Feuerwehr

Jugendwart droht der Ausschluss

Die Stadt Haldensleben strebt den Ausschluss des Jugendfeuerwehrwarts Michael Deutschmann aus der Feuerwehr an.

Von Marita Bullmann

Haldensleben l Sichtlich bewegt trat Michael Deutschmann in der Einwohnerfragestunde der Stadtratssitzung ans Mikrofon. Der Jugendwart der Freiwilligen Feuerwehr Haldensleben wandte sich an Bürgermeisterin Regina Blenkle. Sie habe ein Ausschlussverfahren aus der Feuerwehr gegen ihn eingeleitet, erklärte er und verwahrte sich gegen die Anschuldigungen.

Die Jugendfeuerwehr hatte sich am Ostermontag am bunten Markt zum Ostermarsch beteiligt. Die Mädchen und Jungen waren mit viel Spaß und Eifer bei der Sache, die Kübelspritze war immer wieder in Aktion. Aber: Die Bürgermeisterin würde ihm unterstellen, dass die Kinder Buh-Rufe ausgestoßen hätten, als sie bei der Kundgebung auf der Bühne angekündigt wurde, berichtete Deutschmann im Stadtrat. Er solle die Kinder dazu animiert haben.

Er habe die Kinder nicht dazu animiert, und sie hätten auch nicht „Buh“ gerufen, erklärte der Jugendwart. Und er wolle wissen, ob es Stadträte gäbe, die das angebliche „Buh“ gehört haben. „Ich möchte, dass Sie den Kindern und Eltern sagen, dass sie auf meine Anweisung ,buh‘ gerufen haben. Das ist gelogen“, erklärte Michael Deutschmann. Hier gehe es um Kinder, die 10 bis 14 Jahre alt sind.

Regina Blenkle sprach von Zeugen für diese Buh-Rufe. Im Sitzungssaal des Rathauses meldete sich allerdings niemand, der das bestätigen wollte. Dagegen ergriffen zwei Stadträte das Wort, um das Gegenteil zu erklären. Klaus Czernitzki (Die Linke) berichtete, er habe zu den Organisatoren des Ostermarsches gehört. Am Tag vor der Ratssitzung habe er beim Arbeitstreffen des Organisatorenteams zur Auswertung der Veranstaltung gefragt, ob jemand irgendwelche Äußerungen gehört habe. Keiner der Nicht-Haldensleber Organisatoren habe etwas gehört, bekräftigte er. Stadtratsvorsitzender Guido Henke (Die Linke) ergänzte, er sei ebenfalls beim Ostermarsch dabei gewesen und könne die Behauptung der Bürgermeisterin nicht bestätigen.

Doch die Bürgermeisterin legt dem Jugendwart auch zur Last, er würde sie diffamieren. Sie habe ihn mehrfach zu Gesprächen eingeladen, aber er sei nicht zu ihr als Trägerin der Feuerwehr gekommen, erhob die Bürgermeisterin weitere Anschuldigungen gegen Michael Deutschmann. Es sei um seine „dispektierlichen Äußerungen“ gegangen. Das aber nimmt Michael Deutschmann so nicht hin. Wenn er als Jugendwart zu einem Gespräch eingeladen wird, müsse das auch aus der Einladung zu erkennen sein. Schließlich müsse er sich darauf vorbereiten. Gleichzeitig erwartet er, dass ein Gespräch nicht zu einem Zeitpunkt anberaumt wird, der in seine Arbeitszeit fällt.

Michael Deutschmann äußert sich bei Facebook des öfteren zur Kommunalpolitik, jedoch in sachlichem Ton, ist er überzeugt. Er sei politisch interessiert und könne seine Meinung frei äußern. Das sieht die Bürgermeisterin anders.

Michael Deutschmann ist 2010 aus eigenem Interesse zur Freiwilligen Feuerwehr gegangen. Er wollte etwas tun. „Mich hat keiner gefragt, ich mache das gern und möchte das auch weiter machen“, versichert der 38-Jährige. Seit 2010 hat er fast alle Lehrgänge bis auf die für die Wehrleitung absolviert. Angefangen vom Grundlehrgang über Atemschutzgeräteträger, Maschinistenlehrgang, ABC-Einsatz, ABC-Erkunder, Technische Hilfe bis zum Truppführer. Diese Lehrgänge hat die Stadt übrigens bezahlt.

Anfang 2015 hat Michael Deutschmann kommissarisch die Leitung der Jugendwehr übernommen. Für den entsprechenden Lehrgang für die Leitung einer Jugendwehr gibt es leider derzeit keine Plätze, bedauert er. Seit 2011 ist er bereits als stellvertretender Jugendwart tätig. Sein Sohn Paul gehört zur Jugendwehr. Er hat bereits den Grundlehrgang absolviert und wartet jetzt nur noch darauf, dass er 18 wird und in die aktive Wehr wechseln kann. Seine Tochter Nelly, sie ist zehn, gehört zu den Jüngsten in der Jugendwehr.

Die Feuerwehr steht für den Haldensleber ganz oben. So musste auch am vergangenen Sonnabend wieder einmal die Familie zurückstecken, weil die Wehrleute zu zwei Einsätzen alarmiert wurden. Für Michael Deutschmann sind diese Einsätze als aktiver Kamerad selbstverständlich. Davon rückt er auch nicht ab, egal, was gegen ihn läuft.

Wie es jetzt mit der Jugendwehr weitergeht, weiß Michael Deutschmann allerdings noch nicht. Zum jüngsten Jugendwehrtreff hatte er auch die Eltern mit eingeladen und ihnen erzählt, welche Anschuldigungen erhoben werden. Er werde jetzt die Jugendarbeit erstmal aussetzen, sagte er auf Volksstimme-Nachfrage.

Unter den gegenwärtigen Bedingungen werde er mit der Jugendwehr auch nicht am Kinderfest der Stadt am 22. Mai teilnehmen. Hier gehört die Jugendwehr seit Jahren zu den Aktivposten. Auch zum Altstadtfest, zum Drachenfest und Sternenmarkt rückt die Jugendwehr alljährlich mit an. Und weitere Kinder und Jugendliche für die Wehr zu begeistern, das fällt für Michael Deutschmann auch erst einmal aus.