Haldensleben l Einen ersten Eindruck vom Klimaschutzkonzept der Stadt Haldensleben haben interessierte Bürger vor Kurzem in der Kulturfabrik Haldensleben gewinnen können. Das Unternehmen EnergyEffizienz war im April 2018 mit der Aufgabe betraut worden, ein Konzept für die Stadt zu entwickeln, welches das „Integrierte Stadtentwicklungskonzept“ der Stadt ergänzen wird.

Erste Analyseergebnisse wurden nun präsentiert und im Anschluss konnten Bürger mit Vertretern der Stadtverwaltung und der Stadtwerke Haldensleben, sowie des Landkreises Börde an Thementischen zu den Schwerpunkten Gebäudesanierung, erneuerbaren Energien und Mobilität diskutieren.

Emissionen sollen reduziert werden

Ziel des Klimaschutzkonzeptes solle es sein, Handlungsempfehlungen zur Senkung klimaschädlicher Emissionen vor Ort zu entwickeln, erklärte Philipp Schönberger, Geschäftsführer von EnergyEffizienz. Seine Mitarbeiterin Selma Janssen präsentierte den Energieverbrauch und die daraus resultierenden CO2-Emissionen der Stadt.

Der Stromverbrauch lag demzufolge in den vergangenen vier Jahren sehr konstant bei durchschnittlich 180.000 Megawattstunden (MWh), was Emissionen von 90.000 Tonnen CO2 bedeutete. Der Großteil der Wärme in Haldensleben wird durch Gas erzeugt.

Schulen und Kitas verbrauchen viel Strom

Die drei größten Stromverbraucher unter den öffentlichen Gebäuden sind Schulen und Kitas, das Stadtmarketing und die Verwaltung. Auch im Hinblick auf den Wärmeverbrauch liegen die Schulen und Kitas weit vorne, zusammen mit den Jugend- und Kultureinrichtungen.

Der Analyse zufolge werden in Haldensleben rund 675 MWh durch erneuerbare Energien erzeugt. Dies entspricht einem Anteil von 0,3 Prozent am Gesamtwärmeverbrauch. „Bei den regenerativen Energien ist durchaus Potential vorhanden. 0,3 Prozent ist ein vergleichsweise geringer Wert“, schlussfolgerte Philipp Schönberger.

Die anschließende Diskussionsrunde wurde ausgiebig genutzt, um Probleme anzusprechen und erste Lösungsvorschläge einzubringen. So kam man überein, dass sowohl bei den öffentlichen als auch bei den privaten Gebäuden ein guter Sanierungsstandard gegeben sei, mit wenigen, zumeist denkmalgeschützten, Ausnahmen.

Nutzerverhalten bei Sanierung entscheidend

Im Hinblick auf eine energetische Sanierung sei das Nutzerverhalten entscheidend. Es müsse mehr Beratung erfolgen, um eine Schimmelbildung in den Gebäuden vermeiden zu können. Außerdem sollte die Bevölkerung dafür sensibilisiert werden, dass mit kleinen Maßnahmen, beispielsweise mit programmierbaren Heizkörperthermostaten, Energie eingespart werden könne.

Zum Thema der erneuerbaren Energien wurde von guten Erfahrungen mit Photovoltaikanlagen berichtet. Es wurde unter anderem vorgeschlagen, die Waldbestände verstärkt für Biogasanlagen zu nutzen. Auch die Einrichtung eines Solarkatasters wurde angesprochen, mit welchem sich die Bürger informieren können, wie gut ihr Dach für Photovoltaikanlagen geeignet ist.

Mobilität wird kontrovers diskutiert

Im Bereich Mobilität wurde kontrovers diskutiert, ob und inwiefern Elektroautos und das Installieren von Ladestationen sinnvoll seien. Bemängelt wurde die Aufladedauer und die Reichweite der Akkuladung. Die Fahrradwege sahen einige Teilnehmer der Runde als ausbaufähig an, da es in der Stadt einige Gefahrenbereiche gäbe, beispielsweise den Bahnübergang zwischen Klinggraben und Hagenstraße. Außerdem wurde die Idee eingebracht, den öffentlichen Nahverkehr kostenfrei zur Verfügung zu stellen - gegen einen verpflichtenden Kostenbeitrag eines jeden Bürgers, ähnlich dem Prinzip der GEZ.

Die Ergebnisse der Diskussionsrunde wird das Unternehmen EnergyEffizienz nutzen, um in den nächsten Monaten einen Maßnahmenkatalog für die Stadt erarbeiten. Dieser soll bis November vorliegen. Voraussichtlich Ende Oktober wird es eine Abschlusspräsentation geben. Auch bei dieser werden die Bürger wieder herzlich dazu eingeladen sein, sich rege zu beteiligen.