Haldensleben l Der Wachstumspakt „Haldensleben 2020“ trägt seine Bestimmung im Namen: Bis zum Jahr 2020 sollte die Einwohnerzahl der Stadt um 20 Prozent erhöht, der Wegzug um 20 Prozent verringert werden. Ermöglicht werden sollte dies mit einem seinerzeit wohl einmaligen Zusammenschluss zwischen der Stadtverwaltung, der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Wobau und ortsansässigen Unternehmen.

Ziel war es, vor allem qualifizierte Fachkräfte nach Haldensleben zu holen – nicht als tägliche Einpendler, sondern als neue Bürger der Stadt. Das ist allerdings nur zum Teil gelungen.

Arbeit der Stadtrezeption wird fortgeführt

„Ich finde nicht, dass das Projekt gescheitert ist“, resümiert Haldenslebens Stadtpressesprecher Lutz Zimmermann. Auch wenn sich in seinen Augen nicht alles so entwickelt habe, wie es sich die Initiatoren damals vorgestellt hatten. Doch mit dem Wachstumspakt sei ein Grundstock gelegt worden, auf den sich weiter aufbauen lasse, so Zimmermann weiter.

Als Beispiel dafür nennt er die Arbeit der Stadtrezeption. Sie wurde 2013 aus der Taufe gehoben, um arbeitssuchenden Fach- und Arbeitskräfte, deren Familien sowie Pendler oder Fortgezogene, die ihren Lebensmittelpunkt nach Haldensleben verlagern möchten, zu betreuen. Aufgabe der Stadtrezeption war es, Wohnung, Kita- oder Schulplatz und bei Bedarf auch eine Arbeitsstelle für den Ehe- oder Lebenspartner zu vermitteln. Dafür wurde ein entsprechendes Netzwerk zwischen der Stadtverwaltung, den Unternehmen und kommunalen Institutionen wie beispielsweise der Agentur für Arbeit und den ortsansässigen Wohnungsunternehmen auf- gebaut. „Diese Arbeit läuft auch heute noch weiter, wenngleich ohne eigene Struktur der Stadtrezeption als solcher“, macht Lutz Zimmermann deutlich. Die Stadtverwaltung bietet bei Bedarf die notwendige Unterstützung an.

Auch die Einrichtung eines Online-Stellen- und eines -Wohnungsportals habe sich laut Zimmermann bewährt. Beide Portale würden auch heute noch genutzt werden. „Wobei das Stellenportal deutlich im Vordergrund steht. Wohnungsangebote werden in Haldensleben häufig direkt vermarktet.“

Das Projekt „Arbeitskreis Wirtschaft-Schule“, bei dem es um ganz konrekte Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Schulen in Haldensleben geht, sei dagegen leider eingeschlafen, bedauert Zimmermann. Es gebe jedoch Bemühungen, dieses Projekt „wieder neu auf die Schiene zu setzen“, meint Zimmermann und sichert dabei auch die Unterstützung der Stadtverwaltung zu.

Als Flop habe sich jedoch das „Haldensleben-Stipendium“ erwiesen. In dessen rahmen konnten Studenten für sechs Monate lang in Haldensleben leben und arbeiten – inklusive Wohnung und finanzieller Unterstützung. „Das hat sich nicht so bewährt und ist ausgelaufen. Das Interesse der Studenten war nicht so wie erwartet“, erklärt Zimmermann, weshalb das „Haldensleben-Stipendium“ lediglich zweimal vergeben wurde.

„Haldensleben 2030+“ für die Zukunft

Nach wie vor sei die Gewinnung von qualifizierten Arbeitskräften für haldensleben wichtig, macht zimmermann deutlich. Den Wachstumspakt hält er daher auch nach neun Jahren für einen guten Ansatz. „Allerdings waren wir damit – aus heutiger Sicht – viel zu früh dran. Die größeren Unternehmen hatten eigene Strategien entwickelt, bei den kleineren Unternehmen war das Thema Fachkräftegewinnung noch nicht angekommen“, so seine Erfahrung. „Daher würden wir dieses Projekt heute so nicht mehr eins-zu-eins umsetzen“, ist er überzeugt.

Einen wichtigen Beitrag, um mehr Menschen nach Haldensleben zu holen, leistet seiner Ansicht nach das neue integrierte Stadtentwicklungskonzept, das derzeit unter dem Titel „Haldensleben 2030+“ erarbeitet wird. „Auch hier wird das Thema Arbeitskräfte eine Rolle spielen“, unterstreicht Lutz Zimmermann. „Wir stehen doch vor der Frage, wie wir uns in Zukunft platzieren wollen. Dabei wird das Thema Wirtschaft eine hohen Stellenwert einnehmen.“

Denn auch nach neun Jahren Wachstumspakt „Haldensleben 2020“ hat die Stadt ein Pfund, mit dem sie schon 2011 wuchern konnte: Noch immer zieht es deutlich mehr Menschen nach Haldensleben zur Arbeit als andersherum.