Einzelhandel

Rolandkaufhaus und Hagenpassage: Es tut sich was in der Innenstadt von Haldensleben

Das Rolandkaufhaus in Haldensleben wird abgerissen und neu gebaut, nun will ein Investor auch die Hagenpassage umkrempeln. Damit würden mit nur 500 Metern Abstand zwei Discounter und zwei Drogeriemärkte in der Innenstadt einziehen. Doch das hat die Stadt bereits Anfang des Jahres bewusst versperrt.

Von Juliane Just 09.07.2021, 17:27
Die Hagenpassage in der Innenstadt soll mit neuen Mietern versehen und modernisiert werden.
Die Hagenpassage in der Innenstadt soll mit neuen Mietern versehen und modernisiert werden. Foto: Juliane Just

Haldensleben - Zwei wichtige Standorte für den Einzelhandel in Haldenslebens Innenstadt haben in den vergangenen Wochen und Monaten große Pläne bekannt gemacht. Das marode Rolandkaufhaus am Markt wird abgerissen und bis 2024 ein neuer Gebäudekomplex gebaut. Und auch in der Hagenpassage soll einiges passieren, denn dort will ein Investor umstrukturieren und andere Mieter ins Haus holen. Für die Käufer sind das vermeintlich gute Nachrichten – doch sie könnten dazu führen, dass die Innenstadt darunter leidet.

Seit Jahren stellt sich die Verwaltung die Frage, was getan werden muss, um das Aussterben der Innenstadt zu verhindern und sie zu stärken. Um zu unterbinden, dass sich der Einzelhandel im Außenbereich ansiedelt und Kunden von der Innenstadt wegzieht, hat die Stadt ein sogenanntes Einzelhandelskonzept erstellt. Darin wird festgehalten, welche Standorte für den Einzelhandel erwünscht sind – und welche eben nicht.

Im Jahr 2020 hat die Stadt untersuchen lassen, ob und wie viele Lebensmittelmärkte im Rolandkaufhaus und der Hagenpassage – und damit in der Kernstadt – verträglich sind. Verbunden sind beide Einkaufszentren durch die Fußgängerzone Hagenstraße. Sie ist das Herz der Innenstadt.

Magnetwirkung für die Kunden

Das Gutachten sieht im Bereich des Rolandkaufhauses ein großes Potenzial, um „Magneten“ für die Kundschaft anzusiedeln. Dafür würden sich bei der Stadtgröße Haldenslebens laut Gutachten vor allem Lebensmittelmärkte eignen. Die Hagenpassage mit dem Supermarkt Edeka und dem Umfeld mit Ärztehaus, Kulturfabrik, Sparkasse und Volksbank als auch dem großen Parkplatz entfaltet demnach bereits jetzt eine „starke Magnetwirkung“.

Im neuen Rolandkaufhaus ist der Einzug eines Supermarktes geplant, in der Hagenpassage soll neben dem bestehenden Edeka ein weiterer Lebensmitteldiscounter hinzukommen. Außerdem planen beide Einkaufszentren, einen Drogeriemarkt zu etablieren. Zwei Supermärkte schwächen die Innenstadt Die Analyse des Gutachtens zeigt, dass bei einem Lebensmittelmarkt im Rolandkaufhaus „gerade noch eine Wirtschaftlichkeit“ vorliegt. Ein weiterer Lebensmittelmarkt in der Hagenpassage würde jedoch laut Gutachten zu einer Überversorgung führen. Außerdem würden sich damit Kunden umverteilen, was insbesondere zulasten der bestehenden Betriebe führen würde. Das würde die Innenstadt schwächen und vor allem die Pläne am Rolandkaufhaus „gefährden oder unmöglich machen“. Außerdem würden auch die anderen Nahversorgungsgebiete wie am Süplinger Berg oder am Gänseanger darunter leiden. Diese Effekte würde laut Gutachten ebenfalls eintreten, wenn in beiden Einkaufszentren ein Supermarkt hinzukommt.

Das Fazit des Gutachtens aus 2020 lautet demnach: Ein zusätzlicher Discounter ist für die Innenstadt nur am Markt verträglich. „Ein weiterer Magnetbetrieb an oder in der Hagenstraße würde das städtebauliche Ziel gefährden und erschweren“, resümiert Stadtpressesprecher Lutz Zimmermann. Auch ein weiterer Drogeriemarkt in der Hagenpassage wird im Gutachten als „nicht gewünscht“ deklariert.

Im März 2021 beschloss der Stadtrat den sogenannten Textbebauungsplan zur Einzelhandelssteuerung, der seither rechtswirksam ist. Demnach sind die Pläne des Rolandkaufhauses umsetzbar, die der Hagenpassage nicht. Laut der luxemburgisches Investmentgesellschaft Mimco Capital, neuer Inhaber der Hagenpassage, sei man diesbezüglich im Gespräche mit der Stadt Haldensleben.