Haldensleben l Sein junges Gesicht ist hochrot. Schweißtropfen perlen an seinen Schläfen hinab, und enden dort, wo seine Hand dafür sorgt, dass sein Gesicht vor einem Schlag geschützt ist. Der Blick des Zwölfjährigen ist geradezu angst-einflößend. Wenn er seine kleinen Hände, die in Boxhandschuhe gehüllt sind, auf den Gegner einfliegen lässt, wird klar: Mit Ashkhab Mejdov ist nicht zu spaßen.

In der Sporthalle der Otto-Boye-Schule, wo die Boxer des Haldensleber SC trainiert, fühlt sich der Zwölfjährige seit vier Jahren wohl. Seither steht er zwei Mal die Woche hier und übt seine Technik an Boxsäcken oder seinen Mitkämpfern. „Ich bin beim Altstadtfest auf den Sport aufmerksam geworden“, erinnert sich Askhab Mejodov an seine Anfänge. Das war im Jahr 2015 – und auch vier Jahre später trainiert er noch gern: „Es hat mir gefallen und ich bin dabei geblieben.“

Knapp vier Stunden trainiert Askhab Mejdov wöchentlich in der Halle, Zuhause geht es dann weiter. Doch einen Wermutstropfen gibt es: Der Zwölfjährige hat in Haldensleben keine Gegner in seiner Alters- oder Gewichtsklasse. Er muss also mit jüngeren oder älteren Boxern trainieren. „Das ist eher schwierig für seine Entwicklung“, sagt Trainer Stefan Kuske, der dem jungen ein großes Potenzial nachsagt.

Leistungszentrum in Halle als Traum

Doch schon bald könnte es damit vorbei sein, denn Askhab Mejdov wurde vom Landestrainer der jungen Kämpfer, Marcus Reiche, angefragt. Er bekommt damit die Chance, in Halle (Saale) zum Landesleistungszentrum Boxen sowie an die Sportschule zu gehen und als Boxer durchzustarten. „Es würde ihn boxerisch sehr weiterbringen“, so Trainer Kuske.

Beim Aufnahmetraining habe er – wie immer im Ring – 200 Prozent gegeben. Dort habe er gezeigt, dass Ausdauer, Technik und Taktik seine Stärken sind. „Nur bei der Deckung müssen wir noch üben“, berichtet sein Trainer und korrigiert die Hand des jungen Boxers noch ein Stück in Richtung Augen.

„Ich würde sehr gern nach Halle gehen“, sagt Ashkab Mejdov. Doch die knapp 120 Kilometer, die Halle und Haldensleben trennen, sind eine recht große Hürde für den Sportler. Vor allem die Mutter des Sportlers, Luise Alieva, ist skeptisch: „Ich möchte natürlich gute Chancen für meine Kinder, ich möchte die Familie aber auch beisammen haben.“ Askhab Mejdov hat drei Geschwister. Im Jahr 2013 flüchtete die Familie aus Tschetschenien nach Deutschland.

Für das Talent des Jungen sprechen einige Wettkämpfe, bei denen er auf den vorderen Rängen vertreten war. Drei Mal hat er bei den Landesmeisterschaften teilgenommen und den zweiten Platz belegt. „Er könnte auf Platz eins stehen“, sagt sein Trainer Stefan Kuske. Der Junge habe keine Angst und eine gute Technik.

Der kleine Überflieger bleibt indes bescheiden: „Ich meine nicht, dass ich ein Talent bin. Ich boxe einfach gern.“ Er habe viel Energie und die könne er beim Boxen loswerden. Trainer Stefan Kuske hofft, dass sich die Familie seines Schützlings für die Sportelite in Halle entscheidet. Denn eins steht fest, so Kuske, „er hat das Herz eines Boxers“.