Alkoholmissbrauch

Rauschfahrten in der Börde

Mit zwei Bier intus kann man noch fahren - solche Sätze hört man öfters. Der Trend im Rausch zu fahren steigt in der Börde.

Von Jasmin Teut

Haldensleben l Wer beim Autofahren mit einem Alkoholwert ab 0,3 Promille erwischt wird, kann mit einer strafrechtlichen Ahndung rechnen, erklärt Polizeisprecher Matthias Lütkemüller. Im Jahr 2019 lag der höchste gemessene Blutalkoholwert eines Autofahrers bei 3,51 Promille. Bei einem solch hohen Wert könne man schon von einem Alkoholproblem sprechen, sagte Wiebke Hoffmann, Leiterin der Suchtberatungsstelle in Haldensleben. „Bei mehr als 1,6 Promille kann man von einem regelmäßigem Konsum ausgehen“, sagte sie. Der höchste Blutalkoholwert im Jahr 2018 lag hingegen noch bei 3,1 Promille. Dabei sollte bedacht werden, dass ab circa drei Promille Symptome wie Bewusstlosigkeit, Gedächtnisverlust oder Reflexlosigkeit auftreten können.

Drogen und Alkohol schränken unsere Wahrnehmung ein und senken auch die Hemmschwelle. Dadurch wurden 2018 insgesamt 70 Unfälle unter Alkoholeinfluss und sechs durch den Konsum von Drogen verursacht. Im darauffolgenden Jahr stieg die Zahl auf 76 Unfälle unter Alkoholeinwirkung.

Das Polizeirevier Börde registriert jedoch nicht nur die Unfallzahlen, sondern auch die bei den großangelegten Verkehrskontrollen. „Die Kontrollen der Polizei werden permanent an sieben Tagen in der Woche rund um die Uhr durchgeführt“, teilte Lütkemüller mit. Schwerpunkttage, an denen sich besonders viele im Rausch ans Steuer setzen, gebe es nicht. Allerdings würden die meisten Feststellungen von Alkohol- oder Drogeneinfluss zwischen 18 und 22 Uhr getroffen werden.

164 „Alkoholfahrten“ mit mehr als 0,5 Promille konnte die Polizei 2018 feststellen. Im Folgejahr stieg die Zahl der betrunkenen Fahrer auf 187. Und jede dieser Rauschfahrten hätte in einem Unfall enden können. Sie gefährden dabei allerdings nicht nur sich selbst, sondern auch andere Autofahrer oder auch Insassen im eigenen Auto. So ging es jemandem, der sich Hilfe bei der Suchtberatungsstelle geholt hat. Im Rausch Auto zu fahren habe dem Freund auf dem Beifahrersitz das Leben gekostet, erzählte Hoffmann. „Es muss erst einen Tiefpunkt geben, um sich dem Problem zu stellen“, sagte sie weiter. Das seien vor allem Unfälle, verursacht durch Alkohol- oder Drogenkonsum oder wenn der Führerschein durch eine Kontrolle der Polizei eingezogen wurde.

Dass vor allem junge Menschen zu den Rauschfahrern gehören, kann Lütkemüller nicht bestätigen. „Überrepräsentiert sticht keine besondere Gruppe hervor. Der Hauptanteil liegt bei Personen im Alter zwischen 25 und 45 Jahren“, teilte er mit.

Doch es gibt nicht nur die Alkohol- oder Drogenfahrer, sondern auch Personen, die sich im richtigen Vollrausch ans Steuer setzen und zuvor sowohl Alkohol als auch Drogen konsumiert haben. Davon gab es im Jahr 2018 vier Fälle bei denen ein Unfall die Folge war und vier weitere, die bei einer Polizeikontrolle festgestellt werden konnten. 2019 waren es dann schon 10 Unfälle unter Alkohol- und Drogeneinfluss, sowie elf Fahrer, die bei einer Kontrolle erwischt wurden, teilte der Polizeisprecher weiter mit.

Wer sich berauscht ins Auto setzt, sollte immer vor Augen haben, dass er nicht nur sich, sondern auch andere einem gefährlichen Risiko aussetzt. Hat man getrunken oder andere Drogen genommen, sollte man sich überlegen, das Auto vielleicht doch lieber stehen zu lassen, denn „Ausrutscher gibt es nicht“, sagt Wiebke Hoffmann.

Wer Hilfe in Bezug auf Sucht, Alkohol- oder Drogenabhängigkeit sucht, kann sich unter anderem bei der Suchtberatungsstelle des Paritätischen in Haldensleben unter 03904 /668 58 50 melden. Weitere Informationen lassen sich unter DROBS Haldensleben finden.