Haldensleben l Mit einem Kopfschütteln bleibt die Passantin vor dem Schaufenster stehen. „Wir sagen Danke für 25 Jahre mit Ihnen!“, ist hinter der Scheibe auf einer Tafel zu lesen, zum Abschied an die Kunden des nun geschlossenen Teeladens. Konsterniert blickt sich die Frau um. Schimpft über Corona. Und urteilt: „Das musste ja passieren.“

Die Passantin liegt falsch. Die „Tee-Waage“ in der Hagenstraße muss nicht aufgrund der Corona-Krise dauerhaft schließen. Das betont die Inhaberin auf Nachfrage. Nach 25 Jahren habe sie einfach aufhören wollen, berichtet die Frau, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Schon vor der Corona-Krise habe sie das geplant gehabt, am 30. April sollte der Mietvertrag für ihren Teeladen auslaufen. Durch die Corona-Zwangspause habe sie nun einige Wochen Zeit gehabt, das Geschäft leerzuräumen, berichtet sie.

Die Teehändlerin ist nicht die einzige Geschäftsfrau in der Hagenstraße, die ihren Laden nach den Zwangsschließungen nicht wieder öffnet. Auch der Blumenladen „Blattwerk“ wird geschlossen bleiben. Wie Inhaberin Anita Lehmann berichtet, sei die Schließung aber auch hier schon vorher geplant gewesen. Der Laden sei einfach nicht so angenommen worden, wie sie sich das vorgestellt habe, sagt Lehmann, die ein zweites Geschäft in Wolmirstedt betreibt.

Bilder

Vor eineinhalb Jahren hat Lehmann den Laden in der Hagenstraße eröffnet. In den Monaten vor der Corona-Krise sei es dann wirtschaftlich immer schwieriger geworden. „Wir hatten zwar viele liebe, treue Kunden, aber der Kreis war einfach zu klein“, resümiert sie. Der Plan sei gewesen, nach dem Muttertagsgeschäft zu schließen, also nach dem 10. Mai. Wegen der Corona-Krise hat die Floristin nun früher einen Schlussstrich gezogen. „Jetzt für ein paar Wochen wieder hochfahren, macht wirtschaftlich keinen Sinn“, sagt sie. In ihrem Haldensleber Laden hatte Lehmann eine Mitarbeiterin beschäftigt.

Hoffen auf die Soforthilfe

Bärbel Haberland hat mit der Schließung des „Blattwerk“ eine Konkurrentin verloren. Ihr Blumenladen befindet sich nur wenige Schritte weiter in der Hagenstraße. Sie betreibt ihn seit sechs Jahren. Der Einbruch aufgrund der Zwangspause sei bei ihr groß gewesen, berichtet die Floristin. Gerne hätte sie in dieser Zeit einen Onlineshop gehabt. Nun fehle ihr ein bisschen das Geld, um neue Pflanzen für den Laden einzukaufen, berichtet Haberland. Sie hat Soforthilfe beantragt. Die Floristin hofft, die fehlenden Einnahmen mit dem Herbstgeschäft wieder reinzuholen. Die ersten Tage nach der Schließung seien jedenfalls gut gelaufen, sagt sie.

Zufrieden mit den ersten Tagen nach der Corona-Schließung ist auch Max Zimmer. Seit gut zwei Jahren betreibt er den Laden „Dampfzimmer“ in der Hagenstraße. Dort verkauft der 26-jährige Haldensleber E-Zigaretten-Bedarf. „Das Geschäft ist gut wieder angelaufen“, berichtet er. Vor allem der erste Tag nach der Schließung sei umsatzstark gewesen.

Während der Corona-Schließung hat Zimmer seine Kunden täglich beliefert. Über soziale Netzwerke habe er Bestellungen entgegengenommen, jeden Nachmittag sei er zu einer Liefertour aufgebrochen, berichtet er. Dennoch sei sein Umsatz während dieser Zeit deutlich eingebrochen. „Der Monat hat wehgetan“, betont Zimmer. Wirklich kritisch wäre es für sein Geschäft geworden, wenn die Schließung zwei oder drei Monate angehalten hätte, sagt er. Der E-Zigarretten-Händler hofft, dass die von ihm beantragte Soforthilfe bald kommt. „Die ist wichtig, damit ich etwas entspannter in die Zukunft schauen kann“, sagt er.