Haldensleben l 148 Flüchtlinge leben derzeit in der Gemeinschaftsunterkunft in Weferlingen, 175 sind es in der Haldensleber Gemeinschaftsunterkunft. Die Situation der Bewohner dort ist keine schlechte – das stellten die Mitglieder des Runden Tisches gegen Ausländerfeindlichkeit in Sachsen-Anhalt fest, als sie am Donnerstag die Einrichtungen besuchten. Regelmäßig machen die Mitglieder um den Vorsitzenden des Runden Tisches, Manfred Seifert, und seinen Stellvertreter Michael Marquardt in einem Landkreis Sachen-Anhalts Halt. Diesmal war der Landkreis Börde an der Reihe.

Viel, so erläuterte Manfred Seifert, sei in der Börde in die Infrastruktur und die Unterbringung im Zusammenhang mit den Gemeinschaftsunterkünften investiert worden. Kleine Probleme, so bestätigte aber auch Corinna Sladky als Leiterin des Fachdienstes Migration im Landkreis, gebe es in den Wohnheimen trotzdem ab und zu. Dabei machen sich durchaus Unterschiede bemerkbar, die beispielsweise durch die unterschiedliche Lage der Unterkünfte erklärt werden können.

Der Landkreis, so fanden die Teilnehmer der Begehungen heraus, ist stets bemüht, sich an die gesetzliche Unterbringungsrichtlinie zu halten. Demnach sollen Einzelpersonen nicht länger als drei Jahre in einer Gemeinschaftsunterkunft untergebracht werden und Familien nicht länger als sechs Monate. Besonders für letztere werden also schnell Wohnungen gesucht.

„Bei der Wohnungsbeschaffung gibt es noch immer Probleme, das ist ganz deutlich. Auch im Landkreis Börde ist das so“, berichtet Susi Möbbeck. Die Staatssekretärin im Ministerium für Arbeit, Soziales und Integration des Landes Sachsen-Anhalt machte sich bei dem Runden Tisch ebenfalls ein Bild direkt vor Ort. Bei vielen privaten Vermietern sei die Angst ein wichtiger Punkt, der nicht vernachlässigt werden dürfe. Nicht immer sei das aber nur die Angst vor dem Fremden, sondern oftmals auch vor bürokratischen Hürden, die mit der Vermietung an Flüchtlinge einhergehen könnten. „Dabei können wir genau in diesem Punkt die Leute beruhigen. Denn die Landkreise stellen hier jegliche Hilfe zur Verfügung“, sagt Susi Möbbeck. Weil die Miete vom Landkreis bezahlt wird, hätten Vermieter außerdem keine Ausfälle zu befürchten.

Begeistert zeigte sich die Staatssekretärin von der Initiative, die Unternehmen im Landkreis Börde an den Tag legen. „Wir haben uns sagen lassen, dass Firmen hier gezielt in die Gemeinschaftsunterkünfte gehen und um Mitarbeiter werben“, erläuterte Susi Möbbeck. Und auch Michael Marquardt als stellvertretender Vorsitzender des Runden Tisches lobte dieses Engagement, das im Landkreis offenbar Früchte trage, wie Positivbeispiele zeigten, die den Mitgliedern vorgestellt wurden. Im Haldensleber Mehrgenerationenhaus EHFA, wo der Runde Tisch tagte, wurden etliche Initiativen und Behörden vorgestellt, die sich im Kreis um Geflüchtete und Migranten kümmern. „Vor allem das Ehrenamt ist hier sehr stark, das ist nicht in allen Landkreisen so“, erklärte Susi Möbbeck. Und auch Corinna Sladky bekräftigte, dass viele Willkommensinitiativen im Landkreis die Integrationsarbeit enorm unterstützen. Das werde auch bei Anfeindungen deutlich, die bei dem Runden Tisch gegen Ausländerfeindlichkeit ebenfalls zur Sprache kamen: Gegner der Flüchtlingsaufnahme gibt es auch im Landkreis Börde, Anfeindungen müssen Geflüchtete auch hier erleben. Gegenwind und Hilfe kommt dabei aber oft von besagten Initiativen.

Weil Verwaltung und Ehrenamt gut aufgestellt seien, gebe es eher eine gute Diskussionskultur, als große Probleme. Als Anregung nahm Corinna Sladky von der Veranstaltung mit, dass ein noch größerer Vernetzungsbedarf und eine bessere Kommunikation zwischen allen Initiativen besteht. So könne die Arbeit aller erleichtert werden. Im Landkreis Börde gibt es derzeit etwa 1200 Asylsuchende und rund 1000 bereits anerkannte Flüchtlinge. Hinzu kommen 3000 weitere Ausländer, von denen die Hälfte EU-Bürger sind. Insgesamt sind das 5200 Ausländer, die derzeit im Landkreis leben, was einen Anteil von zirka drei Prozent ausmacht. Zum Vergleich: Im Januar 2015 waren es mit 3200 Ausländern rund 1,9 Prozent. Deutlich wurde den Mitgliedern des Runden Tisches in ihrer Befragung auch, welche große Rolle Sport oder musikalische Betätigung im Leben der Flüchtlinge für eine gelungene Integration spielen. Probleme, die nicht nur der Landkreis Börde hat, sind hingegen noch immer die Eingliederung in den Arbeitsmarkt. Das Interesse an Bildung, so erläutert Michael Marquardt, sei immer da. Aber oft scheitere es an der Bürokratie, so beispielsweise bei über 16-jährigen Geflüchteten, die gern später noch die Schule besuchen würden.