Hödingen l Kerstin Temme kann gar nicht mehr zählen, wie oft sie im Laufe von 40 Jahren, die sie mittlerweile in Hödingen wohnt, von Hochwasserereignissen auf ihrem Grundstück betroffen war.

Vor ein paar Jahren hat die Familie nach einem solchen Ereignis angefangen, ihr Gelände - nur ein paar Meter entfernt von der Schölecke - stufenweise zu erhöhen. „Meine Bäume sind mir verfault in dem Wasser“, erzählt Kerstin Temme. Sie musste mehrfach neue Bäume pflanzen. Ihre Blutpflaume wie auch andere Bäume stehen nun in einer Art Hochbeet. Der Fischteich erlebte eine Einbettung in höheres Gefilde, nachdem die wertvollen Kois in plötzlichen Fluten einfach verschwunden waren oder in den Schlammfluten qualvoll verendeten.

Trotzdem gibt Kerstin Temme nicht auf, das Grundstück immer wieder in eine Oase der Natur zu verwandeln. Sie braucht den Ausgleich zum berufllichen Alltag.

Das jüngste Starkregenereignis im Juni erwischte Familie Temme wieder mit voller Wucht. Innerhalb von Minuten ergossen sich die ersten Wassermassen über das Grundstück am südlichen Ortsrand.

Die Schölecke, normalerweise ein kleines Flüsschen im schmalen Flussbett, verwandelte sich blitzschnell in einen reißenden Strom voller Schlamm und Dreck.

Noch zwei Wochen später sind die Überbleibsel der Wassermassen zu sehen, hängen an Erdbeeren und Beetbegrenzungen, im Sandkasten für die Kinder und auf den Wegen fest. „Wir beregnen überall, aber was fest sitzt, sitzt“, weiß Kerstin Temme.

Sie zeigt auf den Auslauf für ihre Kaninchen, wenige Meter weiter die Voliere ihrer Hühner. Die Tiere konnte die Familie gerade noch retten, den teuren Mähroboter nicht mehr. Er stand bereits komplett im Wasser, als Ulrich Temme ihn bergen konnte. Jetzt ist das Gerät zur Reparatur, aber ob es noch zu retten ist, bleibt ungewiss.

„Ich habe beim Bürgermeister angerufen, als das Wasser in den Ort hineindrückte“, berichtet Kerstin Temme. Da kurz zuvor die Sirene im Ort die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr alarmiert hatte, ging sie davon aus, dass sie zum Wehr der Schölecke eilen würden, um es zu öffnen. Das dafür notwendige Werkzeug hängt im Gerätehaus. Das Ziehen des Wehrs hätte den Wassermassen im Flussbett Entlastung gebracht. Doch die Hödinger Feuerwehrleute eilten in Richtung Behnsdorf zum Einsatz.

Schon ein, zwei Tage vorher war klar, dass die Region um Weferlingen von einem solchen Starkregenereignis betroffen sein könnte. „Warum wurden daraufhin keine vorsorglichen Maßnahmen getroffen“, fragt Kerstin Temme.

Sie verweist auf einen Zeitungsartikel aus der Volksstimme vom 15. Juni. Der Weferlinger Ortsbürgermeister hatte darin eine zeitnahe Auswertung des Ereignisses angekündigt, um Konsequenzen zu ziehen. Im Ortschaftsrat am Montagabend war das Hochwasser dann auch recht ausführlich Thema.

„In unserem Ortschaftsrat war davon nichts zu hören“, sagt Kerstin Temme. Der tagte zeitgleich zu den Weferlingern. Sie hatte sich extra auf den weg gemacht, um das Thema anzusprechen. Ihre Fragen blieben bis heute unbeantwortet. Zum Beispiel ist es ihr ein Rätsel, wie es sein kann, dass der Beauftragte für eine Wasserwehr in der Einheitsgemeinde innerhalb ihrer Feuerwehr schon vor drei Jahren aus Hödingen weggezogen ist und noch immer keinen Nachfolger hat.

Erst im Mai hatte die Einheitsgemeinde im Burgenboten ihre Satzung der Wasserwehr veröffentlicht. Danach zeichnet der Bürgermeister sowohl für die Aus- und Weiterbildung der Wasserwehrbeauftragten als auch für die Koordinierung der Aufgaben des Hochwasser- und Einsatzplanes verantwortlich. Nichts davon ist in Hödingen passiert, kritisiert Familie Temme, die nun erneut mit den Folgen des Nichtstuns zu kämpfen hat. Aufgeben wollen sie nicht, wohl aber endlich erreichen, dass Bewegung in die Sache kommt.

Wenn sich in Hödingen niemand findet, der sich um das Wehr kümmern kann, wäre beispielsweise zu überlegen, ob der Unterhaltungsverband Aller mit Sitz in Weferlingen einbezogen werden kann.

„So eine Wasserwehr lässt sich nicht von heute auf morgen aus dem Boden stampfen“, sagt Einheitsgemeindebürgermeister Hans-Werner Kraul. Dazu bedarf es langer Vorbereitungen und Absprachen. In der nächsten Zusammenkunft der Ortsbürgermeister soll der Ordnungsamtsleiter zum Thema Ausführungen machen, so der oberste Verwaltungschef.

Er betont aber auch, dass eine Wasserwehr bei einem kurzzeitigen Starkregenereignis wie im Juni noch gar nicht zum Einsatz gekommen wäre, lag doch kein dauerhaftes Hochwasserereignis vor, sondern eine punktuelle Phase-1-Überschwemmung.