Ackendorf l Mit einigen Visionen im Hinterkopf war Jessica Krause als Neuling vor etwa anderthalb Jahren zur Ortschaftsratswahl in Ackendorf angetreten. Für ihr Ziel, frischen Wind in die Ortschaft zu bringen, begeisterte sie viele – als Einzelbewerberin holte sie bei der Wahl so viele Stimmen, dass sie zwei Plätze im Ortschaftsrat hätte besetzen können, und zudem bekam sie von den drei anderen Ratskollegen auch das Vertrauen, die Funktion der Ortsbürgermeisterin zu übernehmen.

Damit ist nun Schluss. Jessica Krause hat nach etwas mehr als einem Jahr ihr Amt sowohl als Ortsbürgermeisterin als auch als Ortschaftsrätin niedergelegt. Wegen Differenzen im Ortschaftsrat, wie sie sagt. An das Thema Kommunalpolitik macht sie zunächst enttäuscht einen Haken. Dennoch kündigt sie an, auch in Zukunft in freiwilliger Tätigkeit für das Dorf anpacken und somit einige bereits begonnene Projekte fortführen zu wollen. „Ich habe mich gern für meinen Heimatort engagiert“, so Jessica Krause.

Ihr Rücktritt macht die Situation in Ackendorf prekär, denn in der September-Sitzung hatte der Gemeinderat der Hohen Börde gerade den Rückzug vom Ortschaftsrat Martin Plate aus gesundheitlichen Gründen zur Kenntnis nehmen müssen. Da die beiden möglichen Nachrückerkandidatinnen der Wählergruppe Aktive Bürger Ackendorf, Viola Herzig und Verena Seiler, ihr Mandat nicht angenommen haben, machte sich bereits mit dem Ausscheiden eine Ergänzungswahl für den Ackendorfer Ortschaftsrat erforderlich. Hintergrund: Mit drei Mitgliedern hätte der Rat nicht einmal mehr zwei Drittel der in der Hauptsatzung festgeschriebenen fünf Mitglieder gehabt. Die Zahl der Ratsmitglieder richtet sich nach der Einwohnerzahl der Ortschaft.

Ergänzungswahl im Februar

Auf Volksstimme-Nachfrage informiert das Hauptamt der Gemeinde Hohe Börde, dass die Ergänzungswahl für den 28. Februar 2021 terminiert ist. Eine Bekanntmachung im Amtsblatt ist bereits erfolgt.

Bis zur Ergänzungswahl besteht der Ortschaftsrat nun erstmal nur noch aus den Ortschaftsräten Mathias Stempor und Falko Reinecke. Mit weniger als drei Mitgliedern ist der Ortschaftsrat nach Auskunft des Hauptamtes nicht mehr beschlussfähig. Ratssitzungen können zwar durchgeführt werden, haben aber keinen beschließenden Charakter. „Sollten dringende Angelegenheiten für die Ortschaft Ackendorf beschlossen werden, ist der Gemeinderat aktuell das beschließende Organ“, heißt es weiter auf Anfrage. In dem Fall würde Mathias Stempor, der zum stellvertretenden Ortsbürgermeister gewählt worden ist, vom Gemeinderat im Rahmen einer Anhörung um eine Empfehlung gebeten werden. Er übernimmt auch, bis ein neuer Ortsbürgermeister oder eine neue Ortsbürgermeisterin gewählt wird, die Aufgaben des Ortsoberhauptes.

Mathias Stempor selbst bedauert die entstandene Situation. Auf Volksstimme-Nachfrage sagt er aber: „Im Sinne der Ortschaft gilt es jetzt, nach vorne zu schauen und die Zeit bis zur Nachbesetzung der insgesamt drei offenen Mandate so gut wie möglich zu gestalten.“ Er hoffe sehr, dass sich Kandidaten finden, die zu dieser „für den Ort wichtigen“ Wahl antreten. Solange er als stellvertretender Ortsbürgermeister die Amtsgeschäfte führt, gehöre es für ihn auch dazu, in Abstimmung mit seinem Ratskollegen Falko Reinecke Empfehlungen an den Gemeinderat abzugeben.