Zobbenitz/Gera/Erfurt l Stolz war Viktoria Westphal, als sie Anfang des Jahres Bescheid bekam, dass sie als eine von 25 Kindern in der Jury des Medien-Festivals mit entscheiden darf, wer einen „Goldenen Spatz“ bekommt. 600 Kinder hatten sich beworben.

Dann folgte die Enttäuschung. Das Filmfestival, das normalerweise im Frühjahr junge Filmfans sowie Fachbesucher nach Gera und Erfurt lockt, wurde coronabedingt verschoben. Damals hatte sie durch ihre Leidenschaft zu Pferden, den Kinofilm „Ostwind“ bewertet und sich so das Ticket für das Filmfestival gesichert. Viktoria besucht die fünfte Klasse des Internationalen Gymnasiums Pierre Trudeau in Barleben. Am liebsten verbringt die Zehnjährige ihre Freizeit aber nicht mit Filmeschauen, sondern mit ihrem Pony auf dem Hof ihrer Großeltern Andrea und Udo Hoppe in Zobbenitz. Nun waren es die Pferde, bei denen sie Trost fand.

Um so größer war jetzt die Freude über die Einladung zum Festival. Rund 50 Film- und Fernsehproduktionen standen auf dem einwöchigen Programm. Auf die Gymnasiastin wartete eine Powerwoche, die sie in Gera und in Erfurt ohne Eltern aber dafür mit den anderen jungen Filmkritikern und dem Team vom „Spatz“ erlebte. „Für uns Kinder wurde alles so mega gut vorbereitet. Wir haben uns total wohl gefühlt. Es war wie in einer großen Familie, mit der wir jeden Tag unterwegs waren“, erzählte Viktoria, als sie wieder zuhause ankam und auf dem Hof ihrer Großeltern das Erlebte schilderte. Es habe sie nicht mal gestört, eine Woche ohne Handy auszukommen. „Das Handy hatte meine Mama nämlich einkassiert, damit ich nicht zu oft abgelenkt bin“, sagte das Mädchen.

Ein Film, der ihr besonders im Gedächtnis blieb, war „Die Heinzels - Rückkehr der Heinzelmännchen“. „Das ist ein ganz witziger Film, der die verschiedensten Charaktere hatte und am Ende doch ein ganz tolles Miteinander entstand. Es ist ein fantastischer Familienfilm, den ich gern empfehle“, schwärmte Viktoria. Sie verriet, was ihr absolut persönlichstes Highlight war, nämlich der Kiosk unter dem Kino in Gera mit all seinen Süßigkeiten. „Unsere Betreuer haben gesagt, wer Großes leistet, braucht auch genug Energie. Und das haben wir wortwörtlich genommen und den Kiosk mit all seinen Köstlichkeiten täglich ausgeräubert“, verriet die Filmkritikerin. Am besten habe ihr die Preisverleihung zum krönenden Schluss gefallen. Es sei ein Tag mit großer Spannung, Freude und auch Wehmut gewesen. „Wir wussten ja schon, wer den Goldenen Spatz bekommt. Die Entscheidung war oft nicht leicht und ganz knapp. Ich hätte in der ein oder anderen Kategorie eher einen anderen Film als Gewinner gesehen, aber die Mehrheit entscheidet“, erzählte sie.

Tolles Gefühl auf der Bühne

Ein großartiges Gefühl sei es für sie gewesen, mit einem Mikrophon auf so einer großen Bühne zu stehen und die Sieger verkünden zu dürfen. „Das war absolut irre. Spannend war es, hautnah die Produzenten und Regisseure zu beglückwünschen“, erzählte Viktoria ihren Großeltern.

Mit der Verleihung des „Goldenen Spatzen“ an den Film „Die Pfefferkörner und der Schatz der Tiefsee“ ging das Festival in Erfurt zu Ende. Unter Corona-Bedingungen saßen die Kinderjury und deren Eltern sowie die Stars, Produzenten und Regisseure in einem Kinosaal. Erstmals in der 41-jährigen Geschichte des Festivals verfolgten die Besucher die Preisverleihung im Saal nebenan. „Wir – mein Mann Christian, mein fünfjähriger Sohn Konstantin und ich – konnten also die Preisverleihung auch aus der ersten Reihe miterleben“, erzählte Jasmin Westphal, Viktorias Mutter.

Wehmut sei bei den Kindern nach der Verleihung auf der Aftershow-Party aufgekommen. „Wir alle wussten, dass morgen schon alles wieder vorbei ist. Aber wir alle haben unsere Handynummern ausgetauscht, um weiter in Kontakt zu bleiben“, erklärte das Mädchen. Sogar eine KinderJury2020-WhatsApp-Gruppe gibt es, in der noch ganz viel gemeinsam über die Erlebnisse gesprochen wird. Viktoria zog noch voller Emotionen Bilanz: „Wer sich bei der Kinder-Jury zum ,Goldenen Spatz‘ bewirbt und eine Zusage bekommt, wird die schönste Woche seines Lebens haben.“