Dorfleben

Nordgermersleben soll aufblühen und noch grüner werden

Von Studenten erarbeitetes Konzept für einen „Grünen Ring“ soll Schritt für Schritt umgesetzt werden

Wegen seiner zentralen Lage soll der Platz an der Sonnenuhr, der zum "Pfad der Sinne" gehört, als Erstes neu gestaltet werden.
Wegen seiner zentralen Lage soll der Platz an der Sonnenuhr, der zum "Pfad der Sinne" gehört, als Erstes neu gestaltet werden. Fotos (2): Constanze Arendt-Nowak

Constanze Arendt-NowakNordgermersleben

Wer mit offenen Augen durch die Straßen Nordgermerslebens geht, entdeckt sie jetzt überall: Grünflächen mit üppigem Flor aus Löwenzahn, Gänseblümchen und anderen Frühlingsblumen, dazu Bäume, die ihre Blätter entfalten. Vielleicht grünt es in dem Ort nicht mehr als anderswo, aber hier sollen Gras, Blumen und Bäume zukünftig einen anderen Stellenwert bekommen.

Nicht nur auf dem Papier, sondern auch in der Realität soll der „Grüne Ring“ weiterentwickelt werden - er soll sich sozusagen entfalten. Die Ideen dafür haben findige Köpfe aus Nordgermersleben bereits Anfang des vergangenen Jahres mit Studenten der Hochschule Anhalt in einem Workshop zusammengetragen. „Die Studenten haben im Nachhinein die Wünsche und Anregungen der Teilnehmer ausgewertet und ein tolles Konzept erstellt“, erklärt Ortschaftsrätin Kerstin Frenzel und rückt einen dicken Ordner mit dem Konzept auf dem Tisch zurecht. Sie hat den „Grünen Ring“ zu ihrem Steckenpferd erklärt.

Zuckerfabrikberg zählt zu den beliebten Plätzen

Stärken wurden ebenso herausgearbeitet wie Schwächen. So bieten beispielsweise der Landschaftspark, das Ökobad, der Spielplatz auf dem Zuckerfabrikberg und das gemeinsame Wirken der Vereine bei verschiedenen Aktionen reichlich Potenzial. Bemängelt wurde dagegen unter anderem, dass ökologisch wertvolle Grünflächen und Bäume fehlen und es am Baumschnitt hapert.

Auf die Erkenntnisse, die die Studenten in ihrer Masterarbeit zusammengefasst haben, wollen die Nordgermersleber jetzt aufbauen. „Sie haben uns diese Planungsunterlagen für ein ökologisch und schön gestaltetes Dorf zur Umsetzung überlassen“, so Kerstin Frenzel. Sie freut sich beispielsweise über „ganz wunderbare Pflanzpläne“ mit Stauden in gelben und blauen Farben, die auch im Nordgermersleber Wappen enthalten sind.

Gemeinsam mit Nordgermerslebens Ortsbürgermeister Albrecht von Bodenhausen sowie den anderen Ortschaftsräten sieht Kerstin Frenzel auch Potenzial auf den öffentlichen Grünflächen. So können die Nordgermersleber nicht nur Baumpaten werden, sondern auch öffentliche Flächen, beispielsweise vor der eigenen Haustür, mit einer Pflegevereinbarung bewirtschaften und pflegen. Kerstin Frenzel macht es vor und kümmert sich mit ihrer Familie um die Grünflächen vorm Haus. „Früher wurden die Streifen immer gemäht, jetzt geben wir den Pflanzen die Möglichkeit zu gedeihen“, erklärt sie und präsentiert stolz den Grünstreifen. Verschiedene Pflanzen haben sich hier ganz von selbst ausgesät, darunter eine Stockrose.

„Wir brauchen nicht überall Sportplatzrasen“, fügt Albrecht von Bodenhausen hinzu und meint damit, dass auch Nicht-Mähen mal in Ordnung ist. Nur gepflegt sollte es schon sein. „Indem sie die Flächen vor ihren Grundstücken sauberhalten, sorgen die Nordgermersleber für ein ordentliches Ortsbild“, merkt Kerstin Frenzel an. Sie ist sich bewusst, dass die Flächen auch Wachsamkeit der Nordgermersleber benötigen. Manchmal muss gegossen werden, störendes Laub oder achtlos weggeworfener Müll entfernt werden. Bei größeren Flächen im Ortsbild könnten die „Patenschaft“ auch Vereine übernehmen.

Apropos größere Flächen: Hierauf zielen zwei größere Projekte hin, die nun auch praktisch angegangen werden sollen. In der jüngsten Sitzung des Gemeinderates Hohe Börde hat der Nordgermersleber Ortschaftsrat mehrere Anträge eingebracht, die den „Grünen Ring“ betreffen. Ihnen wurde zugestimmt.

Platz an der Sonnenuhr soll neu gestaltet werden

So wächst insbesondere bei Kerstin Frenzel und Albrecht von Bodenhausen die Hoffnung, dass zeitnah der Platz an der Sonnenuhr durch den Bauhof neu gestaltet wird. Da die Studenten auch hierführ einen detaillierten Plan erstellt haben, können die Planungskosten gespart werden. „Die Einschätzung dieser Maßnahme stiftet den höchsten ökologischen, sozialen und ästhetischen Nutzen. Dieser Eingangsbereich des Dorfes hat eine hohe Wahrnehmung nach außen und innen“, heißt es in der Begründung für diesen Wunsch. Die Sonnenuhr ist Teil des „Pfades der Sinne“, der durch Nordgermersleben führt, und zudem stand die Neugestaltung des Platzes ganz oben auf der Liste der Bevölkerung.

„Uns ist bewusst, dass die Umsetzung des Konzeptes kostenintensiv ist, deshalb arbeiten wir in Etappen“, so Kerstin Frenzel. Die zweite Etappe stellt den Zuckerfabrikberg in den Fokus. Hier soll beispielsweise die Streuobstwiese, möglichst mit Fördermitteln, erweitert werden. Auch eine Baumallee mit den „Bäumen des Jahres“ könnte entstehen. Um auch Vögeln und Kleintieren Rückzugsmöglichkeiten zu schaffen und blühende Pflanzen anzusiedeln, soll der Grünflächenschnitt künftig nach einem Mähplan erfolgen.