Haldensleben l Mit Hochzeits-trends kennen sich die Standesbeamtinnen der Stadt bestens aus. Schließlich machen Brigitte Schulze und Sabine Herbst ihren Job schon seit mehr als drei Jahrzehnten. Schon zu DDR-Zeiten haben sie in der Kreisstadt Ehen geschlossen. Seitdem hat sich auf dem Heiratsmarkt einiges geändert.

Das Heiratsalter etwa. Die Durchschnittsfrau in Deutschland heiratet heute im Alter von 32 Jahren. Als die Standesbeamtin Herbst sich vor 39 Jahren das Ja-Wort gab, war sie 21 Jahre alt. Und sie habe damals nicht zu den Jüngsten gezählt, fügt sie hinzu. Insgesamt hatte das Standesamt früher deutlich mehr zu tun. Etwa 300 Ehen hätten sie damals jährlich geschlossen, berichten Herbst und Schulze. In den vergangenen fünf Jahren verzeichnete das Standesamt Haldensleben hingegen nur noch um die Hundert Hochzeiten im Jahr.

Das Fünfjahrestief wurde 2019 mit 95 Ehen erreicht, was wohl auch daran lag, dass Schloss Detzel als dritter Standort für die Hochzeiten weggefallen ist. Dafür kommt in diesem Jahr Schloss Bodendorf hinzu. Fünf Anfragen gebe es bereits, berichtet Schulze. Möglich sind Eheschließungen von den Standesbeamtinnen daneben noch auf Schloss Hundisburg oder im Trausaal des Rathauses.

Bilder

Trausaal bekommt neue Gardinen für 3000 Euro

Die meisten Haldensleber Ehen werden im Rathaus geschlossen. Der dortige Trausaal hat zuletzt für 5000 Euro neues Möbilar bekommen. In diesem Jahr sollen die drei Fenster neue, maßgeschneiderte Gardinen erhalten. Dafür sind 3000 Euro vorgesehen. Die alten Gardinen seien beinahe 20 Jahre alt, berichtet Schulze.

Neue Moden gibt es laut den Standesbeamtinnen auch beim Feiern auf den Schlössern. Zuletzt seien große Konfettikanonen beliebter geworden. Allerdings ließe sich Plastikkonfetti im Schlossgarten nur schwer wieder beseitigen, berichtet Schulze. Deswegen hätten sie entschieden, die Konfettikanonen zu verbieten.

Seit einigen Jahren erlaubt sind hingegen gleichgeschlechtliche Ehen. Am Standesamt Haldensleben haben diese Möglichkeit seit 2017 sieben Paare genutzt. Alle hatten vorher bereits eine Lebenspartnerschaft eintragen lassen, die dann vom Standesamt zur Ehe umgewandelt wurde.

Immer mehr Ehepartner behalten ihren Nachname

Verändert hat sich auch die Namensführung in der Ehe. Herbst berichtet, die getrennte Namensführung, bei der jeder Ehepartner einfach seinen Namen behält, habe zuletzt zugenommen. Mehr als jedes zehnte Hochzeitspaar hat sich nach Daten des Standesamtes im vergangenen Jahr dafür entschieden. Bei den nicht-gleichgeschlechtlichen Ehen entschieden sich etwa genauso viele für den Namen der Frau.

Die deutliche Mehrheit der Paare trägt nach der Hochzeit den Nachnamen des Mannes, etwa zwei Drittel waren es im vergangenen Jahr. Für einen Doppelnamen entschieden sich 2019 etwas weniger als zehn Prozent.

Weiterhin beliebt sind Eheschließungen an einem Schnapsdatum. Am 9.9.2019 sowie am 19.9.2019 haben Herbst und Schulze jeweils zwei Ehen geschlossen. Auch für den 20.2.2020 gebe es bereits zwei Anmeldungen, berichten die Standesbeamtinnen. Unverändert sei auch, dass Leute am Freitag den 13. heiraten. Herbst selbst hat einst an einem solchen Tag Hochzeit gefeiert. Ihr sei das damals gar nicht aufgefallen. Und egal sei es ihr wie vielen anderen auch.