Freizeit

Oldtimer-Parade durch Flechtingen

Sie alle haben schon etliche Jährchen „auf dem Buckel“: 25 Oldtimer sind am bei der Schlösser-Tour der Klassik Motor Touring Interessengemeinschaft  durch den Landkreis Börde gekurvt.

Von Anett Roisch
Mit ihren  Morgan Three ziehen Matthias Meyer aus Leer in Ostfriesland und seine Lebensgefährtin Claudia Prock aus Braunschweig die Blicke auf sich. Vor dem Flechtinger Wasserschloss beantwortet das Paar die Fragen der neugierigen Passanten zum dreirädrigen Engländer.
Mit ihren Morgan Three ziehen Matthias Meyer aus Leer in Ostfriesland und seine Lebensgefährtin Claudia Prock aus Braunschweig die Blicke auf sich. Vor dem Flechtinger Wasserschloss beantwortet das Paar die Fragen der neugierigen Passanten zum dreirädrigen Engländer. Foto: Anett Roisch

Flechtingen

„Wir sehen die automobilen Klassiker als unsere Passion, die Wege als Ziele sowie die Ziele mit Geschichte und Geschichten. Ein Augenmerk liegt auf Kultur und nicht nur auf automobile Kultur – wir sind offen für viele Kulturen", erklärt Joachim Eichmann aus Jena. Mit seinen Oldtimerfreunden eröffnet er die Fahrsaison. Die Tour dazu hat er organisiert.

Liebhaber der alten Karossen starten in Wendhausen bei Braunschweig. Eine Karawane aus einer bunten Mischung mit luftgekühlten VW-Käfern und Bullis, britischen Roadster wie Triumph TR 4, Austin Healey, Jaguar E-Type und auch 911er Porsche verschiedener Baujahre steuern in Richtung Drömling . Auf der Tour besuchen die Oldtimer-Piloten die Schösser der Region, wie das kleine Jagdschloss in Detzel, das Barockschloss in Hundisburg, das Wasserschloss in Flechtingen und das Ponyschloss in Altenhausen.

Eichmann betont, dass sich die Gemeinschaft der Freunde des klassischen Automobils nicht auf eine bestimmte Automarke spezialisiert hat und die Teilnahme an den Touren nicht vom Alter des Fahrzeugs abhängt. „Wer gern Auto fährt und etwas Originelles hat, ist bei uns willkommen. Was uns verbindet, ist die Freude am Autofahren und schöne Landschaften zu genießen“, beschreibt Eichmann, der selbst am Steuer eines knallroten Käfers sitzt, bei einem Zwischenstopp im Kurort Flechtingen. Auf dem Platz zwischen Kirche, Rathaus und Schloss werden die tollkühnen Piloten der nostalgischen Kisten schon von Schaulustigen erwartet.

Ein besonderer Hingucker ist der Morgan Three. Der „Threewheeler“ (Dreiräder) ist so etwas wie eine Mischung aus Auto und Motorrad. „Er hat drei Räder und eine Blech-Karosse auf einem Eschenholz-Rahmen. Der Threewheeler wurde bis vor kurzem noch gebaut“, sagt Eichmann und schwärmt vom außergewöhnlichen Engländer. An Bord des Gefährts sitzen Matthias Meyer aus Leer in Ostfriesland und seine Lebensgefährtin Claudia Prock aus Braunschweig. „Das Modell gab es vor über 100 Jahren schon einmal. Es wurde nach altem Vorbild bis vor kurzem wieder gebaut“, erzählt die Beifahrerin und gesteht, dass sie das ungewöhnliche und dachlose Mobil nur in der Schönwettersaison nutzen. „Im Winter schlummert er“, sagt die Braunschweigerin mit einem Augenzwinkern.

Bunter Käfer ist für Sylvia Schlüns das Wohnzimmer

Ein Regenbogen schmückt den weißen Käfer von Sylvia Schlüns aus Vorsfelde. „Nachdem ich meinen Führerschein gemacht hatte, brauchte ich einen fahrbaren Untersatz, um zur Arbeit zum VW-Werk nach Wolfsburg zu kommen. Da ich damals wenig Geld hatte, kaufte ich mir einen Käfer“, berichtet die Pilotin vom Beginn ihrer Leidenschaft zum kugeligen Fahrzeug. Inzwischen fährt sie einen Oldtimer, den ihr Mann aus alten Teilen zusammengebaut hat. „Mein Käfer wird nächstes Jahr 50. Wenn die Leute das kunterbunte Auto sehen, kriegen sie meist ein Lächeln im Gesicht“, sagt sie nicht ohne Stolz. Ein Käfer ist - nach ihren Beschreibungen - ganz einfach aufgebaut. „An oder Aus“, feixt sie. Zuhause in der Garage steht noch ein VW-Caddy, aber am liebsten fährt sie eben ihren Käfer. „Er ist gemütlich wie mein Wohnzimmer“, sagt die Vorsfelderin. Das Besondere am Käferfahren sei, dass wenn er mal stehen bleibt, die Leute immer gern helfen, ihn wieder in Gang zu bringen. Gang und gäbe sei es, dass sich nicht nur die Käferfahrer untereinander grüßen, sondern auch Trabantfahrer zur Begrüßung blinken. Was für die Westdeutschen der Käfer sei, wäre für die Ostdeutschen der Trabbi.

Im Kurort besichtigen die Crews der klassischen Mobile auch die Wassermühle. Helga Semmer und Rudolf Schlächter vom Heimat- und Mühlenverein, zeigen die Mühlentechnik. Die Flechtinger wissen viel Spannendes über das Handwerk und über die Geschichte der Region zu berichten. Der Flechtinger Wilhelm Busse freut sich indes über die interessierten Besucher und führt die Gäste durch die Kirche. Jede Menge Informationsmaterial hält Kora Duberow, Abteilungsleiterin Kur und Tourismus im Luftkurort, für die Gäste bereit. Die Besucher sind begeistert und versprechen, bald wieder zu kommen.