Haldensleben l Es ist ein Henne-Ei-Problem. Beides bedingt sich, aber was muss zuerst da sein? Das Elektroauto oder die Ladesäule?

In Haldensleben ist es offenbar die Ladesäule. Neun öffentliche Stationen gibt es in der Stadt, jede hat zwei Ladepunkte. Es könnten also 18 Elektroautos gleichzeitig Strom tanken. Wenn sie denn da wären. Denn nach Angaben des Landkreises waren im vergangenen Monat lediglich neun Elektrofahrzeuge in Haldensleben zugelassen. Rechnerisch steht also jedem E-Auto in der Stadt eine öffentliche Ladesäule zur Verfügung. Politisch angestrebt sind in Deutschland und Europa ungefähr zehn mal mehr Elektroautos als Ladestationen.

Ein Ladepunkt für Tausend Einwohner

Damit sind zumindest die Vorraussetzung für mehr Elektromobilität in Haldensleben deutlich besser als anderswo. Rechnerisch gibt es in der Stadt einen Ladepunkt für rund Tausend Einwohner. Mit diesem Wert ist Haldensleben nach Angaben des Landesverkehrsministeriums „mit Abstand Spitzenreiter“ in Sachsen-Anhalt. Magdeburg kommt nach den Berechnungen des Ministeriums auf 4600 Einwohner pro Ladepunkt, Halle auf knapp 4000. Auch im Vergleich der Landkreise ist der Bördekreis laut Ministerium mit insgesamt 51 Ladepunkten Spitzenreiter.

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Und doch wird auch in der Börde noch viel zu tun sein, will man die kürzlich angekündigten Ziele der Bundesregierung erreichen. Demnach sollen bis zum Jahr 2030 in Deutschland zwischen sieben und zehn Millionen E-Autos fahren. Ziel der Regierung ist es, bis dahin eine Millionen öffentliche Ladepunkte im Land zu haben. Derzeit gibt es nur etwas mehr als 20.000 Ladepunkte für etwas mehr als 200 000 Elektroautos in Deutschland. Im Bördekreis waren im vergangenen Monat 154 E-Fahrzeuge zugelassen

20 Ladevorgänge in drei Monaten

In Haldensleben werden die öffentlichen Ladestationen bislang von den Stadtwerken errichtet. Zuletzt ist eine Schnelladestation dazu gekommen. Sie steht seit Anfang dieses Monats am Gärhof auf einem Parkplatz. Nach Angaben der Stadtwerke hat sie rund 36.000 Euro gekostet, 40 Prozent davon hat das Land übernommen. Reiko Freier, Bereichsleiter des Netzbetriebs bei den Stadtwerken, berichtet, dort könnten Batterien von E-Autos in einer halben Stunde bis zu 80 Prozent geladen werden. Wer dort seine E-Auto-Batterie mit einer Kapazität von 80 Kilowattstunden aufladen will, zahlt etwa 30 Euro.

Wie viele das tun werden, bleibt abzuwarten. Stadtwerke-Chef Detlef Koch spricht von einer bislang „überschaubaren“ Nutzung der Ladesäulen in der Stadt. Zuletzt habe es in drei Monaten 20 Ladevorgänge gegeben. Koch geht allerdings davon aus, dass die große Mehrheit der E-Auto-Fahrer ihr Fahrzeug ohnehin zu Hause an eine Ladestation anschließen. Neue öffentliche Ladestation planen die Stadtwerke derzeit nicht.

Keine Pläne für Elektro-Busse

Im Haldensleber Klimaschutzkonzept wird dem Ausbau der E-Mobilität großes Potenzial bei der Reduzierung von klimaschädlichen CO2-Emissionen zugesprochen. Vorgeschlagen wird in dem Papier für die Kommune, auch Busse mit Elektroantrieb oder Wasserstoff-Antrieb anzuschaffen.

Dorita Erdmann, die Geschäftsführerin von Bördebus, ist skeptisch. Sie verweist auf die hohen Kosten für die Anschaffung der Busse. Ein E-Bus sei etwa doppelt so teuer wie ein Bus mit Dieselmotor, sagt Erdmann. Zudem würden die Busse im Bördekreis zwischen 300 und 500 Kilometer am Tag zurücklegen. Das sei mit E-Fahrzeugen nicht möglich, ohne zwischendurch an eine Ladestation zu fahren. Aus diesen Gründen sei vorerst nicht geplant, Busse mit alternativen Antrieben für die Börde zu beschaffen, sagt Erdmann.

Auch ein Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs wird im Klimaschutzkonzept vorgeschlagen. Gleichzeitig sei die Auslastung und die Attraktivität zu steigern, heißt es dort.

Zuletzt war der Busverkehr in Haldensleben im Jahr 2017 ausgeweitet worden. Damals stieg die Verkehrsleistung deutlich an. Nach Angaben von Bördebus wuchs die Zahl der gefahrenen Kilometer im Stadtverkehr mit dem Ausbau um 70 Prozent.

Ob damit auch die Gesamtzahl der Fahrgäste zugenommen hat, kann Erdmann nicht abschließend beantworten. Zählungen und Befragungen hätten ergeben, dass der Linienabschnitt zwischen ZOB und Krankenhaus „gut“ ausgelastet sei. Auch die neu dazugekommenen Haltestellen „Rollibad“ und „Kita Max & Moritz“ würden „gut genutzt“, berichtet Erdmann. Eine „geringe Nachfrage“ sei hingegen im Abschnitt nach Althaldensleben festgestellt worden. Ein weiterer Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs sei erst einmal nicht geplant, sagt Erdmann.