Rätzlingen l Nach anfänglichen Verzögerungen ist der Rohbau des Gemeinde- und Kulturzentrums im Kirchengemeindeverband Rätzlingen schon ansehnlich.

Nach den ersten Planungen wäre der Bau schon längst realisiert. Beim Abriss der alten Pfarrscheune zeigte sich, dass die Substanz – der zu erhaltenden Bauteile – nicht so war, dass weiter gebaut werden konnte. Eine Prüfung wurde damals erforderlich und somit ein Baustopp verfügt. Um die Bauarbeiten wieder aufnehmen zu können, mussten erneut einige Instanzen durchlaufen und ein neuer Bauantrag gestellt werden. Außerdem gab es bei dem Abriss des alten Gemäuers archäologische Scherbenfunde aus dem 15. Jahrhundert.

Mauern und Balken stehen

Nun stehen die Mauern des Rohbaus. Die Dachbalkenkonstruktion ist fertig. „Wir planen, dass in der zweiten Januarhälfte mit der Dachdeckung begonnen wird. Das ist natürlich vom Wetter abhängig“, blickte Bauingenieur Steffen Hilliger vom Haldensleber Planungsbüro Seidl & Heinecke voraus. Bevor nicht Fenster und Türen eingebaut und so das Gebäude verschlossen werden kann, werde – nach den Ausführungen des Planers – auch nicht mit dem Trockenausbau im Innern begonnen. „Die kommenden Gewerke müssen erst noch eingetaktet werden“, erklärte Hilliger.

„Wir sind stolz, dass wir es soweit geschafft haben“, sagte Karl-Michael Schmidt, Gemeindepädagoge des Kirchenkreises Haldensleben-Wolmirstedt. „Vor dem Mauerwerk wird noch das Fachwerk gesetzt“, beschrieb Schmidt. Er erklärte, dass es eine Auflage des Fördermittelgebers sei, dass die Scheune mit der Erweiterung wieder das ursprüngliche Bild bekommt.

Altes Gebälk nicht nutzbar

„Die alten Balken waren nicht mehr nutzbar“, betonte Eberhard Krull aus Everingen vom Kirchengemeindeverband. Weil Everingen neben Rätzlingen, Kathendorf, Bösdorf, Lockstedt und Seggerde zum Gemeindeverband zählt, hat sich Krull bereit erklärt, auch auf der Baustelle nach dem Rechten zu schauen. Und überhaupt sei das Bauprojekt ein gemeinsames Vorhaben aller Gemeinden des Gemeindeverbandes Rätzlingen, die in die Pfarrstelle Flechtingen mit angegliedert wurden.

Bereits 2016 hatte die Kirchengemeinde den Beschluss gefasst, das einstige Pfarrhaus aufzugeben und dafür das Gemeindezentrum zu bauen. „Das Kulturzentrum wird sozusagen das Wohnzimmer der Kirchengemeinde. Die Gemeinden haben zwar ihre Kirchen, aber kein eigenständiges Gemeindehaus, wo man sich versammeln kann und wo es eine Toilette gibt“, schilderte Schmidt.

Bald bessere Arbeitsbedingungen

Im neuen Domizil ist Platz für die Treffen des Frauenkreises, für die Bibelwochen, für den Konfirmandenunterricht, für die Kindernachmittage und für die Wintergottesdienste. „Die Christenlehre findet derzeit parallel zum Hort in der Grundschule statt. In der Schule sind die Kinder oft abgelenkt“, weiß der Gemeindepädagoge aus Erfahrung. Mit dem Neubau erhoffe er sich für das Christenlehreangebot verbesserte Arbeitsbedingungen.

„Mit dem Kulturzentrum hätten dann auch die Rentner einen Raum, in dem sie sich treffen können. Und auch der Kirchengemeinderat kann sich dann hier versammeln. Rätzlingen liegt zentral“, sagte Krull.

Sinnvolles Projekt für Kommune

Schmidt betonte, dass mit dem Neubau auch ein sinnvolles Projekt für die Kommune geschaffen wird. „Wir benutzen es nicht für uns allein. Die Kirchengemeinde kann, wenn die Rahmenbedingungen erfüllt sind, die Räumlichkeit auch Gruppen und Kreisen, die aus der Kommune anfragen, zur Verfügung stellen“, blickte Schmidt voraus.

Gebäude mit Leben erfüllt

„Wichtig ist, dass das Gebäude, wenn es fertig ist, wirklich mit Leben erfüllt wird“, sagte Berit Möhring, Kirchenbaureferentin vom evangelischen Kirchenkreis Haldensleben-Wolmirstedt. Sie schilderte die Gestaltung, die doch etwas anders aussieht, als bei den ersten Entwürfen. „Die Grundfläche ist so geblieben. Aber aus bautechnischen Gründen musste einiges geändert werden. Aus Kostengründen ist das Vorhaben architektonisch einfacher geworden. Als Hingucker werden die Glasfenster gestaltet“, beschrieb die Referentin.

Die Kosten betragen für die gesamte Baumaßnahme etwa 370 000 Euro. In der Summe enthalten sind etwa 110 000 Euro Eigenmittel, etwa 20 000 Euro kommen aus den Baulastfonds. Die Höhe der Leader-Zuwendung beträgt etwa 240 000 Euro. Mitte 2020 soll das Bauvorhaben vollendet sein.

„Der Termin für das Richtfest steht für Sonntag, 19. Januar, fest“, verkündet Pfarrerin Rabea Reinhold. Es wird um 11 Uhr in der Kirche einen Gottesdienst geben. Das Richtfest ist für 12 Uhr eingeplant. „Gäste aus nah und fern sind zum Gottesdienst, zum Richtfest und zum gemütlichen Beisammensein willkommen“, betonte die Pfarrerin.