Bebertal l Jetzt machen sich die Orgelbauer daran, ihr neues Leben einzuhauchen. Schon im Herbst soll sie wieder erklingen Trotz eisiger Temperaturen bis zu minus fünf Grad Celsius herrscht gerade emsiges Treiben in der Bebertaler Dorfkirche St. Godeberti. Nur wenige Wochen nachdem der Bauabschnitt der Innensanierung abgeschlossen ist, sind der Halberstädter Orgelbauer Johannes Hüfken und sein Team in die Kirche „eingezogen“. Fördermittel machen es möglich, dass nun die 1883 von Carl Böttcher aus Magdeburg erbaute Orgel wiedererweckt werden soll.

„Ich habe sie nicht mehr im Gottesdienst spielend erlebt“, erinnert sich die Pfarrerin im Ruhestand, Helgard Steinacker, die sich immer noch im Förderverein der Dorfkirche engagiert. Lediglich ein paar Töne sind der Königin der Instrumente Anfang der 1990er-Jahre noch entlockt worden. Und auch Johannes Hüfken schüttelt energisch den Kopf, als er nach der Bespielbarkeit des Instrumentes befragt wird. „Nicht einmal mehr ein paar Töne“, erklärt er.

Fast alle Teile der Orgel sind im Original er

Dennoch schätzt er die alte Orgel als „gut erhalten“ ein, weil fast alle Teile – bis auf wenige Ausnahmen – noch im Original vorhanden sind. Eine dieser Ausnahmen ist beispielsweise die sogenannte „Posaune“, der die Becher fehlen.

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Allerdings sind die Originalteile schwer beschädigt, so dass die Restaurierung der Orgel für Johannes Hüfken und sein Team doch eine Herausforderung darstellt. „Bei den Pfeifen müssen die Füße ausgetauscht werden, es ist ein großer Holzwurmbefall festzustellen, die Traktur ist schwer beschädigt, so dass Drähte ausgewechselt werden, und auch die verlorengegangenen Türen am Schwellwerk sollen ersetzt werden“, zählt der Orgelbaumeister aus der Liste der anstehenden Arbeiten auf. Ein Großteil der Arbeiten wird nicht vor Ort in Bebertal erfolgen, sondern in der Werkstatt in Halberstadt. Es ist zu merken, dass Johannes Hüfken sich auf das Großprojekt freut. Ebenso wie sein Projektleiter Martin Lodahl, dem die gleiche Leidenschaft für das Orgelbauer-Handwerk anzumerken ist.

Beide koordinieren den Ausbau der einzelnen Pfeifen und weiterer Orgelteile. Bis zum Ende der Woche wollen sie mit diesem Arbeitsschritt durch sein. „Nur das Gehäuse bleibt stehen“, sagt Martin Lodahl, wohlwissend aber, dass letztlich auch der Prospekt neu gestaltet wird. Ebenso werden in einem der letzten Arbeitsschritte die Bälge unter dem Dach neu beledert.

In ihrem Handwerk haben die beiden Orgelbauer in den vergangenen Jahren reichlich Erfahrungen sammeln können, so dass sie beim Ausbau der Teile kaum große Überraschungen erlebten. Der Dreck von 60 bis 70 Jahren, Holzwurmfraß oder auch massive substanzielle Probleme an den geschätzt 1500 Pfeifen machten sie nicht unruhig. „Es sind tausende kleine Handgriffe, viel Arbeit, aber das zu Recht“, unterstreicht Martin Lodahl.

Schon der Orgelsachverständige Christoph Noetzel hatte nach seiner Besichtigung im Sommer 2017 die Orgel als gut erhaltene Zeitzeugin als unbedingt erhaltungswürdig eingestuft - allein schon wegen des komplett vorhandenen und unveränderten Pfeifenwerkes. Die Instandsetzung wäre seiner Meinung nach ein großer Zugewinn für die mitteldeutsche Orgellandschaft.

Fördermittel fließen für 240 000-Euro

Und diese Instandsetzung erfolgt nun auch noch in dem Jahr, in dem die Orgel das „Instrument des Jahres“ ist. Der Förderverein der Godebertikirche und die Kirchengemeinde gehen inklusive einiger Nebenarbeiten von einer Investition von etwa 240 000 Euro aus. Unterstützt wird das Projekt durch Fördermittel aus dem Kulturerbe-Programm der Investitionsbank Sachsen-Anhalt, Mitteln aus dem Orgelfonds von Landeskirche und Kirchenkreis sowie durch den Landkreis. Spätestens Ende September soll die Sanierungsmaßnahme beendet sein.