Projekt

Geschwister Scholl im Escape-Room des Weferlinger Stein-Gymnasiums

Sophie Scholl durfte nur 21 Jahre alt werden. In diesem Jahr wäre sie 100 Jahre alt geworden. Ihr, ihrem Bruder und der „Weiße Rose“ haben die Schüler der 8. Klasse des Stein-Gymnasiums ein eigenes Projekt mit modernen und historischen Elementen gewidmet.

Von Carina Bosse
Das Wirken der Widerstandsgruppe "Weiße Rose" wird im Escape-Room in verschiedenen Aufgaben thematisiert. Sind alle Rätsel geknackt, geht es in den nächsten Raum.
Das Wirken der Widerstandsgruppe "Weiße Rose" wird im Escape-Room in verschiedenen Aufgaben thematisiert. Sind alle Rätsel geknackt, geht es in den nächsten Raum. Foto: Carina Bosse

Weferlingen - Als das Thema erst einmal auf der Agenda stand, steuerten die Schülerinnen und Schüler der Klasse 8a des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums Weferlingen jede Menge kreativer Ideen bei. Im Zuge der Verteidigung des Titels „Schule gegen Rassismus - Schule mit Courage“ gelang es den Gymnasiasten, das zeitgeschichtliche Thema der Geschwister Scholl und ihrer Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ in einen so modernen Rahmen wie einen Escape-Room zu packen und so Zeitgeschichte lebendig werden zu lassen. In dieser Woche hatten die 5. bis 7. Klassen des Gymnasiums Gelegenheit, den Escape-Room unter Anleitung seiner Erfinder zu erkunden.

Das Projekt trägt den Titel „Die Weiße Rose und die Geschwister Scholl“. Kerstin Sommer von der Schülerzeitung hatte im Gespräch mit Klassenleiterin Ann Hartmann die Idee mit den Scholl-Geschwistern. Gründe, gerade das Thema aufzugreifen, gab es mehrere. Das Gymnasium liegt an der Geschwister-Scholl-Straße, und Sophie Scholl hätte in diesem Jahr ihren 100. Geburtstag feiern können. Der friedliche Kampf der „Weißen Rose" gegen Gewaltherrschaft und Unterdrückung gilt in den Wirren des nationalsozialistischen Regimes im Zweiten Weltkrieg als Inbegriff für Zivilcourage. Was passt also aktueller denn je zum Rassismus-Titel, den das Stein-Gymnasium seit Jahren erfolgreich mit Kreativität, Vielfalt und Kunstprojekten verteidigt. 

Die Achtklässler haben für die Aufgaben im Escape-Room verschiedene Aufgaben zusammengestellt, deren Lösungen anhand des zur Verfügung stehenden Materials erarbeitet werden können. Ob knobeln, decodieren, puzzeln oder Texte lesen - die richtigen Antworten ergeben am Ende eine vierstellige Zahl, ohne die der Zutritt zum nächsten Raum nicht möglich ist. Denn gesichert durch ein Fahrrad-Zahlenschloss kann der zweite Teil erst betreten werden, wenn das Schloss sich öffnet.

Kombinieren und Knobeln

Auch im zweiten Raum gilt es zu kombinieren, zu knobeln und zu lösen, ehe das zweite Zahlenschloss schließlich den Ausgang freigibt. Um das Ganze noch ein wenig komplizierter zu machen, haben die Projekt-Erfinder eine 15-Minuten-Zeitgrenze einkalkuliert. „Die meisten schaffen den Parcours in dieser Zeit“, sagen die Escape-Room-Betreuer, eine von drei Gruppen, die sich für das Projekt bildeten. Die Bestzeit lag bis gestern bei sechs Minuten, erbracht von einer Gruppe aus der 5. Klasse.

Eine zweite Gruppe beschäftigte sich mit einer Szene aus dem Film „Sophie Scholl - Die letzten Tage“. Diesen Film nämlich hatte Ann Hartmann, Lehrerin für Deutsch und Wirtschaft, ihrer Klasse in Vorbereitung auf das Projekt mitgebracht. Symbolisch stellen die Schüler die Szene nach, als Hans und Sophie Scholl dabei erwischt werden, wie sie ihr sechstes Flugblatt in den Lichthof ihrer Universität in München werfen.

In Weferlingen hängen die Flugblätter symbolisch auf einer Leine, damit sie nicht jedes Mal wieder aufgehoben werden müssen. Auf einer Info-Tafel darunter werden die sechs Mitglieder der „Weißen Rose“ vorgestellt. Wer sich das Ganze schon vor dem Besuch des Escape-Rooms ansieht, ist klar im Vorteil, beide Elemente greifen nämlich ineinander.

Teril 3 noch in Entwicklung

Der dritte Teil des Projektes befindet sich noch im Entwicklungsstadium. Vorgesehen ist eine Art Außen-Kunstwerk, ebenfalls inspiriert von einer szenischen Darstellung aus der Flugblatt-Verbreitung. Ein Metallkoffer soll, geöffnet gehalten durch eine Weiße Rose, an die jungen Studenten und Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus erinnern. 

„Wir haben es tatsächlich geschafft, eine Metallbaufirma zu finden, die von unserer Idee begeistert ist und uns unterstützen möchte“, sagt Ann Hartmann voller Begeisterung. Als Wirtschaftslehrerin habe sie im Zuge der Suche nach einem Partner großen Wert auf den realen Ablauf eines Auftragsverfahrens gelegt. Dass die Umsetzung nun so gut zu klappen scheint, freut sie ganz besonders.

Sie hat große Hochachtung für ihre Schüler, die selbständig alles gesichtet, gesammelt und in die Praxis umgesetzt haben. Selbst die Aufteilung der Klassen, die in kleinen Gruppen in dieser Woche den Escape-Room besuchen, haben die Achtklässler eigenständig übernommen.

Anfang kommenden Schuljahres werden die beiden Projekt-Elemente wohl noch einmal zum Einsatz kommen können, dann für die höheren Schuljahrgänge ab Klasse 8 und für die neuen 5. Klassen. Im Herbst, so hofft Ann Hartmann mit ihren Schülern, soll dann auch das Geschwister-Scholl-Kunst-Projekt auf dem Außengelände des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums eröffnet werden können.