Haldensleben l Probleme und Sorgen, die Schüler im Landkreis Börde haben, haben die Schülervertreter des Kreises bei einem Treffen im Haldensleber Professor-Friedrich-Förster-Gymnasium angesprochen. Dazu hatte der Kreisschülerrat auch Vertreter der Wirtschaft, des Landesschulamtes, der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung und des Ministeriums für Bildung eingeladen.

Moritz Pogadl, Schüler am Gymnasium in Weferlingen stellte das Problem des Praktikums an Gymnasien vor. „Dadurch, dass wir nur ein Praktikum in unserer Schullaufbahn haben, fehlen uns wichtige Erfahrungen und Einblicke ins Berufsleben, die später in unserem Leben zu Misserfolgen führen könnten“, sagte er und bekam viel Zustimmung von den anderen Schülervertretern. „In allen Schulformen sollten die Schüler die Möglichkeit haben, mehrere Praktika durchzuführen, um Erfahrungen und bessere Kenntnisse über das Berufsleben zu erhalten“, äußerte daraufhin Lars Wärmer, Leiter der Arbeitsgruppe „Schule und Wirtschaft“ der Nordzucker AG Klein Wanzleben. Heinz-Josef Sprengkamp vom Ministerium für Bildung unterstützte diese Aussage.

Zu wenige oder defekte Laptops

Wie der Kreisschülerratsvorsitzende Felix Schopf berichtete, habe Sachsen-Anhalts Staatssekretärin für Bildung, Eva Feußner, beim jüngsten Landesschülertreffen zugestimmt, dass es eine bessere Berufsvorbereitung an Gymnasien wie an allen anderen Schulformen geben müsse. Regine Albrecht, stellvertretende Leiterin der Gemeinschafts- und Ganztagsschule Wanzleben, sieht beim Thema Praktikum die Politik in der Pflicht. Politik und Schulleitungen sei das Problem nämlich schon länger bekannt, erklärte sie. Daniela Küllertz von der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung sagte dazu: „Berufsbildung und -vorbereitung muss im Allgemeinen durch Talente-Camps und Arbeitsgemeinschaften unterstützt und gefördert werden.“

Die Praktikumsfrage war allerdings nicht die einzige, die die Schülervertreter des Kreises bei ihrem Treffen in Haldensleben beschäftigte. Auch die Ausstattung an den Schulen wurde angesprochen. So wurden zum Beispiel die unzureichenden und defekten Computer und Laptops, fehlende interaktive Tafeln und andere veraltete Unterrichtsmaterialien bemängelt. An vielen Einrichtungen, so bestätigten die Schüler, gebe es keine oder nur mangelhafte Computertechnik. Heinz-Josef Sprengkamp machte in dem Zusammenhang darauf aufmerksam, dass es wichtig sei, dass die Schulen einen guten Anschluss an das Breitbandnetz erhalten würden. Daniela Küllertz äußerte den Wunsch, dass Schüler im Umgang mit verschiedenen Betriebssystemen und unterschiedlichen Programmen unterrichtet werden.

Schon jetzt seien viele Lehrer bei Problemen mit moderner Technik überfordert, wusste Kathrin Kersting vom Fachdienst Bildung des Landkreises Börde zu berichten. Sie schlug vor, dass auch andere Schulen dem guten Beispiel der evangelischen Sekundarschule in Haldensleben folgen und eine Medien-Arbeitsgemeinschaft gründen könnten. Kreisschülerratsmitglied Christian Drüsedau, der an dieser Schule lernt, erläuterte, wie an seiner Einrichtung mit technischen Problemen umgegangen wird.

Vorschlag: Tablets im Unterricht

Wenn bei Lehrern Probleme rund um Computer und Technik auftreten würden, würden auch Schüler dort versuchen, Hilfestellungen zu geben, berichtete der Schüler. So sollen nicht nur Schüler von Lehrern lernen, sondern auch umgekehrt eine Problemlösung angestrebt werden.

Sören Messerschmidt, Vertreter des Landesschulamtes Sachsen-Anhalt, betonte die Bedeutung von Lehrerfortbildungen an Schulen in diesem Zusammenhang. Auch der Unterricht sollte seiner Meinung nach anders gestaltet werden. Die Schulen sollten mehr untereinander kommunizieren und so Erfahrungen zu verschiedenen Pilotprojekten für einen besseren Start in die voranschreitende Digitalisierung austauschen.

Ansgar Schmacht, Schüler am Internationalen Gymnasium Pierre Trudeau in Barleben, schlug die Nutzung von Tablets im Unterricht vor, die auch Zugang zum Internet haben sollten. Seiner Aussage nach werde das in Nordrhein-Westfalen bereits erfolgreich praktiziert. Diese Tablets, so äußerte sich Sören Messerschmidt, müssten dann aber von den Schülern auch privat genutzt werden dürfen. Ihm zufolge sollte an allen Schulen ein öffentlicher Hotspot für die Schüler eingerichtet werden, damit auch im Unterricht schnell nach Informationen gesucht werden könne.

Am Ende seiner Diskussionsveranstaltung beschloss der Kreisschülerrat Börde, eine Resolution zu verfassen und diese dem Ministerium für Bildung, dem Landesschülerrat und den Politikern des Landkreises zu übergeben. Das soll zeitnah geschehen.