Haldensleben l Eine erfolgreiche und spannende Zeit bei der Para Europameisterschaft in Berlin liegt hinter Hanna Wichmann. Mit einer silbernen und einer bronzenen Medaille im Gepäck ist sie nach Hause zurückgekehrt. 16,63 Meter im Keulenwurf und 4,45 Meter im Kugelstoßen - für Hanna Wichmann war die Europameisterschaft ihr bisher größter sportlicher Erfolg.

Silber im Keulenwurf

Mit einem Lächeln denkt die Sportlerin, die aufgrund einer spastischen Teraparese im Rollstuhl sitzt, an die Siegerehrung zurück. „Das war ein sehr schönes Gefühl. Bei der Verleihung der silbernen Medaille musste ich weinen“, erinnert sie sich.

Dabei sah es erst nicht danach aus, dass sie überhaupt mitmachen dürfte. Denn die Hürden für die Teilnahme an einer solchen Veranstaltung sind sehr hoch. „Hanna erfüllte die Voraussetzungen eigentlich nicht. Aber dann haben sie das Team vergrößert und sie konnte doch dabei sein“, sagt ihre Mutter Claudia Wichmann.

Für den Wettkampf trainierte Hanna Wichmann ein halbes Jahr lang bis zu zwei mal täglich, jeweils zwei Wochen verbrachte sie in Trainingslagern in Dubai und auf Lanzarote. Das Trainingspensum war nicht ganz unproblematisch. „Vor dem Keulenwurf-Wettkampftermin konnte ich zwei Wochen lang nicht werfen, da ich Schulterschmerzen hatte“, erzählt sie und ihre Mutter ergänzt: „So abgekämpft habe ich sie auch noch nicht gesehen.“ Trotz der ganzen Anstrengung hat Hanna Wichmann die Trainigszeit genossen. „Ich bin gut in das Team aufgenommen worden. Wir hatten einen engen Kontakt untereinander.“

Bronze beim Kugelstoßen

Außerdem musste sie in der Zeit nicht an die Arbeit denken. „Der Sport ist für mich der Ausgleich zur Arbeit“, sagt Hanna Wichmann, die als Mitarbeiterin im Onlineversandhandel des diakonischen Behindertenwerks in Greifswald tätig ist.

Überhaupt nimmt der Sport eine wichtige Rolle in ihrem Leben ein. „Mich erfüllt der Sport. Wenn ich ihn nicht hätte, wüsste ich nicht, was ich machen sollte“, sagt sie.

Leben für den Sport

Ihre Leidenschaft für Sport zeichnete sich schon früh ab. „Im Fernsehen habe ich Leichtathletik rauf und runter geguckt.“ 2010 habe sie dann selber mit dem Leistungssport angefangen, beim Gesundheits- und Behinderten-Sportverein Haldensleben. „Mein damaliger Trainer, Christian Wischer, hat meine Arme gesehen und gesagt, dass man daraus was machen kann“, erzählt sie.

Für ihre Ausbildung zog sie dann 2014 nach Greifswald, ihre Sportlerkarriere konnte sie dort beim Landesleistungszentrum für Behindertensport weiter verfolgen. Claudia Wichmann fiel die Trennung von ihrer Tochter am Anfang schwer. „Sie war ja vorher immer in meiner Nähe oder in einem ihr bekannten Umfeld gewesen. Das war schon ein großer Schritt, vermutlich war ich ängstlicher als sie.“

Nächstes Ziel: Tokio

Nach ihrer Ausbildung blieb Hanna Wichmann in Greifswald. Mittlerweile trainiert sie beim HSG Uni Greifswald.

2016 sammelte sie erste Erfahrungen in einem internationalen Wettkampf. Sie trat bei der Jugendweltmeisterschaft der Handicap-Leichtathleten in Prag an und gewann Gold und Silber.

Die Medaillen hängen neben anderen Auszeichnungen in ihrem Zimmer, für die kürzlich errungenen muss noch ein Platz gefunden werden. Und wer weiß, wie viele weitere dazu kommen. Das nächste Ziel hat sich Hanna Wichmann bereits gesetzt: Die Paralympischen Spiele 2020 in Tokio. „Es gibt natürlich auch Tage, an denen ich denke, warum mach ich das. Aber ich habe ein großes Ziel vor Augen und das treibt mich an.“