Haldensleben l Die Empfehlung ist deutlich. Mit nur einer Gegenstimme hat der Hauptausschuss Zuschüsse für den geplanten Bau einer evangelischen Grundschule auf dem Süplinger Berg abgelehnt. Sollte der Stadtrat dem Votum bei seiner Sitzung morgen folgen und das Geld für den Schulbau nicht freigeben, fehlen knapp 600.000 Euro für die Finanzierung. Das ist mehr als ein Viertel der einst kalkulierten Kosten für den Schulneubau.

Viele Stadträte haben bereits angekündigt, gegen den Zuschuss für den Neubau zu stimmen. Birgit Kolbe von der Bürgerbewegung Haldensleben etwa. „Wir haben uns in der Fraktion intensiv damit beschäftigt“, betont sie. Aufgrund der prognostizierten Schülerzahlen für die kommenden Jahre seien sie in der vierköpfigen Fraktion überein gekommen, dass der Zuschuss für den Bau abzulehnen sei. Der Bedarf sei nicht da, sagt Kolbe.

Geschlossen dagegen

Ebenso sieht es auch die AfD-Fraktion. „Wir wollen auf keinen Fall unsere Zustimung geben“, sagt Maik-Walter Wiese. „Die Zahlen geben es einfach nicht her.“ Seine Fraktion werde geschlossen gegen die Zuschüsse für den Bau stimmen.

Noch im vergangenen Jahr haben viele Stadträte die Schulpläne anders bewertet und sich mehrheitlich für den Schulbau ausgesprochen. Die Stadtverwaltung hatte einen Bedarf für eine neue Grundschule gesehen, als die Evangelische Johannes-Schulstiftung ihre Pläne im September 2018 vorstellte. Sozialamtsleiterin Doreen Scherff betonte damals: „Die Verwaltung begrüßt ausdrücklich dieses Vorhaben. Der Bedarf ist da und wird auch noch weiter wachsen.“

Einige Plätze fehlen

Eben das glauben viele Stadträte nun nicht mehr. Zwar fehlen laut Prognosen in den Schuljahren 2021/22 und 2022/23 einige wenige Schulplätze. Fraglich ist jedoch, ob die für 130 Kinder geplante Grundschule rechtzeitig fertig würde. Die Johannes-Schulstiftung hatte in der Vergangenheit auf mindestens zwei Jahre Bauzeit verwiesen.

„Jeder Schulleiter, Schulrat und Planer weiß, wie man das löst“, sagt Bodo Zeymer zum geringfügigen Mehrbedarf an Schulplätzen in den kommenden beiden Schuljahren. „Eine Klasse oder Lerngruppe mehr in Containern“, sei die Antwort, sagt der Grünen-Stadtrat. Er verweist zudem auf sinkende Geburtenzahlen. Zuletzt erreichten sie einen neuen Tiefststand. Im vergangenen Schuljahr wurden so wenig Kinder in Haldensleben geboren wie seit 25 Jahren nicht mehr.

Die Zahlen hätten sich nicht so entwickelt, wie noch vor einigen Jahren gedacht, betont auch Bernhard Hieber, Fraktionsvorsitzender der SPD. Auch der Zuzug von Asylbewerbern sei zurückgegangen, im Moment sehe er „keine Notwendigkeit für die Schule“, sagt Hieber. Er plädiere allerdings dafür, im kommenden Jahr erneut zu prüfen, ob mehr Schulplätze benötigt würden und der Schulbau bezuschusst werden könne.

CDU-Votum noch offen

Wie sich die CDU-FDP-Fraktion bei der Abstimmung am Donnerstag verhalten wird, ist nicht ganz klar. Mit Rücksicht auf seine Fraktion habe er sich im Hauptausschuss enthalten, erläutert der Fraktionsvorsitzende Mario Schumacher. Er sei aber eigentlich dafür, den Schulbau zu unterstützen. Die Grundschule bereichere die Schullandschaft der Stadt, sagt Schumacher. In seiner Fraktion gebe es allerdings bei einigen Skepsis wegen des geplanten Standorts der Schule auf dem Süplinger Berg. Einen Schulbau in einem anderen Ortsteil würden sie begrüßen. Dennoch spreche sich seine Fraktion mehrheitlich für den Bau aus, sagt Schumacher.

Dass die Stiftung die Schule woanders in der Kommune baue, sei allerdings nicht zu erwarten, sagt Schumacher. Auf dem Süplinger Berg befindet sich bereits die evangelische Sekundarschule. Die neue Schule soll direkt an das Sekundarschulgebäude anschließen.

Die einzige Stimme für den Zuschuss zum Schulneubau kam im Hauptausschuss von der Linksfraktion. Guido Henke, Stadtrat der Linken, will auch morgen im Stadtparlament für den Zuschuss stimmen. Die Schule sei gut für die Stadtentwicklung und „eine Aufwertung des Wohngebiets am Süplinger Berg“, sagt Henke. Es handele sich um eine „Erweiterung des Schulangebots“. Sollten die Schülerzahlen in Zukunft doch steigen und ein Schulneubau nötig werden, wäre dieser deutlich teurer für die Stadt, betont er.

Nicht "elitär"

Für „elitär“ hält Henke die geplante Schule in freier Trägerschaft nicht. „Jeder hat die Möglichkeit, sich dort einschulen zu lassen“, sagt er. Tatsächlich werden viele Eltern für den Schulbesuch ein Schulgeld zahlen müssen. Die Schulstiftung hatte in der Vergangenheit von einem monatlichen Betrag zwischen 95 und 150 Euro gesprochen. Für Eltern, die das Geld nicht zahlen können, gibt es laut Stiftung aber einen Schulgeldsozialfonds.

Ob die Neubaupläne weiter verfolgt würden, wenn die Stadt kein Geld gibt, sagt die Schulstiftung auf Nachfrage nicht. „Die Vorbedingungen für eine Schulneugründung werden derzeit geprüft“, heißt es von Seiten der Stiftung allgemein.

Bei der evangelischen Kirchengemeinde Sankt Marien hoffen sie unterdessen, dass der Schulneubau kommt. Die Gemeinde betreibt an der Maschenpromenade eine evangelische Kita, auch eine Vorschulgruppe wird betreut. „Es ist wünschenswert“, sagt Gemeindepädagogin Simon-Malue, „wenn es für die Kita-Kinder nach der ersten Berührung mit dem kirchlichen Glauben eine Kontinuität gibt.“

Elisabeth Meis, ebenfalls Gemeindepädagogin, berichtet von Fällen, in denen Kinder nach ihrer Zeit im evangelischen Kindergarten die katholische Grundschule besuchen. Wie viele Eltern ihrer Kita-Kinder den Schulbau begrüßen und ihr Kind dann dorthin schicken würden, kann sie nicht abschätzen. Für einige sei das aber womöglich auch eine Frage des Geldes, sagt Meis.