Umwelt

Rätzliner und Eickendorfer vermissen Pflege der Grünanlagen

Groß ist der Ärger in Rätzlingen: Überall wächst das Unkraut, Meter hoch steht das Gras auch am Radweg.

Von Anett Roisch
Janett Segler führt vor, dass das Fahrradfahren auf dem verwilderten Weg an der Landesstraße 24 von Rätzlingen nach Kathendorf wegen des hohen Grases nicht möglich ist.
Janett Segler führt vor, dass das Fahrradfahren auf dem verwilderten Weg an der Landesstraße 24 von Rätzlingen nach Kathendorf wegen des hohen Grases nicht möglich ist. Foto: Anett Roisch

Rätzlingen/Eickendorf - „Hinterbliebene wollen an den Gräbern ihrer verstorbenen Angehörigen gedenken. Doch auf verwahrlosten Friedhofsflächen schmerzt es in der Seele“, sagte Uwe Rothmann (UWG Feuerwehr), Mitglied des Rätzlinger Ortschaftsrates. Auf der jüngsten Zusammenkunft schilderte er die Situation und klagte, dass die Pflegearbeiten auf dem Friedhofsareal - insbesondere die anonyme und die teilanonyme Urnengrabstätte - seit längerer Zeit von den Mitarbeitern des Stadthofes der Einheitsgemeinde Oebisfelde-Weferlingen erheblich vernachlässigt wurden. Diese letzten Ruhestätten würden - nach Rothmanns Ausführungen – wenig würdevoll erscheinen. Die Urnengrabstätten und Nebenanlagen seien verkrautet und würden einen verwahrlosten Eindruck hinterlassen. „Von regelmäßiger Pflege ist dort keine Spur. Die ebenerdig liegenden Grabplatten der teilanonymen Urnengrabstätte sind zum Teil zugewachsen“, sagte der Rätzlinger. Er zeigte Fotos, die er selbst am Tag zuvor geschossen hatte.

„Lobenswert ist zu erwähnen, dass die Bürger unserer Gemeinde die laut Friedhofssatzung festgelegten Pflichten zur Pflege ihrer Grabanlagen erfüllen. Die Pflichtaufgabe der Stadt wird hingegen nicht erfüllt“, kritisierte er. Darüber seien viele Einwohner des Ortes verärgert. 2019 sei die Friedhofsgebührensatzung der Stadt Oebisfelde-Weferlingen mit Erhöhung der Friedhofsgebühren angepasst worden. Doch am Pflegezustand der Friedhöfe habe sich nichts ändert. Rothmann schlug vor, dass seitens der Stadt ein mit kürzeren Intervallen realisierbarer Pflegeplan für die Friedhöfe und auch für die öffentlichen Flächen erarbeitet werden soll. Er wisse sehr wohl, dass die Mitarbeiter des Wirtschaftshofes mit ihren Arbeiten sicherlich vollumfänglich ausgelastet sind. „Auf Dauer ist diese Situation aber nicht hinnehmbar“, betonte er und versicherte, dass er sich nach seinen Möglichkeiten für eine Lösung des Problems einsetzen werde.

Ein erster Lösungsansatz könnte seiner Ansicht nach sein, dass aus der Friedhofssatzung ein Absatz gestrichen wird. „Darin heißt es sinngemäß, dass die Wege, Plätze und Einrichtungen im Rahmen der bereitgestellten Mittel und des zur Verfügung stehenden Personals unterhalten und gesichert werden“, sagte Rothmann. Dieser „sogenannte Freibrief der Stadt“ gehöre aus seiner Sicht nicht in die Friedhofssatzung.

Auch der Aufbau einer Friedhofsverwaltung oder die Übertragung der Aufgaben an Fremdfirmen würde der Rätzlinger in Erwägung ziehen. „Irgendwie muss eine Lösung her, damit sich unsere Gemeinden mit sauberen Friedhöfen und öffentlichen Flächen wieder sehen lassen können“, so Rothmann.

