Haldensleben l Seine Leidenschaft für die Musik wurde Jihoon Song in die Wiege gelegt. Schon seine Mutter sang im Kirchenchor und steckte ihren Sohn mit der Begeisterung an. Als Achtjähriger lernte er Klavierspielen und brachte sich mit elf Jahren selber das Schlagzeugspielen bei. Doch als der Südkoreaner mit 16 Jahren durch die Gesangslehrerin seiner Mutter das erste Mal in Berührung mit einer elektronischen Orgel kam, war es um ihn geschehen. Fortan nutze er jede freie Minute, um das neue Instrument zu erlernen.

Als sich Jihoon Song einige Jahre später für ein Studium entscheiden musste, überlegte er nicht lange. Natürlich fiel seine Wahl auf die Kirchenmusik. Allerdings wurde ihm schnell bewusst, dass Südkorea nicht das beste Land war, um seine Leidenschaft auszuleben. „Es gibt zwar viele Kirchen in meinem Heimatland, allerdings sind diese eher mit großen Konferenzsälen vergleichbar. Die Akustik dort ist nicht wirklich schön und außerdem gibt es nur elektronische Orgeln“, erzählt der Kantor.

Kirchenmusik als deutsche Besonderheit

Aus diesem Grund entschied er, sein Studium im Ausland fortzusetzen. Da Amerika zu teuer war und es in Frankreich nur wenige evangelische Kirchen gibt, wurde Deutschland seine neue Wahlheimat. Gemeinsam mit seiner Frau zog Jihoon Song 2011 nach Leipzig (Sachsen) und setzte dort erfolgreich sein Studium fort.

Obwohl die deutsche Kultur sich sehr von der südkoreanischen unterscheidet, fiel ihm die Eingewöhnung nicht allzu schwer. „Ich brauche immer frischen Wind. Nicht nur in der Musik, sondern auch allgemein im Leben“, so Jihoon Song. Die letzten Jahre haben ihm noch einmal verdeutlicht, dass er mit seiner Vermutung richtig lag: Wer die Kirchenmusik liebt, ist in Deutschland goldrichtig.

Heute ist er sehr glücklich darüber, seine Heimat verlassenzu haben. Und auch die deutsche Sprache zu lernen, war für den Kantor kein Problem, da ihm aus dem Englischen bereits das lateinische Alphabet vertraut war. „Nur die Umlaute haben mir zunächst Schwierigkeiten bereitet“, verrät Jihoon Song.

Einige Jahre arbeitete der Südkoreaner als Kantor in Leipzig, bevor er im Sommer 2018 mit seiner Frau und seinen zwei Kindern nach Magdeburg kam. Dort leitet er bis heute neben dem klassischen Kirchenchor auch den Gospel- und den Kinder-Chor. Dieses Jahr hat er zusätzlich das Amt des stellvertretenden Kantors in Haldensleben übernommen und ist sehr zufrieden mit seiner Arbeit in der Börde.

Letztes großes Projekt für Haldensleben

Im Chor der St.-Marien-Kirche wurde er schnell akzeptiert. „Einige waren zunächst skeptisch, mittlerweile haben wir uns aber alle aneinander gewöhnt. Und es verstehen mich auch alle, nicht nur mein Deutsch, sondern auch meine Idee von der Musik“, sagt Jihoon Song lachend. Vor allem mit dem „Chor der Hundert Stimmen“, den er für den diesjährigen Sternenmarkt organisierte, konnte er die Haldensleber überzeugen.

Trotz der großen Freude an seiner Arbeit verlangt die zusätzliche Verantwortung viel von dem Kantor ab. „Die gemeinsame Zeit mit meiner Familie leidet etwas darunter. Wenn ich abends von den Proben, Sitzungen und Gottesdiensten nach Hause komme, schlafen meine Kinder schon“, erzählt Jihoon Song. Wie lange er noch in Haldensleben arbeitet, ist ungewiss. Denn bevor er sein Amt wieder abgeben kann, muss zunächst ein neuer Kantor für die Stadt her. Vermutlich wird es im Januar oder Februar nächsten Jahres soweit sein.

Ein letztes großes Projekt hat der „ausgeliehene“ Kantor bis zu seinem Abschied jedoch noch geplant: Am 31. Januar wird es in der St.-Marien-Kirche ein Duo-Konzert aus Orgel und Posaune geben. „Ich werde dabei natürlich die Orgel spielen“, sagt Jihoon Song und fügt an: „Wahrscheinlich wird das Konzert für mich auch eine Art Abschied von Haldensleben sein.“