Eickendorf l Sollte Silke und Lutz Muth an ihrem Projekt „Gnadenhof“ jemals Zweifel gehabt haben, genügte ein Blick auf ihre treuen Pferde, die ihr Dasein auf den Wiesen am Rand von Eickendorf genießen. Das Gelände der „SiLu-Ranch“ (SiLu steht für Silke und Lutz) ist ruhig gelegen und weit genug entfernt, um niemanden zu stören.

Die Idee, alten Pferden eine neue Heimat zu geben, hatte das Paar schon vor einigen Jahren. „Die Hürden sind nun gefallen, um unser Großprojekt Gnadenhof wirklich in die Tat umzusetzen. Zahlreiche Gespräche, Behördengänge und Verhandlungen mit unterstützenden Firmen waren positiv verlaufen. Auch wenn bis zur endgültigen Realisierung noch einige Zeit ins Land ging“, denkt Silke Muth zurück. Auf dem etwa 15 Hektar großen Grundstück und dem großen Laufstall erfüllen die Muths alle Voraussetzungen für dieses Projekt.

Tag der offenen Tür gefeiert

Zum Tag der offenen Tür sind nicht nur Freunde und Familienangehörige gekommen, sondern auch einige Bewohner von Eickendorf und weit gereiste Besucher. „Mein Mann Jürgen war viele Jahre der Arbeitskollege von Lutz. Heute wollen wir – also unsere ganze Familie – einfach mal schauen, wie der Hof sich so entwickelt hat“, sagt Gudrun Vogel aus Mariental. „Ich finde es toll, was Silke und Lutz hier auf dem Riesengelände geschaffen haben. Da steckt ein Haufen Arbeit drin“, sagt Jürgen Bannier und hilft seiner dreijährigen Enkelin Amilia auf den Rücken eines Pferdes.

Bilder

Am Tag der offenen Tür nehmen sich Muths gern die Zeit, zurück zu blicken. „Wir haben in Helmstedt gewohnt. Nach Eickendorf sind wir vor zehn Jahren gekommen, weil wir hier unsere Träume verwirklichen können. Wir hatten schon vorher Pferde, die in Pensionsställen untergebracht waren. Hier haben wir endlich etwas Eigenes“, erzählt Silke Muth. Margitta Kaiser gehört zu den Nachbarn und überreicht eine Flasche Likör und ein Bund Mohrrüben als Gastgeschenk. Sie verrät schmunzelnd: „Wir brauchen doch auch den Pferdemist für den Garten. Es ist ein Geben und Nehmen.“

„Auf dem Gelände standen zuvor drei alte LPG-Hallen, in denen zu DDR-Zeiten Schweine gehalten wurden. Zwei Ställe haben wir abgerissen. Die dritte Halle war erhaltungswürdig, die haben wir umgebaut“, beschrieb Silke Muth. Für den Abriss der alten Gebäude hatte das Ehepaar 2013 Fördermittel im Rahmen der Lokalen Aktionsgruppe (LAG) „Flechtinger Höhenzug“ vom Land Sachsen-Anhalt bekommen. „Die Grundmauern der dritten Halle waren noch gut. Es ist ein neues Dach drauf gekommen. Es erfolgte eine entsprechende Sanierung des Innenbaus“, schildert die Hofherrin. „Ohne die Hilfe von Freunden und Bekannten, die nach Feierabend oder an den Wochenenden geholfen haben, hätten wir es noch längst nicht geschafft“, denkt sie zurück.

Ranch wurd 2016 ausgezeichnet

2016 wurde die Ranch von der Vereinigung der Freizeitreiter und -fahrer Deutschland (VFD) als Wanderreitstation ausgezeichnet. Neben der artgerechten Unterbringung der Pferde gibt es auch Übernachtungsmöglichkeiten für die Reiter. Die VFD hat Kriterien festgelegt, welche Bedingungen für Mensch und Tier zu leisten sind. Dazu gehört, dass die Sicherheit der Pferde gewährleistet ist – egal ob diese in der Box auf dem Paddock oder der Weide untergebracht sind.

„Von uns aus kann man direkt in den Flechtinger Höhenzug reiten. Wanderreitruten sind auch auf der Web-Seite der VFD zu finden“, erklärt die Chefin des Hofes, die mächtig stolz auf ihr „Pferd-Mensch-Ferien-Domizil“ ist und es liebevoll als „Bett und Box“ bezeichnet. Muths wollen den Pferde-Rentnern noch einen schönen Lebensabend bereiten. „Wir haben im Moment vier eigene Pferde. Es sollen mit unseren maximal zehn Pferde werden. Wir wollen die Gruppe klein halten. Die Pferde sollen hier eine Herberge für den Rest ihres Lebens haben und die nötige Pflege und Liebe bekommen“, beschreibt Silke Muth.

Neben den Pferden leben auch Katzen auf dem Hof. „Ein Hund kommt noch dazu. Lutz ist ab heute in Altersteilzeit und hat dann Zeit, das Treiben auf dem Hof zu managen, während ich weiter beruflich im VW-Werk in Wolfsburg tätig bin und natürlich die Arbeit auf der Ranch unterstützen werden“, blickt Silke Muth optimistisch voraus.

„Wir wollen kein herkömmlicher Reitbetrieb sein. Reitunterricht geben wir nicht“, betont sie. Lutz und Silke haben seit fast 20 Jahren Pferdeerfahrung, außerdem ist Lutz im Besitz des vorgeschriebenen Sachkundenachweises, so dass eine professionelle Betreuung der Pferde gewährleistet ist. „Meist benötigen alte Pferde eine intensivere Pflege, weil bereits erste gesundheitliche Einschränkungen vorhanden sind. Durch eine kleine Gruppenhaltung ist es möglich, jedes Pferd individuell zu versorgen. Hierzu gehört zum Beispiel, bei Bedarf dem Tierarzt oder dem Schmied zu assistieren, Medikamente zu verabreichen oder auch auf Wunsch des Besitzers, eine Decke aufzulegen“ weiß Lutz Muth. Diese individuelle Versorgung könne ein großer Reitbetrieb durch die Anzahl der vorhandenen Pferde meist nicht leisten.

Weitere Informationen zur Wanderreitstation und zum Pferde-Oldie-Hof finden Sie hier und über die Reitervereinigung hier.