Einheitsgemeinde Bürgermeister Hans-Werner Kraul (CDU) sagte gestern, dass er vom miserablen Zustand auf dem Rätzlinger Friedhof zum ersten Mal höre. Er werde sich aber umgehend mit Mitarbeitern des Ordnungsamtes in Verbindung setzten, um der Sache nachzugehen.

Weg von Rätzlingen nach Kathendorf zugewachsen

„Wir haben den katastrophalen Zustand der Grünanlagen schon ein paar Mal auf den Ratssitzungen erwähnt, aber es wird nichts gemacht“, sagte Ortschaftsrätin Janett Segeler (WG Sport). Ihr Ärger über den zugewucherten Radweg von Rätzlingen nach Kathendorf ist besonders groß, denn viele ältere Leute könnten nun nicht mehr mit dem Rad zur Physiotherapie nach Kathendorf fahren. Auch Kinder, die mit dem Rad zur Schule fahren, könnten den Weg nicht mehr nutzen. Radfahren auf der Landesstraße 24 sei hingegen wegen dem starken Verkehr lebensgefährlich. „In diesem hohen Gras können außerdem gefährliche Zecken lauern“, sagt die Ortschaftsrätin. „Das ist ja juristisch gar kein Radweg, sondern ein illegaler Trampelpfad“, entgegnete Kraul. Ein richtiger Radweg werde auf dieser Strecke erst bis zum Ende des Jahres gebaut.

In Eickendorf sind einige Bewohner ärgerlich über ein Schreiben vom Ordnungsamt, indem sie auf ihre Pflicht zur Straßen- und Gehwegreinigung als Eigentümer der Grundstücke hingewiesen werden. „Das kam bei den Leuten nicht gut an. Während der Großteil der Eickendorfer ihre Grundstücke nach ihren Möglichkeiten pflegt, wuchert das Unkraut zum Beispiel vor dem Dorfgemeinschaftshaus. Obwohl endlich die öffentlichen Grünflächen gemäht wurden, wächst das Kraut vor dem gemeindeeigenen Gebäude schon wieder nach“, sagte Eickendorfs Ortsbürgermeister Udo Cherubim und zeigt auf den Löwenzahn, der vor der Fassade des Dorfhauses sprießt. Diese Schreiben vom Amt seien – nach Krauls Auskunft – auch schon bei der jüngsten Stadtratssitzung Thema gewesen. Auf der einen Seite würde die Kommune selbst ihren Säuberungspflichten nicht nachkommen, aber Briefe rausschicken. In der Amtsleiterrunde sei bereits darüber gesprochen worden. Das Prozedere dazu werde geprüft.

Mitarbeiterzahl im grünen Bereich wurde halbiert

Das Problem sieht Kraul aber am Personalmangel des Wirtschaftshofes. „Seit 2014 haben wir die Mitarbeiterzahl im grünen Bereich halbieren müssen. Nicht weil wir das so schön fanden, sondern weil der Stadtrat dies im Rahmen des Haushaltskonsolidierungskonzeptes so beschlossen hat“, sagte Kraul. Er selbst sei damals zwar noch kein Bürgermeister gewesen, könne sich aber noch gut an den Beschluss erinnern. Nach den Ausführungen von Kraul habe Detlef Meyer, Leiter des Ordnungsamtes, damals auf die Bedeutung des Beschlusses hingewiesen und prophezeit, dass die Kräfte dann nicht mehr mit dem Grünschnitt reihum kommen. So stehe dies auch im Protokoll der damaligen Sitzung. Genauso sei es jetzt eingetreten. „Wir haben deutlich zu wenig Kräfte. Sicher ist, dass die Mitarbeiter einhundert Prozent ihrer Arbeitskraft derzeit beim Grünschnitt verbringen“, sagte der Bürgermeister und ergänzte: „Wir sind am Limit. Wenn wir zu wenig Leute haben, muss der Stadtrat seine Entscheidung von damals überdenken. Dann müssen wir an anderen Stellen konsolidieren.“