Aufforstung

Kali-Halden in Zielitz wachsen, dafür werden Bäume in Mannhausen gepflanzt

Von Anett Roisch
Der Salzberg Kalimandscharo in Zielitz ragt über 120 Meter in die Höhe. Moderne Technik machte die Kaliförderung wirtschaftlich. 1973 ging das Kaliwerk mit seinen bis zu 1000 Meter tiefen Schächten in Betrieb. Nicht alles, was gefördert wird, ist reiner Kali. Die Abfälle, darunter Kochsalz, kommen auf die Abraumkippe. Mit mehreren Kilometer langen Förderbändern wird das Salz auf den Berg befördert. Die Halden sollen um weitere 230 Hektar Fläche erweitert werden. Foto: Anett Roisch

Mannhausen/Zielitz

Die K + S Kali GmbH in Zielitz plant die weitere Nutzung der vorhandenen Kalisalzlagerstätte. Dafür sollen die Halden um weitere 230 Hektar Fläche erweitert werden. „Als Ersatz soll eine Waldfläche bei Mannhausen aufgeforstet werden“, erklärte Gerhard Reinecke, Vorsitzender des Umwelt- und Wirtschaftsausschusses der Gemeinde Calvörde, bei der jüngsten Zusammenkunft des Gremiums, das in Grauingen tagte. Der Kommune liegt eine Information zum Planfeststellungsbeschluss sowie zum Rahmenbetriebsplan für das Vorhaben „Haldenkapazitätserweiterung II am Standort Zielitz" vor. Die Vertreter der Gemeinde Calvörde sollen zum Vorhaben Stellung beziehen.

Doch welche Verbindung besteht zwischen der Gemeinde Calvörde und dem Kali-Standort in Zielitz? Der Zusammenhang ist unterirdisch und durch die Geologie erklärbar. Die Lagerstätte des Kaliwerkes Zielitz befindet sich nämlich auf der „Scholle von Calvörde”. Sie entstand – nach der Erklärung im Lexikon des Mineralatlas - vor etwa 250 Millionen Jahren durch die Verdunstungsablagerungen eines weiträumigen Binnenmeeres.

Rohstoffe reichen bis Mitte des Jahrhunderts

 Der Rahmenbetriebsplan wurde vom Landesamt für Geologie und Bergwesen Sachsen-Anhalt zugelassen. Laut Plan reichen die Rohstoffe bis zur Mitte dieses Jahrhunderts. Eine Voraussetzung für die Aufrechterhaltung der Produktion sei – nach den Informationen des Kali-Unternehmens - die Gewährleistung der Entsorgungsmöglichkeiten fester und flüssiger Rückstände. Die gegenwärtigen Haldenkapazitäten würden voraussichtlich bis etwa Ende 2020 reichen. Planungsziele sind unter anderem der Erhalt des Werkes Zielitz mit etwa 1850 Arbeitskräften.

Die Haldenkapazitätserweiterung beansprucht eine Fläche von etwa 230 Hektar und wird durch die direkte Anschüttung mit dem bereits vorhandenen Haldenkörper des Haldenkomplexes Halde 2 optisch einen zusammenhängenden Haldenkörper bilden. Mit einer daraus resultierenden mittleren Höhe von etwa 150 Meter  ist der Haldenkörper – der sogenannte Kalimandscharo - weithin sichtbar. Die Oberflächenfarbe wird nicht mehr hell weiß, sondern dunkler und eher grau sein, so dass die Reflektion weiter abgeschwächt wird“, erklärte Silvia Dörheit, Mitarbeiterin des Bauamtes der Verbandsgemeinde Flechtingen.

Mehr als 200 Hektar Wald

Durch das Vorhaben werden etwa 209,4 Hektar Waldfläche in Anspruch genommen. Die Auswirkungen auf das Schutzgut Landschaft sei – laut Planfeststellungsbeschluss - als erhebliche Beeinträchtigung zu bewerten.

Für die Inanspruchnahme von Waldflächen sei - nach dem Walderhaltungsgesetz - ein gleichwertiger, flächenhafter Waldersatz erforderlich. „Dem vorhabenbedingten Verlust von 212,6 Hektar Wald stehen anzurechnende Ersatzaufforstungen auf einer Gesamtfläche von 350,3 Hektar gegenüber. Unter anderem wird deshalb auch eine Fläche von etwa  41,2 Hektar bei Mannhausen aufgeforstet“, erklärte Reinecke und zeigte auf der Landkarte, wo die Aufforstungen in der Gemarkung Mannhausen stattfinden sollen.

Hubertus Nitzschke (UWG), Mitglied des Gemeinderates Calvörde, erinnerte daran, dass der Gemeinderat in der Vergangenheit beschlossen hatte, dass die unterirdischen Flächen unter den Orten – wie Dorst und Klüden, die dicht an den Abbaugebieten grenzen, nicht unterhöhlt werden sollen. „Ist dies berücksichtigt worden?“, wollte Nitzschke wissen. Auch Calvördes Bürgermeister Volkmar Schliephake (CDU) konnte sich noch gut erinnern, dass vor etwa fünf Jahren der Gemeinderat bei diesem Thema darauf hinwies, dass der Rat nichts gegen die Erweiterung habe, aber nicht unter den Orten „gebuddelt“ werden soll. Dies sei – nach seinen Ausführungen - bei den Planungen der Abbaugebiete berücksichtigt und ausgeschlossen worden. „Die Gefahr, dass Häuser in unsere Gemeinde durch Absacken oder Risse in Mitleidenschaft gezogen werden, ist nicht zu befürchten“, betonte Schliephake.

Die Mitglieder des Umweltausschusses widersprachen der Erweiterung der Halden nicht, forderten jedoch erneut, dass direkt unter den Ortschaften kein Abbau erfolgen darf.