Teilhabemanagerin

Neues Gesicht auf dem Etinger Mariannenhof

Der „Mariannenhof“ in Etingen ist das Zuhause von 13 Frauen und Männer mit Handicap. Neu auf dem Hof ist die Teilhabeprojektmanagerin Ramona Schulze. Sie knüpft Kontakte zwischen den Hofbewohnern und Menschen der Region.

Von Anett Roisch
Das Backsteinhaus in Etingen ist das Zuhause für 13 Menschen mit Handicap. Teilhabeprojektmanagerin Ramona Schulze stellt sich vor und schildert die Ziele des Vorhabens „Mariannenhof: teilhaben, vernetzen, unterstützen".
Das Backsteinhaus in Etingen ist das Zuhause für 13 Menschen mit Handicap. Teilhabeprojektmanagerin Ramona Schulze stellt sich vor und schildert die Ziele des Vorhabens „Mariannenhof: teilhaben, vernetzen, unterstützen". Foto: Anett Roisch

Etingen - Der „Mariannenhof“ wurde vor drei Jahren als Wohnprojekt der Evangelischen Stiftung Neinstedt ausgebaut und bietet 13 Menschen mit Beeinträchtigungen ein Zuhause. Die Bewohner können gemeinsam mit ihren Betreuern und zusammen mit Meerschweinchen, Katzen, Hühner und einem Hahn das Leben auf dem Bauernhof mit allen Facetten erleben.

Neu auf dem Hof ist Ramona Schulze. Sie besetzt seit kurzem eine über das Land Sachsen-Anhalt geförderte Stelle als Teilhabeprojektmanagerin. „Das Projekt zum Thema ,Vernetzung, Teilhabe und Unterstützung' soll die sozialen Folgen des demografischen Wandels abmildern“, erklärt Ramona Schulze, die von Magdeburg nach Calvörde gezogen ist. Die ausgebildete Heilerziehungspflegerin und Heilpädagogin arbeitete zuvor mehr als 20 Jahre sowohl mit verhaltensdeliquenten Kindern und Jugendlichen sowie als Anti-Gewalttrainerin mit strafauffälligen jungen Menschen und Erwachsenen. Zu ihrem Betätigungsfeld zählten auch junge Erwachsene mit Beeinträchtigungen. „Durch mein Hobby dem Boxsport bin ich auch in der Funktion als Trainerin für alle möglichen Altersgruppen und Arbeitsbereiche tätig gewesen“, erzählt die 50-Jährige. Sie betont, dass es schon immer ihr Anliegen gewesen sei, sozialen und alltagsüblichen Ungerechtigkeiten entgegenzuwirken.

Bei ihrer neuen Aufgabe möchte sie ihre erworbenen Erfahrungen und Kontakte mit ihrem Beruf verknüpfen. „Unser Anliegen ist es, das Thema ,Inklusion' der Region nahe zu bringen: Wir wollen Unterstützer gewinnen und Projekte organisieren“, blickt die Managerin voraus.

Erfahrung mit Projektarbeit

„Wegen der Erfahrungen, welche Frau Schulze aus ihren vorherigen Tätigkeiten - gerade bei der Projektarbeit mit den Jugendlichen - mitbringt, haben wir ihr die Stelle angeboten“, sagt Michael Lange, Teamleiter der Einrichtungen der Stiftung in Calvörde und Etingen. Die Chemie habe gleich gestimmt. „Frau Schulze ist sofort losgeprescht und hat verschiedene Projekte bereits in Angriff genommen“, sagt Lange. Ein Netzwerk zwischen dem „Mariannenhof“ und der Gemeinde soll etabliert werden, um Inklusion und Integration für die Bewohner voranzutreiben.

„Die Etinger hatten uns von Anfang an freundlich und hilfsbereit aufgenommen“, erinnert sich der Teamleiter. Im Dorf gäbe es eine Toleranz und Offenheit zu den Menschen mit Behinderung. Das erleichtert die Inklusion - also Teil dieser Gemeinschaft sein - auf jeden Fall. Die Bewohner seien im Dorf „angekommen“. Eine Kooperation gäbe es bereits mit dem Sportverein, bei dem Bewohner kostenfrei Beachvolleyball und Fußball spielen können.

Durch Fördermittel des Europäischen Sozialfonds soll auch die Scheune auf dem Hof aus- und umgebaut werden. Geplant ist es, dass dort Veranstaltungen und Projekte durchgeführt werden. Auch einige Sponsoren haben sich schon gefunden.

Vielfältige Möglichkeiten

Außerdem gibt es einen großen Garten. „Es gibt viele Möglichkeiten für verschiedenste Projekte mit den Bewohnern und hoffentlich bald auch mit Gästen der Umgebung. Das Taubenhaus schreit regelrecht nach einem Gemeinschaftsraum und soll mit Hilfe von außen zu neuem Leben erweckt werden“, erzählt Ramona Schulze. Sie motiviert Handwerker der Umgebung und freiwillige Helfer, das Vorhaben finanziell, materiell oder mit Fleiß zu unterstützen.

Ein Sportraum soll für Bewohner und Gäste in einem ehemaligen Stall entstehen. Auch für dieses Vorhaben werden noch Helfer gesucht. „Es ist uns gelungen, den ehemaligen Weltmeister im Supermittelgewicht Boxen Robert Stieglitz als Schirmherr für unser Projekt zu gewinnen. Es gibt bereits einen Termin zum gegenseitigen Kennenlernen“, berichtet die Managerin. Auch das Fitnessstudio „Lucky Fitness“ in Haldensleben sei ein starker Partner. Ein Mal wöchentlich können Bewohner dort individuell unter professioneller Anleitung trainieren.

Geplant hat sie auch einen Besuch der „Freebiker“ aus Velsdorf, die auf ihren Motorrädern die Bewohner in Etingen und Calvörde mit einer gemeinsamen Aktion überraschen wollen.

„Auch die Einrichtungen in Calvörde, das „Haus Bonin“ und die „Villa Johanne“, die ebenfalls zur Stiftung Neinstedt gehören, sind offen für jedes Hilfsangebot“, ergänzt die Managerin. Spaziergänge am Nachmittag, mal ein Buch vorlesen, gemeinsam alte Volkslieder oder Schlager mit den Bewohnern singen, dies alles wäre - nach ihren Ausführungen - eine Bereicherung für das gesamte Gemeinschaftsleben. „Das Nachbarschaftsgefühl erleben und das Anderssein als normal ansehen, sollte doch mit etwas Akzeptanz und einem Lächeln im Herzen möglich sein“, appelliert sie. Dies wäre doch ein erster Schritt - nach der harten Corona-Zeit - zurück in die Menschlichkeit.

Wer das Projekt mit Ideen, finanziell, materiell oder mit eigenem Fleiß unterstützen möchte, kann sich per Mail bei ramona.schulze@neinstedt.de melden oder sich mit ihr auf dem „Mariannenhof“ verabreden.