Erxleben l Rein äußerlich hat sich am prachtvoll geschnitzten Aufbau der Orgel mit ihren sieben Pfeifengruppen nicht viel verändert. Aber - und davon konnten sich die Besucher der Orgelweihe überzeugen - nach jahrzehntelangem Schweigen und mehr als zehn Jahren Bemühungen um den Wiederaufbau durch den Förderkreis Schlosskirche klingt die Königin der Instrumente, die Erxleber Herbst-Orgel, wieder.

Sie zählt zu den wenigen, noch erhaltenen Orgeln im mitteldeutschen Raum aus der Orgelbauwerkstatt der Familie Herbst. Erbaut 1709 bis 1710, ist sie eine Brüstungsorgel mit Haupt-, Hinter- und Pedalwerk mit 25 eingebauten Registern. „Es handelt sich bei dieser Orgel um ein besonders bedeutendes Zeugnis des Orgelbaus im Spannungsfeld des mittel- und norddeutschen Orgelbaus im Zeitalter des Barock. Das Orgelwerk ist raumbestimmender Bestandteil eines kunsthistorisch bedeutsamen Ausstattungsensembles“, hatte Holger Brülls vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt nach einer Bestandsaufnahme eingeschätzt.

„Damit hatten wir ihn in der Tasche“, blickte Hildegard Bernick, Vorstand vor Förderkreis Schlosskirche, mit einem Schmunzeln zurück, denn Holger Brülls war der Fachmann, mit dem alle folgenden Anstrengungen begründbar waren. Aus dieser „Tasche“ haben die Erxleber ihn deshalb nicht mehr hinausgelassen.

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Förderkreis feirt 20-Jähriges

Im vergangenen Jahr hatte der Förderkreis sein 20-jähriges Bestehen feiern können, und genauso lange bemüht er sich um das kulturelle Erbe der Schlosskirche als historisches Kunstwerk, als Kultur- und Konzertstätte und kommunikativer Treffpunkt.

„Das Ganze war ein Gemeinschaftswerk ganz vieler, rechtzeitig begonnen und jetzt mit der Krönung, der Einweihung der Orgel, erfolgreich abgeschlossen“, sagte Hildegard Bernick in ihrer Festansprache.

Fördermittel vom Bund, Land, Lotto-Toto, der Landeskirche und zahlreicher privater Spender sowie unermüdlicher Einsatz des Förderkreises bei Veranstaltungen ermöglichten das finanzielle Gerüst für die anspruchsvolle Sanierung.

Lob vom Staatssekretär

Kultusstaatssekretär Gunnar Schellenberger hatte viele Wortes des Lobes für die unermüdlichen Bemühungen zur Sanierung der Kirche und ihrer Orgel gefunden. „Sie sind intensiv dabei, die Geschichte für das Land weiterzuschreiben, die ist hier einzigartig“, betonte er die Bedeutung der Erxleber Schlosskirche im Interieur des Schlosskomplexes. Es gebe viele Freunde überall, die am Erhalt interessiert seien. „Wir wollen uns weiter Gedanken über die Unterstützung machen“, so der Staatssekretär in seinem Grußwort.

Claus Bantzer, Kirchenmusikdirektor aus Hamburg, brachte das Instrument zum Klingen, spielte mehrere geistliche und weltliche Werke, um die Klangvielfalt, die Orgelbauer Jörg Dutschke dem Instrument in mühevoller Kleinarbeit über Jahre wieder eingehaucht hatte, zu demonstrieren und auszureizen. Besonders die klingenden und sich drehenden Sterne im Aufbau der Orgel zogen das Interesse auf sich.

Bewusst wurde die vorhandene hölzerne Hülle mit ihrem malerischen Aufbau mit den sieben Pfeifengruppen, den musizierenden Putten, reichlich verzierten Ranken und den beiden Engeln, die das Alvenslebische Wappen tragen, erhalten.