Haldensleben l Seit 1876 war die Orgel in der Marienkirche den Haldenslebern treu, vor zehn Jahren jedoch verstummte sie und spielte seither keinen Ton mehr. Damit es nicht still in der Kirche bleibt, gründete sich der Orgelbauverein St. Marien – Haldensleben und setzte sich dafür ein, eine neue Orgel anzuschaffen. Doch dann brachte ein Gutachten gänzlich neue Erkenntnisse.

„Es hat mich berührt, dass wir unsere Orgel nicht ersetzen müssen, sondern sie retten können“, sagt Nina von Zitzewitz. Seit zweieinhalb Jahren ist sie Vorsitzende des Orgelbauvereins. Den Anstoß brachte Christoph Noetzel als Orgelsachverständiger des Kirchenkreises Haldensleben-Wolmirstedt. Aus seiner Erfahrung als gelernter Orgelbauer schätzte er, dass man das alte Instrument doch retten könnte. Er sagte den Vereinsmitgliedern jedoch auch, das für ein solches Vorhaben viel Geduld nötig ist.

Der Orgelbaumeister Jörg Dutschke aus Salzwedel krabbelte schließlich durch die Orgel und nahm sie genau unter die Lupe. Das Ergebnis seines Gutachtens: Man kann die totgeglaubte Orgel doch reparieren. Deshalb setzte sich der Orgelbauverein im Mai 2019 zusammen und beratschlagte über die Sinnhaftigkeit einer Sanierung. Seither wurden alle Hebel in Bewegung gesetzt, um die Orgel doch noch zu retten.

Inzwischen hat der Kirchenkreis sich per Votum für die Sanierung ausgesprochen. „Nachdem wir zwei Mal beschlossen hatten, dass die Orgel erneuert werden muss, ist die Sanierung eine sehr gute Nachricht“, sagt Pfarrer Matthias Simon. Inzwischen wurden bereits alle notwendigen Weichen gestellt und Angebote eingeholt. Eine Orgelbaufirma aus Sachsen wird sich dem Haldensleber Original annehmen. Das kann jedoch erst passieren, wenn die Fördermittel für die Sanierung freigegeben sind. Insgesamt 800.000 Euro wird die Sanierung kosten, eine Neuanschaffung wäre vermutlich teurer geworden.

Handarbeit ist gefragt

Ist der Startschuss gefallen, werden die Orgel-Experten verschiedene Pfeifen und Bauteile der Orgel ausbauen und in Handarbeit einzeln wieder in Schuss bringen. „Über die Hälfte der Orgel können restausriert und saniert werden“, sagt Nina von Zitzewitz. So sind beispielsweise 40 von 25 Registern. Dabei handelt es sich um eine Reihe von Pfeifen gleicher Klangfarbe.

Nach dem ersten Bauabschnitt soll eines der drei Manuale, also die Klaviatur der Orgel, wieder bespielbar sein. Drei Jahre wird die Sanierung der Orgel voraussichtlich dauern. Dann erst wird das mächtige Instrument nach vielen Jahren Ruhezeit erstmals wieder Töne von sich geben. Ziel ist es, die romantische Orgel in Klang und Konzept wieder so herzustellen, wie im Originalzustand 1876.

„Mir persönlich gefällt die Idee, etwas so Bedeutendes nicht abzureißen, sondern zu erhalten“, erklärt Nina von Zitzewitz. Der Verein habe über die vergangenen zehn Jahre eine sehr emotionale Debatte rund um das Instrument geführt. Auch ans Aufgeben des gesamten Projektes wurde gedacht. Doch die guten Nachrichten haben den Zusammenhalt der etwa 40 Mitglieder wieder gestärkt.

Nachdem in den vergangenen Monaten vor allem viele bürokratische Hürden von den Vereinsmitgliedern genommen wurden, soll es nun wieder an die Spenden gehen. „Die Sanierung ist ein finanzieller Kraftakt, den wir nicht allein stemmen können“, so Nina von Zitzewitz.