Haldensleben l Gelegte Brände, ausufernde Partys, blinde Gewalt – wenn Jugendliche Straftaten begehen, schlägt das in den sozialen Netzwerken meist hohe Wellen. Dabei ist die Zahl der Heranwachsenden, die mit dem Gesetz in Konflikt geraten, eher auf dem Sinkflug. Das zeigen die Zahlen der Jugendkriminalstatistik, die das Polizeirevier Börde erstellt hat.

Die Statistik offenbart, dass jugendliche Tatverdächtige knapp ein Viertel der gesamten Straftaten im Landkreis Börde begehen. Von 3720 Tatverdächtigen, die im Jahr 2019 mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind, waren 727 Heranwachsende. Als „jugendlich“ gelten bei der Polizei Täter, die unter 21 Jahre alt sind. Mit Blick auf die verschiedenen Straftaten fallen Jugendliche weniger durch gewalttätige Delikte als vielmehr durch Drogendelikte auf.

Das sieht man beispielsweise an den sogenannten Rohheitsdelikten. Als Rohheitsdelikte gelten nach Definition der Polizei jene Taten, die sich gegen die Freiheit und körperliche Unversehrtheit eines Menschen richten. Hier konnten im Jahr 2019 insgesamt 196 jugendliche Täter ermittelt werden. Das sind etwa 18 Prozent der gesamten ermittelten Tatverdächtigen. Im Jahr 2018 war die Zahl mit 17 Prozent nahezu gleich. Im Jahr 2017 jedoch machten die Heranwachsenden 20 Prozent der Tatverdächtigen aus.

Ein anderes Bild ergibt sich in der sogenannten Straßenkriminalität. Darunter zählen unter anderem Diebstahl, Raubüberfälle sowie Vergewaltigung. In diesem Bereich lag der Anteil der jugendlichen Tatverdächtigen im Jahr 2019 bei knapp 29 Prozent. Jeder vierte Tatverdächtige war damit unter 21 Jahre alt. Auch hier zeigt sich, dass Straftaten von Jugendlichen in diesem Bereich gesunken sind. Im Jahr 2018 lag die Quote noch bei knapp 32 Prozent, im Jahr 2017 sogar bei knapp 35 Prozent.

Betäubungsmittel als junges Phänomen

Doch das größte Problem hat die Jugend von heute mit Drogen. In diesem Bereich lag der Anteil der Jugendlichen im Jahr 2019 bei 44 Prozent. Im Vorjahr waren es sogar 49 Prozent. Demnach wurde jede zweite Straftat in diesem Bereich von Heranwachsenden begangen. „Der Konsum von Betäubungsmitteln kommt häufig bei Jugendlichen vor“, sagt Matthias Lütkemüller, Pressesprecher des Polizeireviers Börde. Es handelt sich um ein „typisch jugendliches“ Delikt. Dabei verweist Lütkemüller darauf, dass dies sich erst in den vergangenen 30 Jahren auch im Landkreis so entwickelt habe. Davor waren Betäubungsmittel hauptsächlich in Großstädten ein Problem.

Damit Jugendliche und junge Erwachsene nicht auf die schiefe Bahn geraten, gibt es in der Börde Mitarbeiter der „Jugendberatung bei der Polizei“. Diese werden tätig bei Strafverfahren mit Kindern und Tatverdächtigen unter 21 Jahren. „Hier bieten die Mitarbeiter eine schnell Reaktion und zeitnahe Hilfeleistungen, die eine Verfestigung von Kriminalität verhindern sollen“, erklärt Matthias Lütkemüller. Denn oftmals liegen zwischen den Straftaten und dem Handeln der Justiz eine lange Zeit, bei der den Kindern und Jugendlichen der Zusammenhang von Straftat und Strafe oft nicht mehr deutlich wird – die kriminelle Karriere beginnt.

Nach der Anhörung bei der Polizei werden die Jugendlichen an die Sozialarbeiter der Polizei-Jugendberatung weitervermittelt. Dort werden den jugendlichen Täten Hilfsangebote unterbreitet. Diese können die Jugendlichen annehmen, verpflichtend sind sie allerdings nicht. Auch das soziale Umfeld wird von den Mitarbeitern einbezogen, damit die Heranwachsenden wieder auf einen geraden Weg kommen.

„Wenn man die jugendlichen Straftaten auf die Bevölkerung und die Fläche des gesamten Landkreises betrachtet, relativieren sich die Zahlen“, resümiert der Polizei-Pressesprecher. In der Landeshauptstadt Magdeburg beispielsweise seien die Zahlen deutlich höher.