Weferlingen l Das besondere Erlebnis eines Theaterbesuchs soll künftig für die Schüler des Weferlinger Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums zu einer ganz neuen kulturellen Erfahrung werden, jedenfalls genau dann, wenn die Mädchen und Jungen noch nie ein Theater von innen gesehen haben. Und davon gibt es im Weferlinger Gymnasium noch eine ganze Reihe. Doch das wird sich ändern. Denn das Freiherr-vom-Stein-Gymnasium hat eine Kooperationsvereinbarung mit dem Theater Wolfsburg unterzeichnet.

„Wir leben in einem sehr ländlichen Raum. Viele Angebote konnten wir uns bereits ins Haus holen, aber ein Theaterbesuch direkt vor Ort in einem richtigen Theater ist doch etwas ganz anderes“, sagt Schulleiterin Kornelie Wahner-Willems. Das Erlebnis Theater mit allem, was dazu gehört, möchte die Bildungseinrichtung ihren Schülern künftig mindestens einmal im Jahr ermöglichen. „Wir wollen versuchen, dass jede Jahrgangsstufe das Theater besuchen kann“, so die Schulleiterin.

Das ist nicht ganz einfach, allein der öffentliche Nahverkehr stellt da schon eine Hürde dar. Trotzdem scheuen sich die Pädagogen nicht, ihren Schülern dieses Angebot zu unterbreiten.

Astrid Lauenroth und Kerstin Sommer, Lehrer der Fachschaft Deutsch, hatten die Anregungen gegeben, diese Kooperation einzugehen, um das Theater erlebbarer, begreifbarer zu machen. Literatur auf der Bühne ist ein ganz anderes Erlebnis als ein Buch in der Hand oder ein Film aus dem Fernsehen.

7. und 12. Klassen machen den Auftakt in Wolf

Viele wüssten auch gar nicht, wie man sich in einem Theater bewegt, wie man sich kleide, was man tun und nicht tun darf, weiß Kornelie Wahner-Willems aus ihrer Erfahrung. So sei mal gefragt worden, ob man im Theater essen und trinken dürfe.

In solchen Fällen soll die Kooperationsvereinbarung Abhilfe schaffen. „Uns ist die Nähe zum Publikum sehr wichtig“, sagt Bernd Upadek von der Leitung des Jungen Theaters in Wolfsburg. Man wolle zeigen, dass es etwas ganz anderes ist, Menschen live auf der Bühne spielen zu sehen als ins Kino zu gehen und sich einen Film anzusehen. Er habe die Erfahrung gemacht, dass gerade auch junge Leute das Besonders sehr schnell erkennen, sich extra für den Theaterbesuch schick machen. Und was man in einem Theater darf und was nicht, das bekämen die Besucher sehr schnell mit.

„Wir wünschen uns, dass jeder Schüler einmal im Jahr eine Vorstellung besucht“, so Bernd Upadek, der mit seiner Theaterpädagogin Franziska Denecke extra aus Wolfsburg nach Weferlingen gekommen war, um die Vereinbarung zu unterzeichnen.

Sie versteht sich nicht als starres Dogma, kann eine Seite mal einen Vertragspunkt nicht einhalten, könne man über alles reden, meint Bernd Upadek. Für das Wolfsburger Theater ist es die erste bundesländer- übergreifende Vereinbarung mit einer Schule. So hoffen beide Seiten, voneinander profitieren zu können.

Mit den 7. Klassen des Weferlinger Gymnasiums wird es losgehen. Sie kommen als erste Schüler in den Genuss eines Theaterbesuches im Rahmen der Vereinbarung. Und für die 12. Klassen ist mit einer Brecht-Inszenierung auch schon ein weiterer Besuch geplant.

Es sei eben doch etwas ganz anderes, sich ein literarisches Werk auf der Bühne zu erschließen als ein Buch zu lesen, wissen Astrid Lauenroth und Kerstin Sommer aus ihrem Unterricht. Sie gaben die Anregung für eine Zusammenarbeit mit dem Wolfsburger Theater, das von der Entfernung viel günstiger zu erreichen sei als beispielsweise die Landeshauptstadt Magdeburg.