschlagen, dass das Projekt Gemeinschaftsgarten auf einer ehemaligen Streuobstwiese nahe der Stadtmauer umgesetzt wird. Die Mitglieder des Gartenkollektivs präferieren allerdings weiterhin den Pfändegraben – Gespräche mit den Anwohnern haben keine Einigung zwischen den beiden Fronten gebracht.

Anwohner strikt gegen Projekt

Ihre Gründe für die Ablehnung eines Gemeinschaftsgartens vor der eigenen Haustür haben die Anwohner der Gartenstraße nun noch einmal in einem mehrseitigen Brief dargelegt. Dort wird unter anderem ein Mitarbeiter der Unteren Denkmalschutzbehörde zitiert: Denkmalfachliche Belange könnten betroffen sein, da die Park- und Wiesenanlage nördlich des Pfändegrabens zu den mittelalterlichen Stadtbefestigungsanlagen gehören, heißt es unter anderem.

Zudem gebe es den Anwohnern zufolge verkehrstechnische Bedenken. „Die Gartenstraße selbst ist keine ausgebaute Straße, sondern ein mit einer Bitumenschicht befestigter Feldweg ohne Unterbau und Straßenentwässerung“, erklären sie. Es bestünden nur drei Parkplätze, sodass zu befürchten sei, dass von den Gartennutzern Wiesen als Parkflächen genutzt werden würden. Auch sei am Pfändegraben mittlerweile eine Art Biotop gewachsen, in dem Insekten, Vögel und Hirschkäfer leben würden.

Angeblich Probleme mit Parkplätzen

Schließlich brachten die Anwohner in ihrem Brief auch zahlreiche Vorwürfe gegen die Mitglieder des Gartenkollektivs zum Ausdruck: Diese hätten beispielsweise gelogen, was die Fällung von Bäumen angehe, heißt es in dem Papier unter anderem. So hatte das Gartenkollektiv stets verneint, Bäume fällen zu wollen – die Anwohner zweifeln das an und glauben nach eigener Aussage auch nicht daran, dass soziale Einrichtungen in Haldensleben Interesse an einer Zusammenarbeit mit dem Gemeinschaftsgarten hätten.

Auf eine frühere Kritik der Anwohner hin hatte das Kollektiv von engagierten Bürgern außerdem eine umfangreiche Bewertungsmatrix ausgearbeitet, um seine Standortentscheidung transparenter zu machen. Diese Unterlage bezeichnen die Anwohner in ihrem Brief nun als „völlig wertloses Stück Papier“ – es sei ihnen nämlich zu subjektiv.

Initiatoren weisen Kritik zurück

Die Mitglieder des Gartenkollektivs, die bei einer beratenden Ausschusssitzung mit dem Anwohner-Brief konfrontiert wurden, wehrten sich bei der jüngsten Sitzung des Haldensleber Hauptausschusses nun gegen die Anschuldigungen. Mit dem benannten Mitarbeiter des Denkmalamtes, so erläuterte Christian Feißel, habe man gesprochen. Demnach gebe es keine denkmalschutzrechtlichen Bedenken. Auch die Untere Naturschutzbehörde sei nach Veröffentlichung des Briefes noch einmal befragt worden: Laut Christian Feißel bezweifle man dort, dass am Pfändegraben der Hirschkäfer zuhause sei und wolle das noch einmal überprüfen.

Insgesamt zeigten sich die Mitglieder des Gartenkollektivs persönlich berührt von den vielen subjektiven Anschuldigungen, die der Brief der Anwohner an die Stadträte enthält. Man habe, so erläuterten sie im Hauptausschuss, mehrfach das Gespräch gesucht und auch kürzlich wieder zu einer gemeinsamen Begehung eingeladen – die Anwohner der Gartenstraße hätten aber abgesagt. Was die Anwohner den Mitgliedern des Kollektivs vorwerfen, grenze teilweise an Verleumdung, machte Konstanze Bajerski, die selbst am Pfändegraben wohnt und in dem Gartenkollektiv aktiv ist, ihrer Enttäuschung Luft.

Die Sitzung des Stadtrates, bei der über das Thema entschieden werden soll, findet am 6. Juni ab 18 Uhr im Hauptsaal des Rathauses statt.