Haldensleben l Sie waren bunt, laut, kreativ und nicht zu überhören: Zahlreiche Grundschüler, Lehrer, Erzieher, Schulsozialarbeiter und Sympathisanten haben gestern Nachmittag vor dem Landratsamt in Haldensleben für den Erhalt der vakanten Schulsozialarbeiterstellen an neun Grundschulen im Landkreis Börde protestiert.

Mit Trillerpfeifen, roten Kreuzen, Plakaten und Seifenblasen machten die Teilnehmer ihrem Unmut Luft, dass die Schulsozialarbeiterstellen an den neun Grundschulen zum 31. Juli dieses Jahres auslaufen. Grund ist, dass die Fördermittel aus dem Bundesprogramm „Bildung und Teilhabe“, mit denen ihre Stellen bisher finanziert wurden, ausgeschöpft sind. Bislang ist unklar, wie es zukünftig weitergehen soll.

Projekte anschaulich demonstriert

Christian Grabow, Schulsozialarbeiter an der Grundschule Burg Ummendorf, machte zu Beginn der Kundgebung noch einmal deutlich, was Schulsozialarbeit an den Grundschulen bedeute und was in den zurückliegenden zwei Jahren alles geschaffen worden sei. Er sprach von einem vertrauensvollen und von Respekt geprägten Verhältnis zwischen den Schulsozialarbeitern und den Grundschülern, Lehrern und Eltern, das es mittlerweile gebe. Die Schulsozialarbeiter hätten es mit viel Engagement, Zeit und Herzblut geschafft, Ansprechpartner für rund 1500 Kinder zu sein.

Auf Laken, die an einer langen Leine am Landratsamt aufgehängt waren, stand geschrieben, welche Projekte es durch die Schulsozialarbeit an den Grundschulen gebe: Sucht- und Mobbing-Prävention, soziales Kompetenztraining, thematische Elternabende, Lernumfeldgestaltung und vieles mehr war darauf zu lesen. Symbolisch wurde ein Laken nach dem anderen abgenommen, um zu zeigen, was alles an den Grundschulen nicht mehr stattfinden werde, wenn es keine Weiterfinanzierung der Schulsozialarbeit geben sollte.

244.000 wären im Haushalt nötig

Christian Grabow sprach aber auch davon, dass sie eine „unglaubliche Menge an Unterstützung“ erfahren. Sowohl von den Kindern selbst, den Lehrern und Eltern sowie aus der Bevölkerung und Kommunalpolitik. Mit ihrer Aktion wollten die Teilnehmer den Kreistagsmitgliedern, die im Landratsamt zu anderen Themen tagten, deutlich machen, wie wichtig die Schulsozialarbeit sei. Sie kämpfen dafür, dass der Kreistag eine Übergangsfinanzierung beschließt. Der Landkreis müsste in den laufenden Haushalt 244.000 Euro einstellen, um die Schulsozialarbeit bis Ende des Jahres so weiterzuführen wie bisher. Hinzu kämen für das erste Halbjahr 2020 336.000 Euro. Ab dem Schuljahr 2020/21 baut das Aktionsbündnis „Schulsozialarbeit dauerhaft verankern“ dann auf das Landesförderprogramm für die Schulsozialarbeit, das vom Landtag in Aussicht gestellt wird. Damit sollen 100 Prozent der Kosten übernommen werden.

Damit würden auch die weiteren 31 Schulsozialarbeiter finanziert werden, deren Verträge im Sommer 2020 auslaufen. Die über das EU-Förderprogramm EFRE finanzierten 31 Stellen an den weiterführenden Schulen sind bis dahin befristet.

Kreistagsmitglieder scheinen einig zu sein

Landrat Martin Stichnoth hatte in der jüngsten Sitzung des Kultur- und Sozialausschusses in Aussicht gestellt, auf der letzten Kreistagssitzung dieser Legislatur am 15. Mai einen Antrag zur weiteren Förderung bis zum Sommer 2020 zur Abstimmung zu bringen. In der Ausschusssitzung zeichnete sich ab, dass Konsens darüber herrschte, die jetzt auslaufenden Stellen zunächst ein weiteres Jahr zu erhalten. Entweder mit kreiseigenen Mitteln, oder mit einer Mischkalkulation, an der sich auch die Kommunen beteiligen.

Darauf setzt beispielsweise auch Neo Krümmling. Der Viertklässler aus der Grundschule Flechtingen sprach im Namen der Grundschüler auf der Kundgebung. „Schulsozialarbeit ist für uns Kinder wichtig. Ihr Erwachsenen dürft sie uns nicht wegnehmen“, sagte er und sprach von vielen Angeboten und Projekten, die sonst nicht mehr stattfinden würden. „Wir vertrauen euch Politikern“, sagte Neo Krümmling, bevor alle Kinder und Erwachsenen laut „Schulsozialarbeit ist cool“ skandierten.