Calvörde/Flechtingen l Mystische Nebelschwaden liegen in der Waldlichtung auf den Calvörder Bergen. Eine ganze Karawane von Fahrzeugen steht auf einem Waldweg. Die kleine mobile Stadt aus Wohnwagen und Pavillons ist aufgereiht. Recht früh muss die Crew an Ort und Stelle sein. Der Drehort ist abgeschirmt. Sicherheitsposten mit „Knopf“ im Ohr passen auf, dass niemand stört. Ganz in der Ferne knallt die Klappe.

In dem neuen Fall von Hauptkommissarin Doreen Brasch (Claudia Michelsen) dreht sich alles um den rätselhaften Fund einer ermordeten Frau, die allerdings bereits vor Jahren für tot erklärt wurde. Während Claudia Michelsen und Felix Vörtler als Kriminalrat Uwe Lemp auf Mördersuche sind, ist Anne-Sophie Look aus Westeregeln froh, den Drehort mitten im Wald gefunden zu haben. Es ist ihre erste Komparsenrolle. „Meine Schwester hatte bei Facebook gelesen, dass eine junge Frau mit blonden Locken, die die Tote spielt, gesucht wird. Ich habe eine Mail geschrieben und ein paar Fotos von mir geschickt. Schon am nächsten Tag kam der Anruf, ob ich heute Zeit habe“, sagt die 22-jährige Altenpflegerin, die in Magdeburg arbeitet.

Ein junger Mann vom Filmteam erklärt, dass man sich beim Set auf die beiden „W’s“ einstellen müsse: Warten und Wiederholen. Da ist viel Geduld vonnöten. Auch Jana Sennewald und Matthias Ohlrich beweisen als Komparsen Geduld. Ohlrich spielt nicht nur einen Notfallsanitäter, sondern er ist ein echter Johanniter-Lebensretter. „Wir fahren im Film den Rettungswagen“, erklärt er, während Jana Sennewald, Kommunikationsreferentin beim Johanniter-Regionalverband Magdeburg, im Rettungswagen sitzt. Ihre Sani-Jacke ist viel zu groß. „Eigentlich wollte ich heute nur Fotos für unsere Öffentlichkeitsarbeit machen, der Job als Komparsin war ein schöner Zufall“, erklärt sie auf dem Weg zur Mittagspause.

Bilder

Mobiles Catering vor Ort

Aus einem silberglänzenden Küchen steigen köstliche Düfte. „Kartoffel-Gratin geht immer“, weiß Christian Körl. Er gehört zum mobilen Catering mit dem passenden Namen „Hollywood Diner“ aus Hamburg. Der junge Mann, der aus Kiel kommt und dort auch seine Ausbildung gemacht hat, trägt die heißen Behälter. Er erzählt, dass der Wagen einer von zehn ist, die in ganz Deutschland und großen Teilen Europas unterwegs sind. Sie versorgen Filmcrews direkt am Set mit frischem Essen. Die Mittagspause verschiebt sich um eine halbe Stunde, heißt es. Kein Problem für Körl und seine Kollegen. Seine Kochkünste habe er in Berlin, München und der Schweiz verfeinert. „Beim heutigen Set gibt es kaum Extrawünsche“, verrät der Kieler. Aber bei den ganz berühmten Stars gäbe es schon den einen oder anderen besonderen Wunsch. Zu den prominenten Gästen an seinem Tisch zählte in der Vergangenheit auch schon Til Schweiger, der nicht nur ein leidenschaftlicher Schauspieler ist, sondern auch hinter der Kamera Regisseur, Drehbuchautor und Produzent ist. „Auch der britische Filmregisseur Ridley Scott war schon unser Gast. Einer seiner bekanntesten Werke ist der Science-fiction-Film ,Alien‘“, verrät der Koch.

Mit Verspätung kommen dann die Hauptakteure vom Tatort zum Mittagstisch. Michael Otto schildert, wie er als Motivaufnahmeleiter auf den Flechtinger Forst als Drehort gekommen ist. „Weil wir einen Kiefernwald suchten, hatte ich rundum Magdeburg die Forstämter angeschrieben. Es gab einige Rückmeldungen, in denen es hieß: Unseren Kiefernwald wollen Sie nicht sehen, der ist durch Trockenheit und Borkenkäferbefall lädiert“, beschreibt Otto.

Thomas Roßbach, Leiter des Betreuungsforstamtes Flechtingen, habe sich jedoch bei ihm gemeldet. Mit Roßbach ist der Aufnahmeleiter durch die Wälder gefahren und fündig geworden. Bei dieser Gelegenheit sei Otto auch auf die Straße zwischen Flechtingen und Calvörde gestoßen, die für die Dreharbeiten einen Tag lang gesperrt war.

Neben Claudia Michelsen und Felix Vörtler werden Schauspieler wie Henning Peker, Pablo Grant , Ben Münchow, Christian Kuchenbuch, Luisa-Celine Gaffron, Deborah Kaufmann und Steffen C. Jürgens im Film zu sehen sein. Regie führt David Nawrath. Hinter der Kamera steht Tobias von dem Borne, während Markus Burhenne der Setaufnahmeleiter ist. Filmpool fiction produziert diesen Polizeiruf im Auftrag des Mitteldeutschen Rundfunks noch bis zum 12. Dezember in Magdeburg und Umgebung. „Im Dezember drehen wir in Mammendorf in der Hohen Börde auf einem Bauernhof“, blickt der Motivaufnahmeleiter voraus.

Anne-Sophie Look gesteht, dass sie überhaupt noch nichts über die Handlung im Film weiß. Aus Spaß an der Sache sei sie dabei. „Wann hat man schon mal die Chance, in einem Krimi mitzuspielen. Ich habe heute sowieso frei“, sagt die Altenpflegerin, die ihren Einsatz kaum erwarten kann. Ihre Chefin habe vorgeschlagen, dass alle Kollegen gemeinsam vor dem Fernseher den Polizeiruf schauen. Der Krimi wird 2020 im Ersten ausgestrahlt. Einen genauen Sendetermin gibt es noch nicht.