Althaldensleben l Für die Ollner ist der Sportplatz in ihrem Ortsteil ein Treffpunkt, eine Fläche für Bewegung, ein Ort des Austausches – eben sehr viel mehr als nur eine grüne Anlage. Sie wollen verhindern, dass die Fläche ungenutzt brach liegt. Dementsprechend wurde die Debatte um neue Nutzungskonzepte, die im Kulturausschuss vorgestellt wurden, auch recht emotional geführt.

Hintergrund: Im vergangenen Jahr meldete der Integrative Sportverein Haldensleben 05 (ISV), der bis dato Pächter des Sportplatzes war, Insolvenz an. Die Stadt ist Eigentümerin des Sportplatzes und muss seither wieder allein für Wartung und Pflege des Areals aufkommen. In mehreren Ausschüssen hatten daraufhin die Stadträte diskutiert, wie es mit dem Sportplatz an der Lindenallee weitergehen sollte.

Neue Konzepte gesucht

Seit Ende des vergangenen Jahres wurde nach neuen Nutzungskonzepten gesucht. Dazu wurden Vereine, Althaldensleber als auch Interessierte aufgefordert, Ideen für eine künftige Nutzung des Sportplatzes einzubringen.

„Das Gebäude ist sanierungsbedürftig, der Platz in einem schlimmen Zustand. In jedes Konzept muss viel Liebe gesteckt werden“, beschrieb Ulf Dreyer, Abteilungsleiter Jugend und Sport in der Stadtverwaltung, den derzeitigen Zustand des Areals. „Wir wollen, dass der Platz weiter nutzbar für die Ollner bleibt“, stellte Sabine Wendler, stellvertretende Bürgermeisterin, fest. „Aber die Stadt kann den Sportplatz nicht alleine finanzieren.“ Der Verkauf des Areals werde als „letzte Option“ in den Fokus genommen. Im Kulturausschuss wurden die drei eingereichten Konzepte in der vergangenen Woche vorgestellt.

Caravaningstellplatz mit Freizeitangeboten

Das erste Konzept umfasst einen Caravaningplatz, also einen Stellplatz für Wohnwagen. Insgesamt 50 Stellplätze stellt sich der Ideengeber Uwe Reinhold vor. Er würde die vorhandene Gastronomie wieder nutzen und könnte sich auch einen Biergarten vorstellen. „Das Gastronomiesterben in Haldensleben ist ersichtlich. Hier wäre eine Möglichkeit, sie wieder zu beleben“, sagte er bei der Vorstellung. Er hat auch weitere Ideen, um die Einwohner fernab des Campens einzubinden. Das könnten Angebote für Segways – ein Art elektrisch angetriebener Rolle – sowie Mietfahrräder oder auch Boccia – italienische Variante des Boule-Spiels – für ältere Personen sein. „Ich möchte den Platz für die Einheimischen und Gäste attraktiv gestalten“, sagt Uwe Reinhold. Auch kleine Wohnhütten oder Holzfässer für Übernachtungen könnte er sich an der Lindenallee vorstellen. Dafür würde der Ideengeber das Areal von der Stadt kaufen.

„Es ist eine interessante Idee, die auch schon mal im Gespräch war“, entgegnete Bodo Zeymer (Die Grünen) nach der Vorstellung des Konzeptes. Fragen nach der Finanzierung wurden gestellt, die jedoch noch nicht genau beantwortet werden konnten, da es sich bei den eingereichten Varianten lediglich um Ideen, nicht um ausgefeilte Konzepte handelte.

Auch die zweite Idee beinhaltet die Nutzung des Sportplatzes als Caravanstellplatzes – jedoch nur, wenn ausdrücklich keine sportliche Nutzung seitens der Ollner mehr gewünscht werde. In der Facebook-Gruppe „Informationsaustausch in und um Haldensleben“ wurde eine Umfrage gestartet. Dort sprachen sich 91 Prozent gegen den Caravanstellplatz aus. Insgesamt haben 212 Personen ihre Stimme abgegeben.

Das dritte Konzept sieht eine sportliche Nutzung wie bisher vor – nur breiter gefächert. Reinhard Schreiber, Althaldensleber, Stadtratsmitglied und Citymanager der Stadt, stellte diese Idee vor – es sei ein „Konsens von Gesprächen mit anderen Personen und Beteiligten“, wie er sagte. „Wir würden das Objekt weiter nutzen wie bisher, aber einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung stellen“, beschrieb er. So könne der Platz frei von allen Interessenten genutzt werden, die sich auf der freien Fläche betätigen wollen.

Neuen Verein gründen

Dafür schwebt ihm die Gründung eines neuen Vereins vor, unter dem sich andere Vereine und Interessierte organisieren. Die Kindergärten und Schulen könnten zusätzlich mit einbezogen werden. Doch für die Umsetzung der Idee bräuchte man die Unterstützung der Stadt.

„Ich habe die Befürchtung, dass dieses Konzept auf das Gleiche herausläuft wie beim ISV. Es gibt viele Parallelen“, gab Birgit Kolbe (Bürgerbewegung HDL) zu bedenken. Sie wünschte sich konkrete Zahlen von Personen und Vereinen, die sich in dem Großverein organisieren würden. Es wäre schön, wenn der Platz für die Ollner erhalten bleiben könne, aber die Fraktion habe Bedenken. Boris Kondratjuk (Bürger für Bürger) hingegen sah die Parallelen als Vorteil: „Die Vergangenheit ist schlecht geendet, aber das muss jetzt nicht so sein. Von der Idee her überzeugt mich dieses Konzept.“

Die Ausschussmitglieder waren sich einig, dass die Idee eine Konkretisierung bedarf. So ist bisher nicht klar, wer sich im Verein organisieren würde und Ansprechpartner für die Stadt wäre.

„Es gibt viele Impulse und Möglichkeiten, die wir sammeln und ein Konzept daraus basteln, damit der Platz den Ollnern weiter zu Verfügung steht“, sagte Sabine Wendler abschließend. Die Stadt wolle nun die Einrichtungen des Stadtteils nach weiteren Nutzungsideen anschreiben.

Noch keine Entscheidung

Die Konzepte wurden nun gehört. Eine Entscheidung wird laut Stadtpressesprecher Lutz Zimmermann noch nicht getroffen, solange diese Ideen noch nicht ausgefeilt sind. Ist das der Fall, werden diese Vorschläge erneut in die Ausschüsse gegeben, der Stadtrat hat das letzte Wort. Die Ideenschmiede für den Ollner Sportplatz könnte also noch einige Zeit in Anspruch nehmen.