Kirche

Propst Christoph Hackbeil nimmt Abschied von Weferlingen

Keine Abschiedstour wie Rockstars, sondern eine Sich-wiedersehen-Tour habe er angetreten, stellte Propst Christoph Hackbeil, der seinem Ruhestand entgegensieht, bei seinem Besuch in Weferlingen fest.

Von Anett Roisch
Propst Christoph Hackbeil (l.), der seinem Ruhestand entgegensieht, und Landesbischof Friedrich Kramer singen nach der kurzen Andacht in der St.-Lamberti-Kirche mit den Gästen im Kantoratsgarten.
Propst Christoph Hackbeil (l.), der seinem Ruhestand entgegensieht, und Landesbischof Friedrich Kramer singen nach der kurzen Andacht in der St.-Lamberti-Kirche mit den Gästen im Kantoratsgarten. Foto: Anett Roisch

Weferlingen - Für ihn sei es jedoch noch keine Abschiedstour, scherzte Landesbischof Friedrich Kramer bei seinem Besuch in Weferlingen. Er sei Jahrgang 1964, „und wir sind die meisten in Deutschland.“ Doch „wir werden weniger“, bedauerte er. Bezugnehmend auf den Lebensbaum stellte er fest, dass ein Obstbaum zur Pappel werden kann. Mit Blick auf den demographischen Wandel müsse sich auch die Kirche strukturell anpassen, deshalb werde die Stelle des Propstes auch nicht wieder besetzt. In den Gemeinden werden – wie in Weferlingen – vielfach Kirchengemeindeverbände gebildet.

Viel Geld für Sanierungen ausgegeben

In den letzten 30 Jahren konnte viel Geld für Sanierungen ausgegeben werden, besonders Kirchen, die eigentlich schon abgeschrieben waren, wurden super saniert, so der Bischof, doch die Kirchen müssen auch „gefüllt“ werden. Ganz wichtig sei die Seelsorge. Bei Sonderseelsorgebereichen wie der Klinik- und Notfallseelsorge sei die Kirche gut aufgestellt, aber in Gemeinden sei es oft ein Problem. Viele Ältere würden auf einen Besuch vom Pfarrer warten. Pfarrerinnen und Pfarrer müssten entlastet werden, damit sie mehr Zeit haben für Seelsorge und Verkündigungsdienst. Er sei dem Bischof sehr dankbar, dass er viel Augenmerk gerade auf die Seelsorge lege, versicherte Propst Christoph Hackbeil. Vor seinem Besuch in Weferlingen war er bereits in mehreren Gemeinden der Region zu Gast, und da habe er auch das Engagement erlebt. Ganz besonders jetzt, da nach dem großen Lockdown wieder vieles zum ersten Mal möglich sei. Zum ersten Mal wieder volle Schulklassen in Haldensleben, zum ersten Mal wieder Gottesdienst in Rätzlingen, zum ersten Mal treffe sich die Junge Gemeinde wieder und nicht nur über das Internet, zählte er einiges auf. Und er erzählte von Begegnungen in Barleben, wo er sich mit einem Wohnmobil in die Einkaufsstraße gestellt hatte. „Zurück ins echte Leben“ hatte er auf ein Pappschild geschrieben und kam so mit Passanten ins Gespräch – über ihr Leben und über die Kirche.

In der Kirche müssten viel mehr Gespräche über aktuelle Themen möglich sein, meinte der Propst. Auch Christine Sobczyk, Vorsitzende des Gemeindekirchenrats, sieht die Kirche als Vermittler, als Zuhörer und Wahrnehmer. Während der Corona-Einschränkungen wurde auch viel telefoniert. Viele Gemeinden setzen auf kleine Formate, angefangen bei Andachten, stellte der Propst fest. Mit dem Blick auf die Seelsorge fragte er: „Aber wer macht Besuche zu Hause? Die Pfarrerinnen und Pfarrer?“ In einigen Gemeinden gäbe es „grüne Damen“ wie in Krankenhäusern. Sie werde besucht, meinte Elli Kraul, die Älteste an diesem Abend in der Runde. Natürlich sei das jetzt wegen Corona schwierig gewesen, die Pfarrerin habe aber angerufen. Und es gäbe zum Beispiel stets einen Plausch, wenn ein Kirchenratsmitglied den Gemeindebrief bringt.

Zum Abschluss des Abends griff der Bischof noch einmal zur Gitarre. „Der Mond ist aufgegangen“, klang es stimmungsvoll und passend zu später Stunde, „… verschon' uns Gott mit Strafen und lass uns ruhig schlafen, und unsern kranken Nachbarn auch.“